Elke Müller

Amerika ..

Eine innere Unruhe weckte Redmon. Schon im Morgengrauen packte er sein Nachtlager zusammen. Nachdenklich sah er zum Himmel, achtete auf die Geräusche und sah sich wachsam um. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Heika hatte er neu verbunden, betrachtete den ruhig, mit geschlossenen Lidern, daliegenden Mann. Wie jung und entspannt er aussah, aber auch unendlich verletzlich. Dann fasste er einen Entschluss. Er hat keine Zeit zu verlieren. Fieber kroch bereits durch Heika‘s Adern. Er wirkte gelassen, ohne eine Gefühlsregung. Aber Redmon wusste zu gut, die schlimmsten Schmerzen sind bei jedem Mann tief in der Seele verborgen. Verdammter Narr!“ Redmon presste die Lippen aufeinander. Ja, der rote Mann wurden gehasst, waren für viele Weiße nichts weiter als Ratten und anderes Ungeziefer, obwohl es einst ein stolzes Volk und … seit Jahrtausende ihr Land war, zählten sie jetzt zu den Ausgestoßenen, die versklavt und ausgebeutet wurden. Obwohl sie abgehärtet, lautlos und wie Schatten in der Nacht waren und… sie konnten kämpfen, schlau und waghalsig, grausam und ohne Gnade, bis zur Selbstvernichtung. Der Hass kam zum Ausdruck sobald sich Indianer und Weiße gegenüber standen. Ebenfalls gab es auch viele Kämpfe zwischen den verschiedenen Einwandergruppen selber, je nachdem aus welchen Land sie kamen, um ihre Viertel abzustecken, welche auf Scheinverträgen beruhten, auf der Suche nach ihren persönlichen Glück. Man konnte sich nur wundert, wie weit die Macht des Geldes reichte. Aber die Dinge würden ihren Lauf nehmen. Keiner kann aus seiner Haut. Wir sind mitten in einem Krieg, um die Herrschaft eines Landes.

Redmon wischte sich über die Stirn, wie, um seine Gedanken zu vertreiben. Holte die beiden Pferde, die festgebunden an einen Baum standen.

Heika auf einer Reißigmatte liegend, starrte Redmon mit ausdruckslosen dunklen Augen an, als er ihn noch einmal fest band. Zwei dünne Birkenstangen lagen griffbereit, welche nun durch Schlaufen gezogen wurden. Seinen Fuchs legte er die Stangen auf, um einen Travois zu schaffen, die er schon öfter bei den Prärie – Indianern gesehen hatte. Er wusste, es werden anstrengende und beschwerliche Tage werden.

Redmon führte sein Pferd, um Heika, auf der Trage, heftige Erschütterungen zu ersparen. Seit mehreren Tagen sind sie nun schon unterwegs. Sie folgten den Weg eines Flusses in Richtung der Berge, um besser voran zu kommen. Trotzdem kamen sie nur langsam voran, mussten sich immer wieder durch das Dickicht der Bäume kämpfen. Beide sprachen nicht viel. Kleine Jagderfolge von Niederwild, dienten jeden Abend am Lagerfeuer, um den Hunger zu stillen. Dann versorgte er die Wunden von Heika neu und saß dann anschließend mit gekreuzten Beinen am Feuer, drehte sich aus Maispapier eine Zigarette und starrte sinnend hinein, die Winchester hielt er schussbereit und hielt Wache.

Zum Morgen kam ein warmer Wind auf und die Dämmerung löste sich langsam auf.

Redmon saß zurückgelehnt an einen Baum, lauschte und beobachtete das gegenüberliegende Ufer. Wilde Beifußsträucher und dichtes Gestrüpp standen dicht am Hang beieinander. Ihr kleines Lager hatten Redmon etwas abseits vom Wasser aufgeschlagen, die Pferde getränkt und Heika versorgt. Öfter fanden sie jetzt Spuren von anderen Indianern und mussten vorsichtig sein.

Eine kleine Reitergruppe von Soldaten mit einem Offizier, tauchten auf und zügelten ihre abgetriebenen Pferde. Die Patrouille hielt an einer Weggabelung. Reiter und Tiere waren mit einer Staubschicht bedeckt und Staubfahnen tanzten kurz auf, als sie abstiegen. Der Offizier wandte sich um und schaute noch einmal zurück.

Ein fernes Krachen von Schüssen war zu hören.

Langsam stand Redmon auf und lauschte. Warf einen Blick zum Lager und blieb dann kurz neben Heika stehen. Auch er hatte gelauscht. Seine dunklen Augen folgen Redmon, als er zu seinen Fuchs ging, das Springfield - Gewehr aus den Scabbad nahm und schussbereit machte. „ Dein Ruf wird leiden, wenn man dich mit mir sieht.“ „ Ich halte nichts von Vorurteilen. Was ich mache geht nur mich etwas an, sonst niemanden. Aufgeben ist für mich ein Fremdwort. … Ich werde zurück kommen, wenn ich weiß, was geschehen ist.“





 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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