Hans Raasch

Links der Isar, rechts der Isar

Der Krieg ist ausgebrochen. Der Krieg zwischen den Schulbuben diesseits und jenseits der Isar. Jenseits ist aus unserer Sicht links der Isar. Der Kriegsname der Bande lautet „De Entan“, wir sind „De Herentan“. Die Vorbereitungen laufen in vollem Gang. Es werden Pfeile und Bögen angefertigt, Holzsäbel geschnitzt oder einfach nur Ruten und dicke Holzknüppel abgeschnitten, denn heute nach dem Mittagessen hat unser Stammesführer Schorsch, ein stämmiger Vierzehnjähriger seine zwölf Krieger einberufen – Kriegsberatung, Waffeninspektion und „weitere Instruktionen“. Schorsch ist unser Ältester und uneingeschränkter Herrscher.

„Des mit unserm Waffenarse..Dingsda schaugt guat aus. Do brauch ma uns net z´vastecka. De Schlacht is morg´n Nachmittag um drei og´setzt. Des hoaßt, mir treffn uns um Hoibe untn am Fuassboiblotz. Unsere Feinde deaffat´n ungefähr so vui Mann sei, wia mia.“

Anderl ist unser zweiter Mann, ein erfahrener und mutiger Kämpfer auf dem Schulhof.

„Du Schorsch, wia hat den der Schmarrn überhaupt ogfanga?“

„De Hundskrippen ham aufgmupft.”

Ein allgemeines Raunen geht durch die Kriegerschar. Das kann man sich nicht bieten lassen. Aufmüpfigkeit von „De Entan“, das muss bestraft werden. Mit blutigen Köpfen und lahmen Gliedern sollen sie über die Isarbrücke heimwärts kriechen.

Schorsch und Anderl halten eine Konferenz in der engeren Führungsriege ab. Strategien werden beraten. Rudi und ich, wir sind die Jüngsten. Im Kampf unerprobte Viertklässler und nur einmal bei der Schlacht gegen „De Owigen“ dabei. Die

Isar-abwärts wohnende Bande war für uns jüngeren Recken eine Bewährungsprobe, die bei den Größeren keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Wohl deshalb blickt Schorsch geringschätzig auf uns.

„Da Rudi und da Hansi wern ois Kundschafta eigsetzt. De schleichan voraus und sogn uns dann, wia vui dass san und wia´s mit da Bewaffnung ausschaugt. Do kennan de zwoa Flasch´n wenigstens nix vakehrt macha.“

Ein Protest von Rudi und mir wäre vergebens, zu stark sind die Argumente unserer Altvorderen. Bevor die Beratung endet, ermahnt uns Schorsch, dass jeder einen Strick als Fessel für den Gegner mitzubringen habe. Er und Anderl würden sich direkt auf Sepp, den Anführer der „Entan“ werfen, ihn gefangen nehmen. Die angsterfüllten Gegner würden nach dieser Tat sofort aufgeben und auf und davon rennen.

Der darauf folgende Schultag zieht sich. Sowohl „De Entan“ wie auch „De Herentan“ sind nicht bei der Sache. Herr Hacklinger, unser Lehrer muss immer wieder zur Aufmerksamkeit mahnen.

„So meine Herrn, weil ihr heute gar so gut mitgearbeitet habt, gibt es als Hausaufgabe für morgen die Übungen von Seite 41 bis 43 aus dem Matheheft. Und aus dem Sachbuch Seite 28 schreibt ihr einen Aufsatz „Wie der Wind entsteht“ – mindestens zwei Seiten.Die Strafe wird mit unzufriedenem Gemurmel und noch mehr Unruhe quittiert. Endlich wird es ein Uhr, die Schule ist aus. Daheim wartet Mutters Mittagessen. Ich schlinge es hinunter, obwohl es heute Apfelpfannkuchen gibt.

„Hansi, wos hast´n heit fia Hausaufgabn auf? Am gscheitestns machst as glei, nacha hast as hinta dia.“

„I muaß awa no zur Singprobe zum Herrn Hacklinger, dann kumm i glei.“

Ab in den Schupfen. Wo ist denn nur der Strick - ach da! Jetzt den Speer, aus einer dicken Rute angefertigt - und weiter geht´s zum Fußballplatz.

Unser Heerführer teilt die ersten Befehle aus. Rudi und ich müssen über die Bahngleise schleichen. In den Isarauen nehmen wir unsere Späherdienste auf. Wir verstecken uns hinter Büschen und Bäumen und nähern uns dem vereinbarten Kampfplatz.

„Halt! Hände hoch!“

Es ist Sepp, der hinter einem Baumstamm steht. Ich erstarre vor Schreck und sofort nehmen mich zwei Krieger gefangen.

„ Wo habt´s denn den Zwoatn?“

„Dea is scho abghaut.“

Rudi hat die Strategie des Gegners durchschaut – er ist ein hervorragender Läufer. Seine Flucht kommt dem Bandenführer der „Entan“ ungelegen. Desto strenger werde ich bewacht. Mit einem dicken Strick fesseln mich die beiden an einen Baum. Sepp kontrolliert, ob ich mich befreien kann. Kurz darauf beginnt die Schlacht mit wildem Gebrüll und Aufmunterungen von den gegnerischen Seiten.

„Kummts nur her, wenn´s Euch trauts, ihr Waschlappn, ihr traurign.“

„Nur her, dann setzt´s a boor.“

Offenbar können unsere Obersten ihren Plan mit Sepp nicht umsetzen. Die Keilerei nimmt ihren Fortgang ohne mein Zutun. Das hat wenigstens den Vorteil, dass meine Kleidung verschont bleibt. Beulen tragen nur die kämpfenden Buben davon. Trotz heftigen Kampfes will es keinen endgültigen Sieger geben. In meiner misslichen Lage höre ich einen Pfiff:

„Waffenstillstand! Do hintn keman an Haufn Leid.“

„Und Köta homs a dabei. I glaab, des san de vom Schäfahundverein. Jetzt miass ma aufhörn, sunst gibt’s Stunk.“

Von welcher Seite der Vorschlag kommt – ich weiß es nicht. Die Angst vor den angebundenen Vierbeinern hält die Buben von weiteren Schlägereien ab. Unweit meines unfreiwilligen

Gefährten, dem Baum, treffen sich die beiden Anführer und die Verhandlung beginnt.

„Mia gebn net auf“, höre ich Schorsch argumentieren.

„So wia´s ausschaugt, hat koana von uns gwunna, i schlag jetz an Waffenstillstand vor. Bessa is, mia begrom as Kriagsbeil fia des moi. Nächste Woch treff´ma uns auf´m Fuaßboiblotz und nacha spuin ma um den Sieg. De ständige Raffarei bringts wirkli net.“ Nach einigen praktischen Details wird der Vorschlag angenommen.

Die rivalisierenden Banden machen sich auf den Heimweg. Ihre Stimmen entfernen sich. Doch halt – mich haben sie im „Eifer des Gefechts“ vergessen. Ich schreie so laut ich kann, aber keiner hört mich. Wenn mich keiner findet, werde ich elendig zu Grunde gehen, verhungern und verdursten. Ich hänge zweieinhalb Stunden an der Birke, die Kirchturmuhr verrät mir die Zeit. Plötzlich vernehme ich hinter mir Schritte. Wieder schreie ich aus vollem Hals um Hilfe. Ein älterer Waldarbeiter auf dem Heimweg hat mich gefunden. Er befreit mich von den Stricken. Eine zweite Schlacht steht mir bevor, die mit dem Kochlöffel meiner Mutter und die wird nicht so glimpflich ausgehen, wie der Kampf zwischen den Buben links und rechts der Isar.

Apfelpfannkuchen

Einkaufsliste:

2 Äpfel (Granny oder so)
200g Mehl

3/8 L Milch
2 Eier
Zucker nach Gusto
eingeweichte Rosinen (mit Rum?)
etwas Backpulver
Prise Salz
Butterschmalz zum Ausbacken

Zubereitung:

Äpfel schälen und in Würfel schneiden. Mit den Rosinen in Butterschmalz und Zucker leicht anbraten und karamellisieren.
Eier mit Zucker schaumig schlagen, mit Mehl, Milch und Salz zu einem Teig vermischen. Eventuell fehlt noch etwas Milch oder Mehl je nach Sämigkeit des Teigs. Butterschmalz in der Pfanne erhitzen, den Teig hineingießen, mit den Äpfeln bestreuen, anbacken und wenden. Auch auf der anderen Seite bräunen und fertig backen . Mit Puderzucker bestreut anrichten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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