Andreas Rüdig

niederrheinische Geschichten

Hamminkeln ist seit letztem Samstag um eine Einkaufsgelegenheit ärmer. Es war kurz vor Ladenschluß, als Fridolin den Lebensmittel-Supermarkt betrat. Er blickte sich kurz um, um die gewünschten Waren zu suchen. Und wen / was entdeckte er? Wendelin, seinen Intimfeind! Ganz spontan und kurz entschlossen griff Fridolin zu all´ den Büchsen, Dosen und Gläsern, die um ihn herum standen, und warf sie gezielt in Richtung Wendelin! Fridolin traf Wendelin natürlich nicht, sondern zerstörte so Inventar, Ladenfenster und vieles mehr.

"Fridolin hat natürlich alles bezahlten müssen, was er zerstört hat," betont Eitel-Theobald, der Ladeninhaber. "So kann ich wenigstens die erforderlichen Renovierungsarbeiten bezahlen. Der materielle Schaden ist damit ausgeglichen. Die Zeit, die ich geschlossen habe, sowie den entgangenen Gewinn ersetzt mir niemand. Die Konkurrenz holt auf.

Der Niederrhein ist das Land der Mythen, Legenden und Verschwörungstheorien. Beispiele dafür gefällig? Aber gerne.

Den Rheurdter Rüssel kennen Sie bestimmt. Wer aus Rheurdt stammt, hat ihn quasi mit den Muttergenen - der örtlichen Erdstrahlung sei Dank - mitbekommen. Dieses spezielle Organ ist in der Nase angesiedelt und ermöglicht es, Lebensmittel wie Trüffel, Kaviar oder Spargel an ihrem Entstehungsort zu erschnüffeln.

Das Herzogtum Kleve existiert auch heute noch. In einem geheimen Zusatz zur Weimarer Reichsverfassugn war ihm eine eigenständige Existenz zugestanden worden. Staatsform: parlamentarische Demokratie mit einem Monarchen als obersten Repräsentanten. Diese Struktur wurde formell auch durch das Grundgesetz nie außer Kraft gesetzt. Umstritten ist vielmehr die Frage, ob die britischen Besatzer nach dem 2. Weltkrieg das Herzogtum aufgelöst haben, auflösen konnten und auflösen durfren. Das nordrhein-westfälische und das ranghöhere Bundesverfassungsgericht haben sich nie eindeutig zu diesen Fragen geäußert, geschweige denn irgendwelche möglichen gesetzlichen Grundlagen aufgehoben und außer Kraft gesetzt. "Was das Gebiet des Herzogtums anbelangt, stehe ich also auf ein und derselben Stufe wie der jeweilige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen," betont Waldemar Egbert Herzog von Kleve, ohne daß es jemand wagt, ihm zu wiedersprechen.

Das Wald von Hünxe ist verwunschen. Diverse Förster, Wilddiebe und Wanderer sind dort auf unerklärliche Art und Weise verschwunden. Zuersten kamen einige der örtlichen Förster und Waldarbeiter abends einfach nicht merh nach Hause zurück. Dachte man anfangs noch an Unglücksfälle, Unfälle, Straftaten oder Fremdgehen, brachten die daraufhin folgenden Suchaktionen immer wieder die Aussage: "Für einen kurzen Augenblick hatte ich ein Flirren vor den Augen - und schon sah der Wald ganz anders aus. " Es gab plötzlich längst ausgestorbene Baumarten. Einhörner wurden gesichtet, Eichhörnchen mit Flügeln, Elfen und Gnome, unbekannt flugunfähige Vögel und andere Absonderlichkeiten. Daß diese keine Phantasieprodukte sind, konnte leicht bewiesen werden. Die Personen, die davon Bericht erstatteten, waren mit Sendern versehen, um sie besser orten und verfolgen zu können - und urplötzlich vom Radarbildschirm verschwunden. Woher diese parapsychologischen Sichtungen kommen, ist zwar unbekannt - die Region ist aber als "Bermudadreieck vom Niederrhein" verschrieen. "Wir wissen nicht so recht, was wir machen sollen," ist von der Stadtverwaltung zu hören ."Die Menschen vor Ort sind verängstigt. Gleichzeitig lockt das Phänomen aber auch viele Besucher an."

Uedem weist einen "Totenhügel" auf. Er soll mehrere Massengräber aus dem Mittelalter beinhalten; ob dort wirklich Opfer von Epidemien (Pest, Cholera, Grippe, Hunger) begraben sind, müssen Historiker und Archäologen erst noch herausfinden.
Heute kommen viele Spiritisten in den Ort. In ihren Sitzungen versuchen sie, Kontake zu Verstorbenen aufzunehmen. "Ich selbst habe es ebenfalls versucht," berichtet Dagobert Urbansik, seines Zeichens Heimatforscher und Spiritist. "Es war schon eine schwierige Angelegenheit. Ich kannte ja niemanden persönlich mit Namen. Bei meinen Kontaktaufnahmen meldeten sich immer gleich mehrere Verstorbene gleichzeitig und redeten in verschiedenen Dialekten und Entwicklungsstufen der deutschen Sprache auf mit ein. Ich hätte scon ein linguistisches Germanistikstudium gebraucht, um mithalten zu können."

Die Stadt Emmerich setzt auch heute noch geflügelte Flußschlangen als Nachrichtenboten ein, wenn sie Nachrichten und Botschaften an vorbeifahrende Schiffer übermitteln möchte. Die Tiere verfügen über einen ausgezeichneten Orientierungssinn und können auch kurze Strecken an Land zurücklegen.

Die mumifizierte Moorleiche  von Bedburg-Hau führt immer wieder zu Gerüchten, daß noch vor der Zeitenwende Außerirdische an den Niederrhein gekommen sind. Kleine Seen im Gemeindegebiet gelten als ihre Start- und Landeplätze. "Sehen Sie sich nur die Schädelformen der Menschen am Niederrhein an - sie sind größer und anders geformt als bei anderen Rheinländern," berichtet der Biologe, Mediziner, Anthropologe und selbsternannte Volkskundler Hartmann Leberecht Edler von der Möburg. "Auch die wurstartigen Wölbungen, die sich von der Nase über die Schädeldecke bis zum Hinterkopf zeihen, deuten auf eußerirdische Besucher hin, die hier ihre Spuren hinterlassen haben."

Der Bürgermeister von Kranenburg ist als Formenwandler verschrieen. Nicht etwa, daß er ständig seine politischen Ansichten ändert. Man sagt ihm nach, er schlafe nachts als Kanarienvogel / Wellensittich in einem Vogelkäftig.

In Issum wurde bekanntlich im Mittelalter das Alt-Bier erfunden. Graf Ottokar I hatte ein Blasenleiden, das ihn zu häufigem Wasserlassen zwang. Weigerte sich einer seiner Diener am Morgen, den vollen Nachttopf zu entleeren, zwang ihn Ottokar, den vermeintlichen Urin zu trinken. "Oh, das schmeckt ja lecker," soll einer der bestraften Diener ausgerufen haben - und fast unverzüglich einen Schwips bekommen haben. Seitdem riß sich die Dienerschaft, diesen "Alkorin" trinken zu dürfen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.04.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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