Wolfgang Küssner

Bananen für die Affen

Was dem Berliner die Currywurst, das ist dem Affen die Banane. Die jeweilige Vorliebe steht sicherlich in direktem Zusammenhang mit dem Lebensraum. Obwohl es ja gar nicht gesichert, bewiesen ist, daß die Currywurst einst in Berlin erfunden worden sei. Es gibt da auch andere Versionen. Was soll´s, die Berliner verzehren von dieser Wurst – ob nun mit oder ohne Darm (das bezieht sich jetzt natürlich nur auf die Wurst) - etwa 70 Millionen pro Jahr; die Deutschen sollen es insgesamt auf über 800 Millionen Exemplare per anno bringen. Solche Schätzungen, Zahlen, Fakten, Werte, Erkenntnisse sind der Banane fremd. Sie mußte auch nicht erst erfunden werden, sie wuchs und wächst, immer ohne Darm aber mit Schale.

Hatte der Mensch sich nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen für den aufrechten Gang entschieden und damit dem Affendasein Ade gesagt, bereitete es ihm immer wieder eine ganz besondere Freude, die evolutionstechnisch nahen Verwandten mit Bananen zu beglücken. Die krumme Frucht als Ausdruck einer geringeren Wertschätzung, als Symbol der Distanz zur Vergangenheit. Dieser Spaß, die Fütterungen nahmen solche Dimensionen an, daß diverse Zoos es ihren Besuchern untersagen mußten, Bananen für die Affen mitzubringen. Die kleinen, gelben, duftenden Früchte beinhalten einfach zuviel Zucker und zu wenig Ballaststoffe.

Der Übergang von Bananen und Affen auf das Thema Tourismus ist nicht sonderlich kompliziert. Das bekommen vermutlich auch Grundschulkinder hin. Etwa so: Viele Reisende suchen sich für den Urlaub Regionen auf diesem Globus aus, in denen es sonnig und recht warm ist, ein blaues, warmes Meer zum Baden einlädt; Palmen sich im lauen Wind wiegen. Und – da haben wir es - in vielen dieser Regionen wachsen Bananen, in einigen auch Affen. Die Affen wachsen heran, die Bananen am Baum. So manch ein Reisender kennt wohl die Klimatabellen, weiß aber nicht, was für saubere, hygienische Verhältnisse ihn in diesen Ländern erwarten werden; was er dort zur eigenen Koerper-Pflege kaufen bzw. wohl eher nicht kaufen kann. Und so gehoeren natürlich Zahncreme, Duschgel, Shampoo, Sonnencreme, After Sun Lotion usw. usf. ganz einfach mit ins Reisegepäck. Dann ist der Koffer halt etwas schwerer, der Flieger benoetigt mehr Treibstoff, aber der sorgt wiederum für mehr Wärme. Vielleicht muß der Urlauber eines Tages gar nicht so weit anreisen, wenn erst einmal Bananen und Affen an Nordsee und Ostsee gedeihen. Ist in puncto Küche die regionale angesagt, wird in Sachen Sauberkeit doch eher auf Kreationen internationaler Konzerne gesetzt. „An meinen Koerper lasse ich nur Wasser und....“ „Da weiß man, was man hat.“

Vermutlich hat kaum ein Reisender sich je die Frage gestellt, wie denn wohl die Einheimischen vor Ort Koerperpflege betreiben. Ob die sich auf Kuba oder Tahiti auch die Zähne putzen? Ob die auf Bali oder den Seychellen auch Duschgel, Shampoo benutzen? Ob es auf Phuket oder den Kapverden auch Sonnencremes gibt? Besser auf Nummer sicher gehen und alles vorsorglich mit in den Urlaub nehmen. Packt man gleich noch etwas mehr von diesen Segnungen unserer Zivilsation ein, kann man sicherlich mit diesen Produkten bei den Eingeborenen kleine Wunder, Wohltaten vollbringen, Freude bereiten. Freunde gewinnen? Das ist eine andere Frage. Vielleicht wirken die Cremes und Gels und Pasten auf die Menschen vor Ort auch eher wie Bananen für die noch nicht ganz so Zivilisierten.

Es gibt unter den Urlaubern Wiederholungstäter, die bei einem früheren Besuch ausgewanderte Landsleute kennengelernt haben, die ganzjährig in diesen Touristengebieten leben. Also nimmt man für diese Bekannten auch noch ein wenig Zahncreme, Shampoo, Deodorant, Duschgel, Hautcreme und Ähnliches mit. Endlich mal Markenqualität in diesen unterentwickelten Gebieten. Bei den so Beschenkten machen sich allerdings Irritationen breit. Hat er denn beim letzten Treffen so ungepflegt, schweißtriefend auf die Urlauber gewirkt, daß solche Mitbringsel ratsam schienen. Hatte man sich unter tropischer Sonne derart gehen lassen? Sie grübelt. Es bereitet ihr Kopfzerbrechen. War meine Haut im letzten Jahr speckig-glänzend? Sie duscht täglich mehrfach mit Duschgel. Er zweifelt. Überlegungen plagen ihn. Hatte er damals schmierige, ungepflegte Haare? Dreimal täglich putzt er sich die Zähne - mit Bürste und Creme. Alle denken über die aus der Zivilisation mitgebrachten milden Gaben nach. Ist das noch eine nette Geste? Grenzt das nicht schon an leichte Überheblichkeit, Beleidigung, Diskriminierung? Die Synapsen sind hoechst aktiv. In den nachdenkenden, fragenden Koepfen entsteht als Antwort ein Bild. Das Bild von - Bananen für die Affen.

 

März 2017

Copyright by Wolfgang Küssner. Al Rights Reserved.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Wolfgang Küssner).
Der Beitrag wurde von Wolfgang Küssner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Mann oh Männer, und das mit 50! von Yvonne Habenicht



Sonja Stolzenstein, taffe Fünfzigerin, ist auf der Suche nach neuem Glück und will es nochmal mit der Männerwelt versuchen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Reiseberichte" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Wolfgang Küssner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Schwein gehabt! von Wolfgang Küssner (Lebensgeschichten & Schicksale)
Pilgertour XVII von Rüdiger Nazar (Reiseberichte)
Komische Zahlen von Norbert Wittke (Glossen)