Peter Biastoch

Lasst uns Bäume ausreißen

Februar. Das Gesetz schreibt vor, dass nach Ende Februar keine Bäume mehr gefällt werden dürfen. Da wir einen alten Kirschbaum nahe der Grundstücksgrenze stehen haben, der einen gespaltenen Stamm aufwies, nahmen wir das freundliche Angebot eines Freundes an, der uns diese Gefahr beseitigen wollte. Wie wir unschwer erkennen konnten, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Sturm, wie wir ihn Ende Januar erlebt haben, diesen Baum umwerfen würde.

So hatten wir bereits im vergangenen Sommer vereinbart, ihn wegzumachen. Am 10.02. war es dann soweit. Nachdem er gefallen war erkannten wir, dass unsere Befürchtungen noch mehr gerechtfertigt waren, als gedacht!

Schon beim umkippen hatten wir gesehen, wie die beiden Stammhälften sich trennten aber glücklicherweise beide in die richtige Richtung fielen. Ja, der Stamm war bereits bis in den Wurzelbereich gespalten und hing praktisch kaum noch zusammen.

Vergangenes Jahr hatten wir neue Nachbarn bekommen, die für sich und ihre beiden kleinen Kinder, ein kleines Eigenheim bauen ließen. So, wie unser Kirschbaum gestanden hat, wäre eine Hälfte garantiert auf deren Grundstück gekippt, wenn wir es dem Wind und der Gravitation überlassen hätten. So aber konnten wir beide Stammhälften, mit einer Seilwinde, in die richtige Richtung lenken.

Es dauerte, nachdem dieser Baum dann erst einmal lag, nicht mehr lange und Andreas (derjenige, der ihn gefällt hat) zerlegte die Äste und Stämme in handliche Stücke. Wie ausgemacht bekam er diese als Feuerholz, so dass wir nur noch die dünneren Äste zu entsorgen haben. Wir selbst haben ja nur einen einzigen kleinen Beistellherd, um den zweiten Schornstein im Altbau nicht versotten zu lassen.

Es gab dann noch zwei weitere Bäume, die auf unserer Liste zum Fällen standen. Eine Koreatanne und ein alter Apfelbaum. Doch die wollte ich dann allein zu Fall bringen. Schließlich haben wir selbst eine Kettensäge und eine Teleskopsäge.

Mit der zuletzt Genannten begann ich die einzelnen Äste der Koreatanne am Stamm abzusägen, bis ich mit ausgezogener Stange nicht mehr heran kam. Was blieb waren allerdings nur noch wenige Äste, da der Stamm weiter oben bereits abgestorben war. Dann  konnte ich die andere Kettensäge, mit nach oben ausgestreckten Armen, auf halber Höhe am Stamm anlegen und dessen 15 Zentimeter Durchmesser durchtrennen. Als das obere Stück sich neigte und herab fiel, war das Schwierigste erledigt. Jetzt konnte ich in aller Ruhe den noch stehenden Stamm zu Fall bringen und kleinschneiden.

Ähnlich verfuhr ich anschließend (natürlich an einem anderen Tag) mit dem Apfelbaum. Dieser trug schon seit Jahren nur noch kleine Früchte, die voller Flecke waren. Diese Flecke gingen von der Schale bis ins Kerngehäuse und machten keinen Appetit darauf, hineinzubeißen! Beim Fällen musste ich allerdings den unteren Teil des Stammes erst einmal stehen lassen. Warum? Nun, meine Kettensäge war stumpf geworden und ich musste sie erst einmal zum Schärfen bringen. Außerdem hatte ich einen alten, verwitterten Aststumpf heraus gebrochen und dahinter ein Loch, das quer durch den ganzen Stamm verläuft, entdeckt. Diese "Höhle" wollte ich erst noch für ein spezielles Foto nutzen. Aber schau selbst, wozu ich dieses wild zerklüftete Loch gebraucht habe.

Als erstes nahm ich ein Foto, das ich beim „Huskycup in Blockhausen“ (Weltmeisterschaft im Kettensägen-Schnitzen) gemacht hatte und isolierte am PC diesen Adler. Dann ließ ich mich von Margitta in einer Haltung fotografieren, die zu diesem Motiv passte. Schließlich brachte ich den Adler und mich in diesem Baumstumpf unter, so dass man es als ein Bild ansehen kann.

Wenn ich das alles jetzt so gerafft erzähle, scheint mir der Eindruck zu entstehen, dass ich, nach meiner Herz-OP gleich wieder in die Vollen gehe, als wäre nichts gewesen. Doch das stimmt so nicht. Natürlich habe ich mich bei all diesen Tätigkeiten nur wenig angestrengt. Einen Holzstamm durchsägen bedeutet ja lediglich, die Kettensäge an die richtige Stelle hinzuhalten. Den Rest mach dann das Gerät. Auch bei den Aufräumungsarbeiten nahm ich mich zurück und überließ meinen erwachsenen Kindern einen großen Teil – vor allem den Transport schwerer Stücke! Und das Foto bearbeiten? Dazu kann ich mich bequem in meinen Sessel setzen,, de Tastatur auf den Beinen, die Maus auf der Armlehne und schon geht das ganz entspannt!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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