Adelheid von Theilenberg

Der hustende Mülleimer

Es war einmal ein kleiner, ungemütlicher Hinterhof eines Mehrfamilienhauses. Obwohl ein paar, wild gewachsene, Blümchen am Rand standen, wirkte der Hof dunkel und wenig einladend. In einer Ecke standen mehrere Mülltonnen, eine von ihnen war Ottokar. Tagtäglich kamen die Bewohner des Hauses, um ihren Müll zu verteilen. Manchmal kommen auch Hunde und Katzen vorbei. So, wie der Mischlingshund Timus, der ein besonderer Freund von Ottokar war.
Jeden Morgen und jeden Abend kam Timus an Ottokar vorbei gerannt. Er kläffte ein munteres „guten Morgen“ oder ein etwas müderes „guten Abend“ und sprang vergnügt weiter. Heute blieb er vor Ottokar stehen und stutzte. Die Tonne sah so traurig aus. Besorgt tappte der Hund hin und her. Auch ein Stupser mit seinem Näschen konnte der Tonne keinen Laut entlocken. Dann gab Timus sich einen Ruck. Mit einem lauten ‚Wuff‘ begann er, sich bemerkbar zu machen. „Ottokar, mein Freund, willst du mir nicht sagen, was dich so traurig macht“?
„Ach…“, Der Mülleimer ließ einen tiefen Seufzer los und wollte zu sprechen beginnen. Doch, er konnte nicht, weil ihn ein kräftiger Husten quälte. Nach einer Pause ein neuer Versuch: „Siehst du“, räusperte er sich, „genau das ist es!“ Kaum hatte er es ausgesprochen, schüttelte schon wieder ein kräftiger Hustenreiz. „Alles, aber auch alles, kippen sie in mich hinein. Sieh nur!“ Ottokar öffnete seine Klappe.
Timus machte einen Satz auf die Hofmauer, von der aus er in das Innenleben Ottokars schauen konnte und sah, was diesen so quälte.
Das, was Timus sah, ließ ihn aufgeregt bellen: Glasflaschen, Zeitungen, Gemüsereste, Batterien, Alu- und Blechdosen und vieles mehr steckten in Ottokar.
„Mein armer Freund, da muss es dir ja schlecht gehen. Wie kann ich dir nur helfen?“ Timus lief unruhig und kläffend umher. Dann hat er eine Idee. Er schubst Ottokar so geschickt, dass die Tonne umfällt und der Müll aus dem Eimer kullert. Es schepperte und der Vierbeiner fing noch lauter zu bellen an. So laut, dass Peter, der Umweltdoktor, es im zweiten Stock hörte.
‚Das ist doch mein kleiner Streuner!‘ Peter horchte auf und schaute aus dem Fenster. Was hatte er denn da angerichtet? So schnell es ging, rannte er die Stufen runter.
„Na Timus“, ruft Peter, „ das hast du ja prima gemacht. Doch der Hund ließ sich nicht beeindrucken, kläffte weiter und lief immer wieder zu Ottokar. Peter schaute sich den Müll an. ‚Was steckt denn da alles drin? Timus, du bist ein clever Kerlchen! Mal schauen, wem die Tonne gehört. ‘ Das war nicht schwer zu erkunden, denn der Namenszug zierte die Tonne. Aha, das war der Müll von Marina Meier. „Das muss geändert werden! Bleib brav hier sitzen, Timus, ich statte der Dame mal einen kurzen Besuch ab.“
Peter stieg die Stufen hoch in den ersten Stock und klingelte an ihrer Türe. Marina öffnete gleich. Bisher waren sich die beiden nur flüchtig begegnet und so stellte sich der Umweltdoktor erst einmal vor. Dann berichtete er, was er gesehen hatte.
Marina war sehr aufgeregt, als sie die Geschichte von Peter hört, denn es plagte sie das Gewissen. Stotternd suchte sie nach einer Entschuldigung.
Peter hatte Mitleid mit der jungen, hübschen Frau und legte den Arm um ihre Schultern. „Kommen Sie, ich helfe Ihnen! Wir gehen hinaus und schauen uns das an. Ich erkläre Ihnen, was zu beachten ist. Denn so geht das nicht. Wir werden den Müll wohl sortieren müssen!“ Er zwinkerte mit den Augen und Marina war ein wenig erleichtert.
Marina folgte Peter auf den Hof. Die junge Frau wurde verlegen, als sie den verstreuten Müll sah. „Nun sehen Sie nicht so traurig drein“, meinte Peter, „das bekommen wir schon hin.“ Er ging in die Hocke und begann zu sortieren. „Kommen Sie“, forderte er Frau Meier auf und sie hockte sich zu ihm. Das Glas stellt er beiseite. „Dort hinten, gleich am Parkplatz, stehen Glascontainer, da gehören sie rein. Ich sammle immer eine Weile und sortiere sie auch gleich farblich. Dann ist das Entsorgen ruck-zuck erledigt“, klärte er Marina auf. Die Korken der Flaschen und Deckel der Gläser nahm Peter ab, denn sie kommen nicht in den Glascontainer.
Große Seiten Zeitungspapier legte er zur Seite. „Schauen Sie, hier ist die blaue Tonne, da werfen wir das Papier rein.“ Alu- und Blechdosen kamen auf einen weiteren Haufen. „Die werden wir gleich in die speziellen Container bringen, der steht auch am gleichen Platz wie die Glascontainer. Ich komme mit, wenn es Ihnen recht ist.“ Marina wurde leicht rot und nickte. ‚Ein toller Mann, dieser Umweltdoktor‘, fuhr es ihr durch den Sinn und hörte weiter zu. „Die Arzneimittel bringen wir zum Apotheker und die Batterien zum Discounter zurück.“
Übrig blieb ein kleines Häufchen. Darin waren jetzt leider noch Obst- und Gemüsereste, die Peter aber nicht heraus sortierte. Sie fegten alles zusammen und gaben es wieder in Ottokar. Marina bedankte sich und versprach, in Zukunft ihren Müll zu trennen. Sie nahm einen kleinen Eimer für den Biomüll, den sie zum Sammeln für Küchenabfälle nutzen wollte. Schließlich stand eine Biotonne auf dem Hof, die nur darauf wartete, gefüttert zu werden. So schonte Marina nun Ottokar und die Umwelt.
Ottokar war überglücklich. Er bedankte sich bei Timus, denn sein Husten war verschwunden.
Und Peter? Er nahm Marina fest in seine Arme und ließ sie nicht mehr losg. Die beiden sortierten den Müll seitdem gemeinsam.

Und Du??
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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