Nando Hungerbühler

Niemals Ohne Dich - II

Vom ersten Atemzug an, seit meinem Lebensschrei warst du da, hast mich begleitet und zeigtest Mir die Welt in all ihrer Pracht.
Du ließest mich die Gesichter meiner, mich liebenden Eltern sehn, wie auch die Färbungen der Blumen wenn sie immer Sommer voller Kraft erblühten.
Du hast mir die Schönheit der untergehenden Sonne, am Feuerroten Firmament gezeigt und die Augen jener Frau, die mein Herz im Sturm nehmen sollte.
Tränen der Freuden habe Ich vergossen, als du Mir den Anblick meines neugeborenen Kindes zuteil werden hast lassen und mein Glück, mein Leben vollkommen gemacht hast.
Ich möchte Niemals Ohne Dich sein.

Eines Tages drangen jedoch Worte an mein Ohr, sagten Mir dass Du gehen würdest, langsam schleichend aus meinem Leben, meinen Körper weichen wirst.
Voller Grauen hallte das Echo der Worte, in Mir, meinem nicht Glauben wollenden Geist wieder und voller Zorn bezichtigte Ich die sprechenden Münder der Lüge.
Von Panik getrieben eilte Ich in die Ferne, suchte das Vergessen und fand nur die Erkenntnis dass jene von Mir verleugneten Worte die Wahrheit in sich trugen.
Du würdest gehen, Ich konnte nichts dagegen tun außer zu verharren und zu warten auf jenen Augenblick in dem du die Nacht über mich hereinbrechen lassen würdest.
Niemals Ohne Dich kann Ich sein und doch trennen sich unsere Wege.

Du wirst Mir alles nehmen was mein Leben es Wert machte gelebt zu werden und meine Freude über diese Welt wird einer Trauer über Ihren Verlust weichen.
Das Feuerrote Firmament wirst du verdunkeln, die Färbung der Blumen stehlen und die Gesichter meiner Eltern in eine verblassende Erinnerung verdammen.
Vorenthalten wirst du Mir die Augen meiner Frau, den Glanz der in ihnen innewohnt und nur noch Ihre bezaubernde Stimme wirst du Mir lassen.
Doch am meisten Schmerzt, dass Ich nie das Antlitz meines Kindes reifen sehn werde, nie erblicken darf wie es Lacht oder weint.
Wieso gehst du ? Ich wollte doch Niemals Ohne Dich sein

Dunkle Angst kroch in mein Herz, eine unbeschreibliche Furcht von jener Welt die Jenseits der Farben und Bilder liegt, und die du Mir zum Grausamen Geschenk machen wirst.
Mein Leib zittert, Ich weine und flehe dass du doch bleiben magst, mir die Farben und die Gesichter meiner Lieben lässt, mir meine Welt nicht zu Grunde richtest.
Doch erkenne Ich, wie Sinnlos meine Flehen ist, dass Du kein Erbarmen mit meiner vor Furcht gequälten Seele hast, sondern es genießt alles Langsam verblassen zu lassen.
Voller Wut, mit geballter Faust hämmere Ich gegen die Wand, zermalme blutigst meine Knochen und hoffe der Schmerz möge die Furcht töten, wenn auch nur für kurze Zeit.
Nimm Mir die Furcht und lasse Mich Niemals Ohne Dich sein.

Die Nacht ist gekommen, die Farbe gewichen und Ich weiss die Sonne steht hoch an diesem Tag und die Furcht gründet Tief in meinem Herzen.
Ich fühle mich so allein in meiner neuen, dunklen Welt und dies obwohl mein einziger halt in diesem neuen Leben, meine Frau und mein Kind nahe bei Mir sind.
Die Augen weit aufgerissen, dennoch nichts sehend, schaue Ich in die Nacht hinein und werde willkommen geheißen in einem Leben aus Klängen, Düften und Berührungen.
Ein Leben dass so schwer zu Leben sein wird, nachdem du Mir die Freude an den Farben, den Gesichtern und dem Anblick meines Kindes gezeigt hast.
Für immer gegangen bist du nun, lässt mich zurück mit deinen nutzlos gewordenen Werkzeugen in meinem Leib, und dem Wissen dass unsere Wege sich nie mehr kreuzen werden.
Niemals Ohne Dich wollte Ich leben und werde es nun dennoch müssen.

Ende

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