Peter Biastoch

Cut 1

(05.11.2017) Ich wache auf, mit einem seltsamen Ziehen oberhalb der Brust. Ein kurzer Blick zum Wecker sagt: „02.15 Uhr“. Mir geht die letzte Aussage meines Traumes noch im Sinn um: „Zu einem Herzinfarkt kommt es häufig in der Nacht. Das liegt möglicherweise an der dann stattfindenden Hormonumstellung…“ Ich greife nach der Halsschlagader, finde aber keinen Puls und schlafe dabei wieder ein.

3.30 Uhr. Ich erwache erneut - muss zur Toilette. Ich mache das Nachtlicht an, schlage die Zudecke zurück und trete wohl im gleichen Moment kurz weg. Meine Frau fragt, was los sei und ich setze mich, stehe auf, um zur Toilette zu gehen.

Plötzlich finde ich mich auf dem Schlafzimmerboden wieder. Meine Frau steht hinter mir und hilft mir beim hochkommen. Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich überhaupt zum Stehen gekommen bin, denn als ich wieder zu mir komme,  liege ich erneut. Diesmal im offenen Türrahmen.

Im Flur brennt Licht und meine Mutter kommt entgeistert auf uns zu. Beide helfen mir auf einen Stuhl. Ich beschreibe ihnen dieses leichte Ziehen im Brustbereich und meine Frau ruft die 112. Mutter hält mich fest, damit ich nicht vom Stuhl kippe. Dabei drück sie mir die Luft ab. Es berührt mich nicht. Eine gewisse Apathie hat mich ergriffen, die mich alles gedämpft erleben lässt.

Nicht lange danach höhere ich die Leute vom Rettungsdienst. Sie schließen mich an einen EKG-Monitor an, können allerdings keine konkrete Diagnose stellen. Also finden Sie es als das Beste, mich ins Krankenhaus nach Hartmannsdorf zu bringen.

Jetzt bemerkte ich, dass meine Schlafanzughose nass ist und auch, dass meine Frau mit einem Scheuerlappen über  den Boden wischt. Der Notarzt meinte dazu, dass es ein typisches Anzeichen für eine tiefe Bewusstlosigkeit sei, wenn selbst ein derart natürlicher Reflex ausgeschaltet wird. Auf ihre Frage, ob sie mir noch etwas Trockenes anziehen soll, meinte der Notarzt: Nein, wir nehmen ihn so mit. Ich hatte keinerlei peinliche Gefühle dabei.

Es gibt ein Problem mit der Zugänglichkeit unseres Hauses. Das Vorhaus ist zu klein und zu eng, um eine Person auf einer Trage hindurch und die fünf Stufen hinunter zu bringen. Ich wurde gefragt, ob ich es mir zutrauen würde, dieses kurze Stück zu schaffen? Andernfalls müsse man eine Tragetasche holen. Ich probierte es und schaffte es auch.

Einmal auf der Trage ging es dann zügig voran. Zum Rettungswagen, hinein geschoben, gesichert, an ein EKG angeschlossen und Abfahrt. In den Kurven hielt ich mich an der Trage fest und erlebte so die gesamte Fahrt mit  vollem Bewusstsein.

Hartmannsdorf, Notaufnahme. Das erste Mal beantwortete ich eine Menge Fragen zu meiner Person, schob mich von der Trage auf ein Krankenbett. Das Bett wurde in ein Zimmer geschoben. Dort wieder verkabelt. Ich erhielt die Gelegenheit, meine nasse Hose gegen eine Windelhose zu tauschen,  was mich allerdings auch wieder in die Nähe einer Ohnmacht brachte.

Dann hieß es, dass man mich nach Chemnitz verlegen müsse, zur Herzkatheter-Untersuchung, da Hartmannsdorf diese Möglichkeit nicht hat. Ich willigte ein und unterschrieb dafür. Nicht lange danach kamen die Leute eines anderen Krankenwagens und ich wechselte erneut das Bett mit einer Trage. Auch bei dieser Fahrt wurde ich von einem zusätzlichen Arzt begleitet und beaufsichtigt!

Chemnitz Küchwald, Notaufnahme. Wieder die gleichen Fragen, nach meiner Person, meinem Befinden und der Vorgeschichte... Inzwischen hatte man mich in einen Vorbereitungsraum gebracht und ich lag auf einer transportablen Liege. Schließlich wurde ich für den Eingriff vorbereitet. Ein junger Arzt untersuchte mit Ultraschall mein Herz und stellt eindeutig einen Hinterwand-Infarkt fest. Eine Uhr in meiner Blickrichtung sagte mir, dass es mittlerweile 9.30 Uhr geworden war.

Dann schob man mich in den Raum mit der Herzkatheter-Ausrüstung. Erneut Fragen. Doch dann erhielt ich eine örtliche Betäubung und ein  Zugang zu einer Leisten-Arterie wurde gestochen. Das Röntgensystem wurde aktiviert und fuhr meinen Brustbereich ab. Hinter diesem konnte ich einen hell gewordenen Monitor beobachten, auf dem sich ein schwarzer, gekrümmter Draht abzeichnete. In dessen Bereich verbreitete sich im Puls meines Herzens eine schwarze Wolke – das Kontrastmittel, dessen Ausbreitung meine Arterie klar und scharf darstellte. Der nächste Pulsschlag und alles fiel in unstrukturiertes Grau zurück.

So ging diese Untersuchung weiter. Andere Arterie, schwarze Wolke, klar erkennbare Arterie, wieder alles grau usw. Schließlich änderten sich die geflüsterten Worte und Anweisungen. Der Monitor schwenkte aus meinem Sichtbereich und man begann wohl mit der Behandlung. Von dem verwendeten Vokabular verstand ich kaum ein Wort!

Dann bekam ich ein komisches Gefühl und schwarze Punkte begannen sich in meinem Sichtbereich auszubreiten. Ich meldete mich zu Wort, erklärte das Erleben und man spritze mir etwas in den Venenanschluss. Gleich darauf lichtet sich mein Blick wieder.

Irgendwann deckte man schließlich die Zugangsstelle für den Herzkatheter ab und ich wurde in die Intensivstation gebracht. Von nun an durfte ich mein rechtes Bein nicht mehr bewegen und mich auch nicht irgendwie aufrichten.

Bald darauf gab es Mittagessen. Nachdem ich drei, vier winzige Stückchen Kartoffel und Bratenfleisch geschluckt hatte, wurde mir übel und man nahm den Teller wieder mit. Von nun an verging dieser Tag und auch der folgende mit viel schlafen und gelegentlich etwas vom Essen hinunterwürgen.

Fortsetzung folgt.

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