Anne Eckardt

Dunkle Liebe Kapitel 1

 

In Gefangenschaft


Finsternis. Vollkommene Finsternis. Ich lag auf dem harten Boden meiner Zelle und probierte, trotz meiner Angst, etwas Schlaf zu bekommen. Ich wusste dass er mich umbringen würde wenn er keine Verwendung mehr für mich haben würde. Ein Fluchtversuch aus dem Kerker war ausgeschlossen. Ich wusste es. Ich würde schon bald am Ende meines Lebens angekommen sein. Einem Leben welches mit 19 Jahren viel zu kurz war. Wie er mich überhaupt aufspüren konnte war mir nach wie vor ein Rätsel, doch alles in allem wollte ich es überhaupt nicht so genau wissen. Der finstere Zauberer würde sich mit Sicherheit sehr viel Zeit lassen bevor er meinem Leben ein endgültiges Ende setzte.

 

Meine Zelle war ein winziger Raum. 7 meiner Schritte breit und 5 Schritte lang. Genau vor dem Gitter gab es einen weiteren Raum der ungefähr genau so groß war wie der in dem ich mich befand. An seinem Ende war eine Holztür in die Wand eingelassen. Außer einem Holzeimer für die Notdurft und einer Decke gab es nichts in diesem Gefängnis. Mir blieb nichts anderes übrig als meine Beine vor den Körper zu ziehen und in die Finsternis vor dem Zellengitter zu starren. Die Finsternis wir zwar nicht unheimlich aber trotzdem begann mir meine Fantasie hin und wieder Streiche zu spielen. In solchen Momenten meinte ich dunkle Schatten oder Tiere durch den Raum auf mich zuspringen zu sehen. Doch noch, ehe sie mich erreichten verschwanden sie wieder.

In diesem Moment hörte ich Schritte vor der Holztür. Hinter dieser befand sich ein schmaler Gang.

 

Ich war froh als sich die Schritte wieder entfernten. Erleichtert rollte ich mich zusammen, schloss meine Augen und probierte endlich zu schlafen. Irgend wie schaffte ich es doch er war voller verwirrender Träume. Auf tausende verschiedener Arten sah ich mich selber sterben: Mal wurde ich auf meinem Scheiterhaufen verbrannt, ein anderes mal köpfte man mich mit einer Axt und mein Kopf flog im hohen Bogen von dem Richtblock herunter und landete vor den Füßen einer aufgestachelten Menschenmenge, die meinen Tod mit lauten Rufen bejubelten.

 

Schließlich schreckte ich aus meinen Träumen hoch. Sofort merkte ich dass mir schlecht war und kroch deshalb zu dem Holzeimer und übergab. Es entkräftete mich zusätzlich dass mein Magen gegen den Stress rebellierte.

 

Und da gab es noch etwas, was mein Leiden vergrößerte: Die Wunde, welche mir bereits vor meiner Gefangennahme am linken Unterschenkel zugefügt wurden war, wollte beim besten Willen nicht heilen. Ich probierte das Bein so gut wie es ging zu schonen, doch immer klappte dass auch nicht. In solchen Momenten wanderte der Schmerz mein Bein hinauf und breitete sich bis in meinen Rücken aus.

Argon. Der Name war ohne Erlaubnis in meinem Kopf aufgetaucht. Wegen ihm war ich hier. Er hielt mich hier fest und er würde meinem Leben auch ein Ende setzen.


Urplötzlich riss mich ein Geräusch aus meinen Gedanken. Ich setzte mich auf und lies meinen Blick durch die Dunkelheit meiner Zelle wandern. Irgend jemand war hier. Das fühlte ich. "Ich habe euch längst mitbekommen!" sagte ich schließlich "Ihr braucht euch gar nicht vor mir zu verstecken!" Langsam trat er aus der Finsternis hervor. Sein Blick wirkte genau so unheimlich wie eh und je, doch hatte er diesmal ein fieses, abschreckendes Lächeln aufgesetzt. "Ich dachte ich sehe mal nach meiner Gefangenen" sagte er und lies eine leuchtende Kugel über seiner Hand erscheinen welche hell genug war um die Dunkelheit des Raumes zu durchbrechen.
"Wie ich sehe ist dass da immer noch nicht besser geworden" sagte Argon und kam zu mir. Er hockte sich vor dem Gitter auf den Boden, so dass ich automatisch zurück schreckte. "Was geht es Euch an, in welchem Zustand sich meine Verletzung befindet?" sagte ich und man hörte deutlich den Ärger in meiner Stimme. Langsam schob er mein Hosenbein nach oben. Schließlich zog er zu meinem Entsetzen sein Messer. "Ich denke mir mal, wir sollte dass da erst einmal behandeln." Ich antwortete ihm nicht. Argon begann mit dem Messer langsam einmal über die Wunde zu fahren, so dass diese sich wieder öffnete. Sofort trat Blut und andere Flüssigkeit aus ihr heraus, so dass ich meine Augen zukneifen musste um mich nicht vor Ekel zu übergeben.

Als er schließlich einmal an der Wunde drückte kam noch mehr Flüssigkeit heraus und der Druck begann abzunehmen.

Erst nach mehr als 2 Minuten war Argon damit endlich fertig. Ich seufzte leise vor Erleichterung. Anschließend griff er in seine Tasche und nahm eine Hand voller Blätter heraus.
Diese steckte er sich in den Mund, zerkaute sie und drückte die entstandene Masse anschließend auf die Wunde. Es brannte kurz so dass ich kurz zurück zuckte. Doch nach weniger als 5 Sekunden verschwand das Brennen als wäre es niemals da gewesen.

"Wieso tut ihr dass?" fragte ich schließlich. Argon blickte auf und sah mich an als hätte er meine Frage nicht verstanden.
"Ihr habt mich schon verstanden" sagte ich schließlich "Warum?"

"Warum den nicht?" fragte er und setzte sich im Schneidersitz vor mich hin. "Ihr habt meine ganze Familie auf dem Gewissen, ihr habt unsere Felder niedergebrannt und mich auch noch entführt...da wird die Frage nach dem Warum ja wohl erlaubt sein."
Argons Augen wurden größer und ein Schatten der Erkenntnis huschte über sein Gesicht. "Jetzt verstehe ich worum du so sauer auf mich bist..." sagte er "...aber ich habe deine Familie nicht auf dem Gewissen." Diese Worte trafen mich wie ein geworfener Ziegelstein. "Was?..." sagte ich. Er schüttelte den Kopf. "Ich habe sie NICHT auf dem Gewissen. Ich gebe zu dass mit den Feldern war wirklich ich aber eurer Familie habe ich KEIN Haar gekrümmt." Ich lies mich auf den Boden sinken und starrte zur Decke meiner Zelle.
"Und dass hier ist ja dann wohl auch nicht von euch..." sagte ich, griff in die Tasche meines Kleides und zog aus diesem einen Brief mit gebrochenem Siegel heraus. Diesen gab ich Argon. "Das Siegel mit den zwei Sternen und dem Falken ist definitiv von euch" sagte ich. Dabei deutete ich auf das gleiche Symbol welches Argon auf dem Ring an seiner linken Hand trug. "Das Wappen ist meins, da hast du recht..." sagte er "...aber dass ist definitiv nicht meine Handschrift." "Wessen Schrift ist dass dann?" fragte ich und blieb mit meinem Blick auf meinen Knien kleben.

In diesem Moment klopfte es an der Tür. "Komme rein!" rief Argon. Die Tür ging auf und ein junger Mann kam mit einem Tablett in der Hand herein. "Oh, ihr seid gerade hier Meister" sagte er "Es tut mir leid ich wollte der Gefangenen nur..." Argon hob seine linke Hand und der Mann war still. "Ist in Ordnung ich wollte eh gerade gehen" sagte er und erhob sich. Als er in Richtung der Tür ging schaute er auf das Essen und sagte anschließend: "Das sieht sehr gut aus." Der junge Mann kam mit dem Essen zu mir und stellte es auf den Boden vor dem Gitter. Mit seiner Aussage dass das Essen "sehr gut aussieht" hatte Argon meiner Meinung nach vollkommen untertrieben:
Frisches Brot, Käse, Wurst, eine Schale mit Weintrauben, ein Krug mit Apfelsaft. Weshalb lies er mich als Gefangene derart gut versorgen? Ich wusste mir keine Antwort auf diese Frage.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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