Ich gehe gerne durch den nahen Wald und bin ganz Ohr, wenn der Morgenwind durch die Baumkronen pfeift, und die bunten Baumblätter schwerelos zu Boden schweben. Unter meinen Füßen spüre ich manchmal ein leises Rascheln. Dann ist es wieder vorbei. In der Stille des Wäldchen klingt jeder Schritt gleich doppelt laut. Über allen Wipfeln ist Ruh', auch wenn es am Tage ist. Die Sonne strahlt und blitzt in den Blätterwald hinein, wo sie eine lückenhafte Stelle gefunden hat. Ich entspanne, tanke taufrische Energie und wandere auf dem Ökopfad.. Warum lieben wir Deutschen den Wald so sehr ? Goethe vermutete : "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein." Stimmt das ? Oder sind wir bereits Massenwanderer auf öffentlichen Pfaden, die wie Stromleitungen das Haus durchziehen ?
Mit Der Dämmerung kommen sie, die ansonsten so ruhigen Waldbewohner, die sich mit virtuoser Stimmgewalt überall bemerkbar machen und eine ganz eigene Geräuschkulisse hinterlassen. Alle hsind gekommen. Die Wühlmäuse, Eichhörnchen, Eichelhäher, Wildschweine, Rehe und Füchse und ein kleines Konzertensemble mit Amsel, Drossel, Fink und Star und die anderen Chorbegleiter, die in ein virtuoses Konzert einstimmen,
Alles, vor allem im Reich der Menschen, ist heute mehr denn je, dem HABEN--WOLLEN untergeordnet. Der Consumer in mir sagt: "Das will ich nicht nur haben, das muss ich haben. Warum ? Auch bei miesem Wetter will ich mich entspannen. . Wandern ist zwar des Müllers Lust und fürwahr auch gesund für Körper und Geist, aber das habe ich bald zu Hause und in meinen eigenen vier Wänden. Die Zeit ist gekommen, dass ich keinen Schritt mehr vor die Haustür setzen muss, was bei witterungsbedingter Ungemütlichkeit wie Matsch, Eisregen, Glatteis, und Minustemperaturen eine echte und für mich sympathische Alternative ist.
Möglich macht das eine "Zwitscherbox". Entspannt liege ich jetzt auf dem Bett und zugleich im "Wald". Akustisch zumindest. Der Bewegungsmelder mit Blätterrauschen und Vogelstimmen schlägt an, sobald das Licht im Raum eingeschaltet ist. Es raschelt, tiriliert, piept, krächzt und hämmert im Hintergrund und spiegelt die perfekte Illusion eines Frühlingstages wider. Ich höre aus der Box die Symphonie einer Vogelschar. Nach zwei Minuten ist alles wieder vorbei. Die Zwitscherbox schaltet sich automatisch ab. Der hochsensible Sensor reagiert auf Bewegungen, in bis zu drei Metern Entfernung. Und was kostet so ein Kunststück ? Weniger als 40 Euro. Jetzt werden Jäger, Förster, Angler und jene Extremökologen den Käuferinnen und Käufern von Zwitscherboxen auf ewig in Freundschaft verbunden bleiben, solange sie den Wald meiden und ihren eigenen Dreck erst gar nichtt mitbringen.
Und der Preis ? Einst war der Wald für die Menschen ein Überlebensbuch. Jetzt im Zeitalter der Spätmoderne, haben wir uns vom Wald entfernt und sitzen dicht zusammengedrängt in einem Käfig. Hier herrscht eine große Dunkelheit und das Gefühl emotionaler Kälte.
Nur der Mensch kann alles ändern. Sapere aude.
(c) Olaf Lüken (2017)
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Olaf Lüken).
Der Beitrag wurde von Olaf Lüken auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.03.2018.
- Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).
web.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)Olaf Lüken als Lieblingsautor markieren

Schöne neue Geldwelt: Eine launisch-heitere Auseinandersetzung mit den Göttern des Geldes
von Olaf Lüken
Ein Lesebuch rund ums Thema "Geld".
Der Bankbetriebswirt Olaf Lüken lädt den Leser zu einem Besuch in die
schöne und neue Welt des Geldes ein. Das Buch ist eine launisch-
heitere Auseinandersetzung mit Gott Mammon und seinen Dienern
aus Politik- und Bankenwelt.
Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!
Vorheriger Titel Nächster Titel
Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:
Diesen Beitrag empfehlen: