Angie Pfeiffer

Immer diese Ausländer ...

„Immer diese Hetzerei, nie kann man in Ruhe zu Mittag essen! Dieses muss noch fertig werden, jenes eilt!“ Leise vor sich hin schimpfend betrat Petra das Selbstbedienungsrestaurant und reihte sich in die Schlange der hungrigen – eiligen Mittagspausierenden ein. Wie so oft hatte sie im letzten Augenblick noch einen ganz dringenden Auftrag bekommen, so dass für die Mittagspause eigentlich gar keine Zeit blieb.
Endlich kam die Reihe an sie. „Eine Gulaschsuppe mit Brötchen bitte!“
Wenigstens das war geschafft. Suchend schaute sich Petra nach einem Sitzplatz um. Dort hinten sah es recht gemütlich aus. Schnell an den Tisch und erst einmal das Tablett und die Tasche abgestellt. Kaum saß die sowieso schon Gestresste, da bemerkte sie, dass der Löffel fehlte. Also schnell noch einmal zurück und das nötige Esswerkzeug besorgen.
„Das Tablett und die Tasche kannst du einen Augenblick stehen lassen“, dachte sie bei sich. Schließlich war man hier unter zivilisierten Mitteleuropäern, da würde ja wohl niemand die Suppe auslöffeln oder die Tasche entwenden. Mit diesem Gedanken marschierte Petra noch einmal zurück und kam bald darauf mit einem Löffel bewaffnet an ihren Tisch. Sie staunte nicht schlecht, denn ein männlicher Mensch undefinierbarer Herkunft saß vor ihrer Gulaschsuppe und tauchte gerade seinen Löffel ein. Verblüfft setzte sich Petra erst einmal hin. „Entschuldigung, das ist meine Suppe!“
Der Angesprochene lächelte freundlich. „Perdone, No entiendo“, sagte er in höflichem Ton, führte seinen Löffel zum Mund und biss anschließend herzhaft in das Brötchen.
„Natürlich, ein Ausländer und verstehen tut er auch nichts.“ Petra war entschlossen ihre Mahlzeit zu verteidigen. Sie setzte sich dem Menschen gegenüber , zog die Terrine in die Tischmitte und tauchte ihrerseits den Löffel in die Suppe. Sollte der freche Suppenräuber doch sehen, wo er blieb. Der runzelte verwirrt die Augenbrauen, löffelte aber weiter, während er höflich etwas fragte, das Petra völlig unverständlich war. Sie ließ sich nicht beirren, sondern brach sich ein Stück Brötchen von der unangebissenen Seite ab.
„Das!ist!meine!Suppe!“, betonte sie noch einmal. Der unverschämte Mensch zuckte mit den Schultern. Was blieb ihr übrig: Sie teilte ihre Suppe zwangsläufig, wobei sie den Suppendieb mit bösen Blicken aufspießte.
Nachdem die kleine Terrine bis fast auf den Grund geleert war, stand der Mann ruckartig auf und entfernte sich hastig.
„Na so etwas“, Petra tastete nach der Tasche, die sie unter dem Tisch abgestellt hatte. Panik überkam sie, denn offensichtlich war die nicht mehr vorhanden. Sie schlug sich vor den Kopf. Natürlich, der dreiste Ausländer war gar nicht auf ihre Suppe aus gewesen. Er hatte es von Anfang an auf ihre Handtasche abgesehen gehabt. Das las man doch immer wieder.
„Ich Kamel, da meckere ich wegen des Essens und in der Zwischenzeit haut der Typ mit meiner Tasche ab!“ Petra sprang auf und schaute sich um. Vielleicht würde sie den gemeinen Dieb noch sehen.
Das war nicht der Fall, aber sie sah etwas anderes: Eine Tischreihe weiter stand eine Terrine mit jetzt kalter Gulaschsuppe auf und ihre Handtasche unter dem Tisch …

© 2010 by Angie

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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