Elke Müller

Amerika....

Um den entsetzlichen Anblick, der teilweise verbrannten Körper, Cody zu ersparen, grub Redmon gleich an Ort und Stelle namenlose Gräber aus. Unter Steinblöcke oder Büschen begraben, werden sie bald vergessen sein. Müde von der Arbeit, betrachtete er Cody, die, geschickt mehrere Blumenkränze für den traurigen Anlass anfertigte. Geier stritten sich derweil um die reichlich vorhandenen Tierkadavern. Langsam kam Cody auf Redmon zu und setzte sich stumm zu ihm. Ihr Gesicht war blass und Schatten lagen unter ihren Augen vom weinen. „ Wir sollten aufbrechen. Wie es aussieht waren es diesmal wohl keine Indianer,“ sagte Redmon leise. „ Es kann gefährlich für uns werden… “ „ Es waren Weiße! Verkleidet als Soldaten und so einem Offizier!“ gab Cody in Hass zurück. „ Sie waren schmutzig und trugen graue zerlumpte Bekleidung mit Streifen.“ „ Woher…?“ Er sah sie mit Erwartung an. „ Mich hatte man zum Holzsammeln weggeschickt, da habe ich sie beobachten und belauschen können. Obwohl ich darüber Meldung machte, glaubte unser Wagenzugführer, dieser Dreckskerl, es nicht.“ „ Graue Bekleidung mit Streifen?“ „ Wie ich hörte, sollen sie aus den Jail ausgebrochen und eine Soldaten- Patrouille überfallen und erschossen haben, weil sie sich wehrten, anschließend dann, desertiert sein, jedenfalls prahlten sie damit herum.“ Redmon zog tief den Atem ein. „ Zum Henker! Nach der Kleidung nach, handelt es sich um eine Gruppe von Deserteure, Dieben und Schläger, aus einer Strafkompanie. So haben sie sich die Uniformen der getöteten Soldaten angezogen, die Pferde und deren Waffen gestohlen!“ „ Und… sie hatten es gezielt auf unsere Vorräte abgesehen,“ murmelte Cody. „ haben alles was nicht niet - und nagelfest gewesen, mitgenommen.“ „ So etwas hat es lange nicht mehr gegeben. Dafür muss es doch irgend einen Grund gegeben haben!“ Sorgenvoll blickte Redmon auf die hinterlassene Spur der Pferdehufe.

Heika zog die Luft ein, genoss den kurzen Frieden um sich herum. Seit ein paar Tagen hatte er gegen Fieber und Schmerzen gekämpft. Er stemmte sich von seinem Lager hoch, auf die Ellenbogen. Er spürt einen Schmerz durch seinen Körper zucken. Biss sich auf die Lippen. Vorsichtig versuchte er aufzustehen, doch seine Beine hatten noch nicht die nötige Kraft. Schweißperlen standen ihn auf der Stirn. Sein Blick wanderte zum erloschenen Lagerfeuer hinüber. Redmon hatte, bevor er aufbrach, einige Wildfleischstreifen auf einen Spieß gefädelt, zurück gelassen. Eine gefüllte Wasserflasche hing an einem Ast, seine Jagdtasche, Messer, Bogen, Beil und Gewehr lagen griffbereit daneben. Heika glaubt nicht, das Redmon ihn in Stich lässt, aber möglich ist schließlich alles. Hier lauerte große Gefahr, er musste wachsam bleiben. Leise erbat er sich Schutz vom großen Geist.

Das Büffelfell, welches als Schlafdecke diente, legte er unter großer Kraftanstrengung auf den Rücken von Tinker und warf die Zügel über dessen Hals. Mit zusammengebissenen Zähnen schwang er sich auf sein Pferd. Schon nach nur ein paar Schritten, erfasste ihn Schwindel, er verlor das Gleichgewicht und stürzte vom Pferd. Mit wackligen Beinen richtete er sich auf. Seine Hände krallte er in die Mähne seines Pferdes um nicht den Halt zu verlieren. Suchend sah er sich um. Spürte die Erschöpfung. Doch der von Redmon ausgesuchte Platz war gut gewählt gewesen. Bot Schutz vor neugierigen Blicken und es war leicht möglich, einen Feind aus größerer Entfernung schon zu erkennen. Mit langsamen stolpernden Schritten bewegte er sich vorwärts. Er beugte sich zu den Riemen der Jagdtasche herab. Sie war nicht verschlossen und ein in Leder umwickeltes Etwas fiel heraus. Heika hob das Päckchen auf und hielt nach kurzer Zeit ein etwas beschädigtes Notizbuch in den Händen. Mit Interesse blätterte er darin. Er gehörte damals zu den wenigen Kindern, die lesen und schreiben gelernt haben. Trotzdem viel ihm das Buchstabieren etwas schwer, zu lange hatte er nichts vergleichbares in den Händen gehalten. Langsam laser Wort für Wort. Redmon hatte jeden Tag, seine Gedanken und Erlebnisse eingetragen und Heika konnte sich ein Bild von einem Mann machen, der die Gerechtigkeit auf dieser Welt anzweifelte. „ … Die vier Grundsätze, waren oberstes Gebot bei uns, welche lauteten: - Gehorsam, Ehre, Treue und bedingungsloser Einsatz, wenn es darauf ankam….“ Besonders der Satz - „ Geh mutig deinen Weg und glaube an deine Träume – und Freundschaft beweist sich erst in der Stunden von großer Not “ - prägte er sich ein. Heika würde hier wohl, eine weiter Nacht verbringen müssen.

Die falsche Soldatentruppe war unterwegs, um auf die mexikanische Seite zu wechseln. Die Männer kannten sich schon längerer Zeit. Sie waren von einem Militärgericht verurteilt, aus der Armee ausgeschlossen und zu Infanteristen degradiert. Sie hatten einen Geldtransport überfallen und eine große Geldsumme geraubt. Die Beute blieb seitdem verschwunden. Die nun verwahrlost aussehenden Männer hatten nichts mehr zu verlieren. Vor keiner Gemeinheit schrecken sie zurück. Auch vor Mord an Siedlern oder Goldgräbern nicht, um sie ausrauben zu können.

Das Gesicht des verkleideten Offizier verzog sich. Alle sechs Männer machten einen erschöpften Eindruck. „ Haltet mal eure Schnauzen!“, befahl dieser. „ Diese roten Hunde drehen ab und zu durch, aber haben uns noch nicht und bekommen uns auch nicht. Wir warten bis sie heran sind, dann ab durch die Mitte!“ „ Willst du das wirklich riskieren?“, fragte Cloud. „ Wir hatten schließlich bis jetzt kein Glück, diese Roten los zu werden. Außerdem haben wir Hunger und Durst.“ „ Verdammt! Macht euch nicht gleich in die Hosen, nur weil uns ein paar Indianer verfolgen!“ Ein Schuss peitschte auf. „ Die sind mächtig heran gekommen “, meldete sich nun ein anderer mit Namen Angelo. „ Schlimm genug, das wir uns schon seit Stunden durch diese Wildnis schlagen. Der ganze Trott geht einen langsam auf den Geist. “ „ Jetzt reicht es! Alle aufsitzen, wir reiten weiter.“ Als sie den kleinen Wald hinter sich gelassen, erreichten sie einen kleinen Creek der von Buschwerk bewachsen war und hatten einen freien Blick hinüber, über gewaltige Gebirgszüge mit grünen Hügeln, nach Mexiko. Sie mussten nur noch den Rio Grande überwinden, dann konnte kein Henker ihnen ihren Hals länger ziehen. Alle spüren, die Müdigkeit in ihren Gliedern. Es kann nicht mehr lange dauern bis ihre Verfolger eintreffen, sie müssen schnell sein. Jeder der Männer verfluchte längst den brutalen Überfall auf eine kleine Familiengruppe von Rothäuten, nur um an das Goldversteck in den Bergen zu kommen. Damit hatten sie sich den Zorn des ganzen Stammes zugezogen. Die Wagen der Siedler dienten nur als Ablenkung. Es sollte so aussehen, als wenn Indianer daran Schuld waren, was total schief lief, da bereits ihre Verfolger ihnen dicht auf den Fersen waren. Aber sie lebten von ihren Raubzügen und manchmal nicht schlecht. Es krachten einige schnell aufeinander folgende Schüsse. Dann kam ein wahrer Hagel von Kugeln und Pfeilen, der auf die Fliehenden niederging.

Der Spur war leicht zu folgen. Die Chance diese Mordbrenner zu erwischen war nicht gerade hoch. Redmon musste sich erst einmal um Cody kümmern bevor er zu Heika zurück konnte.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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