Olaf Lüken

Leben Sie auf großem Fuß?

Wer auf großem Fuß lebt, der hat es meist dicke, pflegt einen verschwenderischen Lebensstil, und verprasst sein Geld nach Lust und Laune, so wie einst der Graf von Anjou, der im Mittelalter lebte. Dieser Herr wurde wegen seines Geldes geachtet, wegen seiner Skrupellosigkeit gefürchtet und hatte ein großes Problem: unförmige hässliche Füße. Um diesen Nachteil zu kaschieren, ließ er sich riesige schnabelförmige Schuhe anfertigen und wurde prompt zum Trendsetter seiner Zeit. Fortan ließ sich jeder der etwas auf sich hielt Schnabelschuhwerk anfertigen und lebte sprichwörtlich auf großem Fuß. Im 19. Jahrhundert verstand man Reichtum vor allem als Immobilienbesitz: Grundstücke, Ländereien, Häuser, Schlösser - alles, was als solide und unbeweglich galt, musste zur Geldanlage herhalten. Als steinreich galt ein Mensch, der sich ein Haus aus Stein leisten konnte.

Der Wert des Geldes wurde nach schwer beweglichen Edelmetallen (Silber und Gold) bemessen und von den Staatsbanken gehortet, auch wenn viel mit Aktien und Unternehmensbeteiligungen spekuliert wurde. Denken Sie an den Bau des Suez- und des Panamakanals, an dem so mancher Spekulant schnell zu Reichtum kam. Dennoch: Als seriös und solide galten zu jener Zeit statische Sachwerte. Es war die hohe Zeit der industriellen Revolution mit ihren Fabriken und der Technisierung der Arbeitsprozesse, die Epoche der Arbeitersiedlungen, der Landflucht und der Städteproletarisierung.

Geld ist seinem Versprechen nach beweglich. Erfunden wurde es wegen seiner beispiellosen Dynamik. Unsere Vorstellungskraft erlaubt in Geld einen Gesellen zu sehen, der ständig von seiner Wanderlust gepackt wird. Geld ist der beste Freund des Händlers, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Waren von einem Ort des Überangebotes zu einem Ort des Mangels zu befördern. Überspitzt formuliert: Geld ist wie Elektrizität eine völlig neutrale Kraft, eine Energie, die zum Guten und zum Bösen genutzt werden kann. Geben ist seliger denn Nehmen. Geld in Empfang zu nehmen, muss dabei nicht ausgeschlossen werden. Wenn man sich dazu entschlossen hat, einen Geldhaufen zu behalten, gehört er einem nicht mehr, denn man kann ihn nicht mehr ausgeben.

Haben Sie es gewusst ? Ein reicher Idiot ist ein Reicher. Ein armer Idiot ist ein Idiot.

(c) Olaf Lüken (2017)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Olaf Lüken).
Der Beitrag wurde von Olaf Lüken auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Knuddelbuddelbuntes Kinderland: Festeinband für das Vor- und Erstlesealter von Edeltrud Wisser



Ein Kinderland ist erlebnisreich, bunt und verlockend.
Diese Vielfalt ist in Form von Reimgedichten beschrieben.
Festeinband für das Vor- und Erstlesealter, mit farb. Abb. und Ausmalbildern
Ein Teil des Erlöses aus dem Buchverkauf fließt der Stiftung Fly&Help zu.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)

Olaf Lüken hat die Funktion für Leserkommentare deaktiviert

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Olaf Lüken

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Geld regiert auch die kirchliche Welt - Beispiel Deutschland von Olaf Lüken (Gesellschaftskritisches)
… irgend etwas ist anders, als sonst ! von Egbert Schmitt (Gesellschaftskritisches)
… irgend etwas ist anders, als sonst ! von Egbert Schmitt (Gesellschaftskritisches)