Monika Jarju

WIEDERBEGEGNUNG

WIEDERBEGEGNUNG

Ein Parkbaum zieht meinen Blick an. Er ist kahlästig, wortkarg,

statt der Blätter trägt er die Nummer 123. Von welcher Art er ist,

erkenne ich nicht.
 

Amtlich erfasst ist er wie ich, sein Bestand ist als Vorgang in

einer Akte abgelegt wie meiner. Sollten wir unsere Nummern

vergleichen, uns über ihre Bedeutung austauschen?

Steht EINSZWEIDREI etwa für Einbaum, Astgabelung, Anzahl

der zu erwartenden durchschnittlichen Jahresblattmenge?
 

Vor über drei Jahrzehnten bin ich ihm begegnet, undeutlich

erkenne ich ihn wieder. Am Ufer des Schlossparks wurzelt er,

dem Fluss zugewandt. Damals schon war mir die See stets

weiter als die Stadt, ohne Mauern und Ufergrenzen.

Entstand mein Wunsch weit zu gehen hier?

 

Aufbrechen, rasch fortgehen, zurücklassen, kaum Abschied

nehmen, verlassen, anderen eine Erinnerung hinterlassen,

lernte ich beim Schauen auf den Fluss. Ich wollte da sein,

bleiben, wo ich mich nicht aufhielt. Zurück kann ich überall

sein, an den Küstenrändern meiner Phantasie.

 

Vertrauten Ortsgeruch verströmt er und trägt Jahresringe

wie mein Reisepass Stempel von Meeresländern.

Während ich weitergehe, wächst er mir nach.
 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Monika Jarju).
Der Beitrag wurde von Monika Jarju auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Beziehung möglich von Florentine Herz



Außen- und Innenwelt unserer Seele stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Wir können untereinander so unerreichbar und uns doch so nah (zugänglich) sein! Verschwimmen die Grenzen von außerhalb/innerhalb nicht auf gewisse Weise? Denn wir erwarten, von außen, von der Partnerseite her, das zu finden, was in uns selbst fehlt. Wir erteilen uns Botschaften und dienen uns als Spiegelbilder. Wenn wir unsere Wahrnehmungen schulen, können wir viel von dem aufnehmen, was uns die Umwelt sagen will. Es gilt, sich mit seinen Ängsten und inneren Wunden zu arrangieren, um sich im Sein zu öffnen. Das Sein kann dann als Bindeglied vom "Ich und du" zum "Wir" zu verstehen sein.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Impressionen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Monika Jarju

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

NACHTFAHRT von Monika Jarju (Wie das Leben so spielt)
Kolossale Kolosse von Norbert Wittke (Impressionen)
Tatsachenbericht (gerettet) von Margit Kvarda (Tiergeschichten)