Iris Klinge

Ayahuasca, der Rausch aus dem Urwald Amazoniens

Bei meinen Reisen kreuz und quer durch Südamerika hörte ich immer wieder von der Wunderdroge Ayahuasca. Sie schien eine magische Anziehungskraft zu besitzen, viele mysteriöse Geschichten rankten sich um sie. Meine Neugier wurde geweckt, doch damals war ein Abenteuer im Regenwald des Amazonas noch zu gefährlich für mich als Alleinreisende. Eine direkte Begegnung mit Ayahuasca blieb mir verwehrt. Statt dessen machte ich die Erfahrung mit LSD, dessen Wirkung ähnlich sein soll. In den USA experimentierte der Psychologe Timothy Leary in den 60 iger und 70 iger Jahren mit dieser Bewusstseins erweiternden Droge und landete mehrfach im Gefängnis, weil laut amerikanischem Drogengesetz sowohl LSD als auch Meskalin, der Zauberkaktus und Peyote, der halluzinogene Pilz, beide aus Mexiko, strikt verboten waren.

Ein Amerikaner, den ich in Brasilien kennen lernte, besaß noch eine kleinere Menge LSD. Er teilte sie mit mir. Wir lagen den ganzen Tag am Strand, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich befand mich in einer parallelen Welt voller Visionen, total albern und enthemmt. Hätte ich in diesem Zustand am Steuer eines Autos gesessen, wäre ich mit Sicherheit voller Begeisterung an den erstbesten Baum gefahren. Die Wirkung hielt mehrere Stunden an. Ich hatte Glück, eine positive Erfahrung ohne weitere Konsequenzen gemacht zu haben, denn viele berichteten von Horror Visionen nach der Einnahme von LSD. Daher empfahl Leary die Einnahme nur Menschen, deren Psyche gefestigt war.

Im Gegensatz zu LSD ist Ayahuasca eine natürliche Droge, eine Liane im Urwald des Amazonas, die von den dortigen Indios als Medizin verwendet wird, um in andere Bewusstseinszustände zu gelangen und um Heilungsprozesse in Gang zu setzen. Leider entstand in den letzten Jahren ein wahrer Urwald Tourismus in Amazonien. Hotels wurden gebaut, um den großen Besucherstrom der Ayahuasca Suchenden zu befriedigen. Das Ganze ist inzwischen zu einem florierenden Markt geworden, der den früher armen Indios des Regenwaldes ein geregeltes Einkommen sichert.

Einer der Pioniere auf der Entdeckung der schamanischen Heilkunst war Clemens Kuby, der im Jahr 2002 mit einer Gruppe von Interessierten und Heilungssuchenden in den Amazonas und andere Teile der Welt reiste, um selbst die Wirkung der Wunderdroge auszuprobieren. In seinem berühmten Dokumentarfilm „Unterwegs in die nächste Dimension“ berichtet er über seine Erfahrungen. Kuby berichtet, dass sein Leben nach dem Besuch bei den Schamanen auf vier Kontinenten eine völlig andere Wende nahm. Vom Filmemacher wurde er zum Entwickler seiner Kuby-Heilmethode.

Ich entdeckte seinen vollständigen Dokumentarfilm vor einigen Jahren auf youtube. Er hat mich damals sehr beeindruckt. Heute scheint der Film nicht mehr zugänglich zu sein, nur noch ein Trailer ist auf youtube zu sehen. Doch gibt es noch interessante Interviews mit Kuby, der weiter auf dem Gebiet des erweiterten Bewusstseins forscht.

Um Ayahuasca erleben zu können, müssen sich die Suchenden im Film eine Tage lang vorbereiten. Sie leben in einem Dschungelcamp und nehmen an verschiedenen Zeremonien teil, die vom Schamanen zur Reinigung durchgeführt werden. Musik und Tänze, in denen der Schamane in Trance verfällt, sind Teil der Vorbereitung, sowie das Räuchern verschiedener Kräuter. Alle Teilnehmer tauchen in ein Schlammbad ein, das gegen Moskitos schützen soll und ihnen ein bizarres Aussehen verleiht. Der Höhepunkt am Ende des Aufenthalts ist dann das Trinken des ekelhaften bitteren Gebräus, das durch tagelanges Kochen der Liane und anderer Blätter entsteht. Die psychedelische Wirkung tritt dann nach einigen Stunden ein. Sie ist nicht immer angenehm, denn das Unterbewusstsein der Teilnehmer kann ähnlich wie in einem Alptraum Schreckensbilder hervorbringen. Doch scheint diese Erfahrung mit der Wunderdroge für viele eine Veränderung ihrer Lebenseinstellung und Sicht der Realität zu bewirken. Es gibt eben mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir uns normalerweise vorstellen können. Es fanden auch Spontanheilungen statt, eben durch eine andere Einstellung zur Krankheit und ihrer Ursache.
 

Auf jeden Fall bewirkt eine Begegnung mit anderen Kulturen  eine Erweiterung unseres Horizonts. Unsere eigene Sichtweise der Welt ist nicht die einzig richtige und wird in Frage gestellt. Wenn sie zu Krankheit geführt hat, so ist laut Kuby ein Umdenken und Neuprogrammieren unserer Wirklichkeit nötig.

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