Thorsten Peters

Nach Hohenentringen

Sonniger Morgen. Wir hatten am Vorabend zu viel getrunken. Dennoch – 
nach etwas Hin und Her entschlossen wir uns, zu Fuß nach Hohenentringen 
zu gehen. Am Rand des Schönbuchs gibt es einen Pfad entlang des Westhangs 
des Waldes. Wir packten zwei Wasserflaschen ein und gingen los. Der Hund 
musste mit – ein schwarzer Labrador, der entweder taub war, oder nicht hören wollte.
Von Herrenberg führt der Weg anfangs bergauf. Nach dem Marktplatz 
folgt der Schlossberg. Nach dem Schlossberg wandern wir auf einer Art Lichtung – 
es ist wie ein Stück Feld im Wald. Wir sind froh als wir tiefer in den Wald gehen. 
Hier ist es kühler. Es geht auf die Mittagszeit zu und wir merken – es wird ein sehr 
heißer Tag. Nach einer Stunde Fußweg machen wir Rast. Ein Schluck Wasser und
eine Zigarette werden konsumiert - danach noch kurz die Füße hochgelegt.
Wir sind an einer Art Vereinsheim, das geschlossen hat. Davor sind ein paar Tische
und Bänke. Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir müssen weiter – hier gibt es nichts zu essen – 
doch erste Zweifel kommen auf – Hohenentringen wären noch zwei Stunden. 
Es wird heißer und der Hund – ja, sie meint der schaffe es nicht mehr weit. Er, das 
heißt sie, es ist eine Hündin werde ich oft korrigiert, muss was trinken – und wir 
haben nur zwei Wasserflaschen mitgenommen – aus Mangel an Weitsicht. 
Da wir am Rand des Schönbuchs wandern, haben wir an verschiedenen Stellen des 
Wegs freie Sicht auf das Ammertal. In Gehrichtung rechts von uns erscheint es ein paar
Hundert Meter unter uns. Dann ist ein Dorf in Sicht. Dort gibt es bestimmt etwas zu essen
und Wasser für den Hund und uns. Ich meine – es ist wahrscheinlich Entringen, das Dorf
unterhalb des Schlosses Hohenentringen. Ich meine auch – ich kann Hohenentringen 
schon sehen:

Eine alte Burgmauer ragt in der Ferne aus dem Wald hervor. 
Obwohl in Sichtweite ist es doch noch eine Stunde mindestens. 
Wir entscheiden uns dafür, den Hang hinunterzugehen. 
Wir laufen am Rand eines Weinbergs vorbei. 
Wir kommen in das Dorf.

Hier steht ein Haus mit Scheune. Ein Mann werkelt davor herum. Wohl ein 
Ur-Entringer? Ob er vielleicht ein wenig Wasser für den Hund übrig hätte? 
Ja. Es war auch so, dass der Ort Entringen hieß und an einer Bahnstation lag. 
Vor der Bahnstation gab es ein Restaurant mit Gartenwirtschaft. 
Dort saßen wir und wussten – weiter gehen wir heute nicht. 
Die Gedanken bewegten sich eher zurück. Doch ich war mir sicher, dass wir 
Hohenentringen noch erreichen würden – an einem anderen Tag.

 

2014

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