Peter Kröger

Funkturm

 


Unter gar keinen Umständen hatte ich die Absicht, dem Funkturm als Funkturm einen Vorwurf zu machen. Jeder, der sich auskennt, weiß, es ist unmöglich. Die Tatsache, dass ich ihn sozusagen unlängst kritisch unter die Lupe nahm, ist kein Hinweis auf eine wie auch immer geartete Opposition in Sachen Turmismus, dem ich, wie jeder weiß, seit frühesten Kindertagen verpflichtet bin, da ich in heißen Sommern in seinem Schatten kühlende Linderung und in schneereichen Wintern unter seinem stählernen Tragwerk Schutz erfuhr. Vielmehr geschah es im Bewusstsein, dem Faktischen aber Unbeseelten mit mehr oder weniger kundigen Worten ein wenig Leben einzuhauchen, auch wenn diese Vorstellung den einen oder anderen noch so gutwillig Denkenden zunächst befremden mag. So darf ich mich sogar im engeren Sinne als Funkturmisten bezeichnen, mehr noch, einzig und allein der Wunsch nach einem starken Turmismus war der Grund für die Weckrufe und Warnungen in meiner Untersuchung über Geschichte und Statik des Bauwerks, manche sagen: die Grundlagen des Funkturmismus schlechthin. Dass der Funkturm zusammenbrach, verrostet, wie es nun heißt, und all die Vielen, klein und groß, gut und böse, unter seinen Streben begrub, geschah, ich darf daran erinnern, ohne mein Zutun, ohne meinen Willen. Dass ich diesen Kollaps der Materie, des Konstrukts, gewünscht oder doch wenigstens still erhofft habe soll, können nur die behaupten, die selbst ein Interesse an seinem Untergang, seiner Zerstörung hatten und haben, kein wirklicher Turmist ist unter ihnen, einige Alt-Funkisten wohl, das schon, aber was ist die Chimäre Funkismus für sich genommen, sozusagen als Reinheitspostulat im luftleeren Raum, die Frage stellen heißt, ihre Absurdität zu begreifen, allenfalls dieser Vorwurf kann mir gemacht werden: meine Kritiker unterschätzt und dadurch nicht nur dem Funkturmismus sondern vor allem dem Funkturm in irreparabler Weise geschadet zu haben. Nur und zwar nur aus diesem Grunde verdiene ich den Tod. Auf 'lebenslänglich' verzichte ich dankend. Nun denn. Einer muss bluten: den Möwen zum Fraß! Alles was vergeht, vergehe! Die Kritik, sie lebe hoch! Sommers. Winters. Es lebe der Funkturm! Schluss is. Schluss. Ich wünsche – guten Appetit.

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