Hans Raasch

Clematis, die Waldrebe

 

Es gibt wohl keinen Buben im Isarwinkel, der mit der Waldrebe nicht Bekanntschaft geschlossen hätte. Die getrockneten Clematisstängel werden zwischen den Trieben abgeschnitten und eignen sich wegen ihren durchgehenden Gefäßen hervorragend als Rauchereinstiegsdroge und - sie kosten nichts. Leider hat die Lianenart durch den Wirkstoff „Protoanemonin“ einige in dieser Geschichte geschilderte Nebenwirkungen.

An einem grauen Herbsttag muss Anderl nach der Schule auf der Weide außerhalb des Dorfes die Rinder seines Vaters hüten. Zwei seiner Schulkameraden haben sich mit ihm verabredet. Sie wollen ein Feuer anzünden und frisch aus der Erde genommene Erdäpfel braten, welche Kurt von Mutters Kartoffelacker „organisiert“ hat. Holzreisig wird aufgetürmt und schon flackern die Flammen. Eine Glut bildet sich - es wird Zeit, die Erdäpfel hinein zu schmeißen. Das Feuer wehrt sich gegen die dürftig gereinigten Kartoffeln, es haftet noch Erde an Ihnen. Erst flackert es unruhig, schließlich glüht es gleichmäßig weiter. Während die Ackerfrüchte schwarz werden und garen, zapft Anderl die Resi, eines seiner Milchrinder an. Mit geübter Hand zielt er die aus den Zitzen gepressten Milchstrahlen genau in die längst geleerte Wasserkanne. Für die Erdäpfel das passende Getränk. Später sitzen die drei Freunde mit schwarz verschmierten Gesichtern rund um das Feuer. Das Essen scheint ihnen gemundet zu haben und sie sind mit sich und der Welt zufrieden. Heute soll der erste Rauchversuch der Buben stattfinden. Deshalb holt Loisl, der dritte der Kameraden, eine Anzahl gedörrter „Judnschtrick“1) aus seinem Hosensack und bietet sie den beiden Anderen an. Ein brennender Ast wird aus dem Feuer gefischt und die Ersatz-Stumpen durch kräftiges Ziehen zum Glühen gebracht. Sobald sich der erste Rauch in den Mündern der Knaben entwickelt, fangen sie laut an zu husten. Langsam beruhigen sich die Bronchen. Keiner will zugeben, wie fürchterlich die Glimmstängel auf der Zunge brennen. Loisl weiß von dieser Sache am meisten, weil sein Vater leidenschaftlicher Zigarettenraucher ist. Er nimmt einen tiefen Zug aus dem Jutenstrick, inhaliert den Rauch in die Lunge hinein und lässt ihn durch die Nase wieder hinaus. Die beiden Anderen machen es dem Loisl nach. Aber das geht nicht lange gut, denn Clematis Rache trifft die drei erbarmungslos. Zuerst erwischt es den Kurt. Plötzlich und ohne Vorwarnung wird er graugrün im Gesicht, er würgt sich. Dann kommen die verspeisten Kartoffeln denselben Weg zurück, wie sie vorher hinab geschlungen wurden. Es geht ihm schon besser, als Loisl und Anderl gleichzeitig an der Reihe sind. Loisl kann seine Lederhose gar nicht schnell genug herunter bekommen, so böse hat der Durchfall zugeschlagen. Am schlimmsten erwischt es den Anderl. Von oben und unten fängt es gleichzeitig an. Vor lauter Übergeben merkt er gar nicht, dass es auch in die Hose geht. Langsam erholen sich die Buben und eine längere Beratung beginnt, wie das „corpus delicti“ aus den Lederhosen des Anderl zu entfernen sei. An einem nahegelegenen Bach wird der Versuch unternommen, Ober- und Unterhose zu reinigen. Dies gelingt den Knaben ganz gut, nur muss Anderl die Sachen nass anziehen. Dies hat den Vorteil, dass sie durch die Körpertemperatur schneller wieder trocken werden. Die Burschen nehmen sich gegenseitig den Schwur ab, keinem ein Sterbenswort von dem Abenteuer zu erzählen. Kurt und Loisl wundern sich nicht, dass Anderl tags darauf nicht in die Schule kommt. Eine Erkältung mit Fieber zwingt ihn, Bettruhe einzuhalten. In einigen Tagen wird er wieder gesund sein. Das Rauchen ist den Knaben vorerst gründlich vergangen und es wird lange dauern, bis sie dies wieder versuchen.
1)Jutenstricke,Clematisstängel


Es geht auch etwas feiner als bei den Buben

Folienkartoffeln mit Sauerrahm und Forellen-Kaviar

Einkaufsliste:
4 große Kartoffeln (mehlig kochend)
Backpapier oder wenn´s nicht anders geht Alufolie
2 Becher Sauerrahm
Gehackte Schalotten
150 g Forellen-Kaviar

 

Die Kartoffeln mit einer Bürste vom Schmutz befreien und in das Backpapier verpacken. In der Backofenröhre bei ca. 180° etwa eine Stunde backen. Kann auch im offenen Feuer gegart werden,
aber dann ohne Backpapier. Wenn die Kartoffeln weich sind, aufschneiden und an den Längsseiten
zusammendrücken. Es entsteht eine Spalte, in welcher zuerst Sauerrahm, dann die Schalotten und schliesslich obendrauf reichlich mit Forellen-Kaviar gehäuft wird. Vorsicht mit dem Salz, denn der Kaviar ist in sich salzig.
Dieses frisch schmeckende Gericht passt auch gut als Picknick-Speise im Freien!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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