Jürgen Skupniewski-Fernandez

Aus dem Diwan der Liebe (7) mit abschliessenden Worten

von Abdulrahman ben Abdelhamid

29. Ghasala

Du - nur Du bist mir die Rose
in meinem Garten,
dein Gärtner die wahre Liebe,
gewebter Duft schimmernder Träume,
du lächelst unter der Sonne,

vergoldest jedes Harfenspiel.
Scheu sucht deine Wurzel noch die Nacht,
zum Himmel öffnet sich dein roter Mund,
Blütenkelch, der Liebe Knospe,
aus Blütenblätter seidig zart, grüsst dein Herz,

verblasst ist mir der tiefe Schmerz,
die mir der Sehnsucht Dorn vermachte,
Kompositionen in rosé schimmern durch
der Wehmut duftigen Schleier,
oh, meine Königin im Rosenhain.

30. Ghasala

Noch ist mein Auge voll des Schlafs,
doch schon hat der Morgen in die
Schale der Nacht einen Stein
geworfen. Die Dämmerung
öffnet ihren schwarzen Vorhang.
Das Licht fließt aus im Morgenrot.
Der Ball der Sonne zeigt ihr Haupt
und auf des Meeres Silberrande,
malt Aurora ihr Aquarell in leuchtend
Rot. Goldener Morgengruß küsst wach
die Rose, ihre Blüte. Der Tag erwacht.
Nimm an, das Geschenk des Lebens,
entsprungen aus des Meisters Hand
und preise seine Güte.
Willkommen meine Liebe,
Kraft, reines Licht,
in Kammern meines Herzens.

31. Ghasala

Wenn ich in Deine Augen schaue,
sehe ich azurblauen Himmel,

Wenn ich Deine Haut berühre,
taste ich über feingesponnene, duftige Seide,

Wenn ich Deinen Worten lausche,
vernehme ich ein Harfenspiel,
begleitet von sehnsuchtsvollen Klängen
träumender Geigen,

Wenn ich in Deinen Armen liege,
pocht mein Herz zum Schweigen
unbekannter Reigen,

Wenn sich Deine Lippen samtig
meiner Hoffnung nähern, frag ich mich:
Wach ich oder träume ich,
Oh Liebe! Ich bedanke mich
für diese Verse, für Dein Gedicht.

32. Ghasala

Im rotglühenden Rhythmus allmorgendlichen Erwachen,
Adagio un poco mosso - schleicht sich Liebe tief ins Herz,

Im emotionalen Kaleidoskop brechen sich ihre Farbnuancen,
suchen nach stabilen Tönen unter Schauer wechselnder Gefühle,

Liebe, denn auch Du bist nicht vor dem Abend gefeit,
gewachsen im aufgehenden Morgengebet,

trägst auch Du - wenn die Zeit schlafen geht -
Adagio un poco mosso, zum blutroten Kleid.

Abschliessende Worte

Der Diwan der Liebe ist eine Homage an die grossen orientalischen Dichter vergangener Zeiten, die bis auf den heutigen Tag nicht an Faszination
verloren haben. Abu Nawas, Omar Khayyam, Rumi und Hafiz (wohl bei uns mit die Bekanntesten) bwegen uns noch heute mit ihrer wunderbaren Poesie.
Inspirierten sie doch namhafte Intellektuelle, Dichterfürsten, Schriftsteller und Philosophen in Europa und USA.
Die orientalische Dichterkunst ist bekannt für ihre blumige Sprache. Während wir einer Beschreibung oftmals nur ein Adjektiv zugestehen, finden wir in der
orientalischen Sprache meist Aufzählungen, getragen von Synonymen, die die Schönheit des Objekts oder Subjekts ausmachen. Im Koran alleine sind für
"Gott" neunundneunzig Synonyme gelistet. Sie alle drücken seine absolute Herrlichkeit aus.
Goethe war fasziniert von Hafiz. Mit seinem westöstlichen Diwan ehrte er jenen grossen persischen Dichterfürst, der bis heute an Ruhm und an Glanz nicht
verloren hat. Sein Grab ist zu einer lyrischen Pilgerstätte für alle iranischen Generationen geworden.
Was alle diese Dichter gemein haben: Sie besangen den Rausch des Weines und verewigten diesen in unzähligen Versen und Sprüchen.

Abu Nawas (geboren ca. 757 Ahwaz/Iran - gestorben 815 Bagdad) wird auch als der erste grosse Dichter arabischer Literatur bezeichnet. Er lebte zur Zeit des wohl bekanntesten Khalifen, Haroun-ir-Rashid. Eben jener, der auch in den Analen von 1001 Nacht verewigt ist (mit Abu Nawas) und der, der Kaiser Karl dem Grossen einen weissen Elefant schenkte. Übergabe erfolgte in Aachen 802.
Abu Nawas aus seinen Gedicht: Wein und Koran
[......] schenk mir ein bis zum Rand, ich mag keine Becher, die nur halbvoll sind,
die Flasche auf dem Tisch und das Buch daneben... [.....].
Er hat die damalige Gesellschaft ganz schön, teils mit Spottversen, zugesetzt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er duch Gewalt zu Tode kam.

Omar Khayyam lebte von 1048 (geboren in Nischapur/Iran) bis 1131 (gestorben ebenda). Sein bekanntestes Werk, das "Rubaijat" - Vierzeiler. Auch er genoss
hohes literarisches Ansehen.
Auch er widmete sich dem Wein in diversen Versen: [......] Viel will ich vom Weine trinken, dass des Weines Duft aus der Gruft
heraus mag dringen, wenn ich lieg in der Gruft, dort - wo ich zu Staube werde, kommt ein Berauschtrunken,
der trunken und zerrüttet wird von meines Weines Duft [......].

Rumi, geboren 1207 in Balch/heute Afghanistan, gestorben 1273 in Konya/Türkei. Eines seiner bekanntesten Werke von ihm, ist sein Diwan. Für Rumi, so heisst es, ist die Hauptkraft des Universums, die der Liebe. Er inspirierte mich auch zu meinem "Diwan der Liebe" und zwar im Versuch orientalisch arabischer Fassung.
Aus Rumis Diwan, 23. Ghasala - letzter Vers:
[.......],
Was kümmert  der Verkehr der Elemente mich,
im Haupt hier ist der Rausch und in der Hand das Glas,
gib, schenke neuen Wein, bis überläuft das Mass.

Hafiz wurde ca. 1315 in Schiraz geboren und ist ca. 1390 ebenda verstorben. Wenn er über den Wein schrieb, so soll er dabei als Synonym das Wort
"Liebe" und für Taverne das Wort "Sufischule" angewandt haben. Aber selbstvertändlich fand der Begriff  "Wein" ebenso Anwendung in seinen Versen.

Ich danke Ihnen für das Lesen. Obwohl diese Art zu Schreiben meist nur noch in Klassikern vergangener Jahrhunderte zu bewundern ist,
haben sie an Ausstrahlung, Einfluss und Schönheit an nichts verloren.

Abdulrahman ben Abdulhamid

Quellenverzeichnis:
Allgemeinbildung,
Fachliteratur,
Wikipedia
Wissen, Bayrischer Rundfunk

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Skupniewski-Fernandez).
Der Beitrag wurde von Jürgen Skupniewski-Fernandez auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Jürgen Skupniewski-Fernandez:

cover

Emotionale Welten von Jürgen Skupniewski-Fernandez



In den Gedichten hat der Autor das lyrische "Ich" durch ein vorwiegendes lyrisches "Du" bzw. "Wir" ersetzt, was eine kollektive Nähe zum Geschehenen hervorruft.
Die sehr eindrücklichen Beschreibungen leben von den vielen Metaphern und Vergleichen.
Eine klare und leicht verständliche Sprache sowie wohlgeformte Reime ermöglichen dem Leser einen guten Zugang zu den Gedichten.
Etwas für Lyrik-Liebhaber und jene, die gerne über das Leben philosophieren. Eine kleine poetische Reise, die den Leser zum Verweilen und zum Nachdenken über den Sinn des Lebens einlädt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Jürgen Skupniewski-Fernandez

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Lebensgeschichte der Alma Ruth (Teil 1) von Jürgen Skupniewski-Fernandez (Wahre Geschichten)
.....sich neu entdecken... von Ina Klutzkewitz (Liebesgeschichten)
Ängste eines jungen GI von Rainer Tiemann (Krieg & Frieden)