Peter Biastoch

Reichenbach macht Dampf 1

Es war wieder einmal Donnerstag, ein Tag an dem wir uns „auf Abruf“ befinden. Der Vater meiner Frau ist ein Pflegefall (Pflegestufe 5) und wir teilen uns mit unserer Schwägerin in diese Tätigkeiten. In meinem Tagebuch (ein „Chefkalender“ mit Stundeneinteilung) stehen bis zu diesem Moment bereits zwei „Notrufe“ bei denen mein Schwiegervater den am Bett befindlichen Notknopf drückt. Dieser sendet ein Signal an sein Telefon und bei uns kommt dieser Anruf an. Eine kurze Nachfrage, worum es geht und wir fahren los, um die Windel zu wechseln oder ähnliches.

Aber darüber wollte ich jetzt eigentlich nicht schreiben. Wir haben meinen Schwiegervater eben sein Mittagessen gebracht und dann gewartet, bis er damit fertig ist, um den leeren Teller wieder mit nach Hause zu nehmen. Jetzt ist für uns regulär eine Stunde Zeit, bis wir wieder zu ihm fahren, um den Mann von der Physiotherapie herein zu lassen und zu unterstützen. Notrufe sind natürlich auch zwischendurch möglich. Also sitze ich jetzt in meinem Sessel, neben dem PC, habe die Tastatur auf meinen Oberschenkeln und die Maus auf der rechten Armlehne. Es kann also los gehen.

Vergangenen Sonntag hatten wir am Nachmittag frei und wollten uns, in Reichenbach – ein Nachbarort von unserem Dorf – eine Ausstellung ansehen. Reichenbach ist inzwischen, ebenso wie unser Ort, nach Callenberg eingemeindet, hat aber in diesem Jahr seine eigenständige 775 Jahrfeier. Sozusagen als Auftakt dazu hatte man verschiedene Sammler und Bastler von Dampfmaschinen und ähnlichem eingeladen, ihre Fabrikate auszustellen und vorzuführen.

Im Vorfeld hatten wir eigentlich keine Vorstellung, was uns da erwarten würde. Die erste Überraschung war dann auch, dass wir nicht die einzigen Besucher waren, sondern erst einmal Probleme bekamen eine Parklücke zu finden. Dann gingen wir zur ehemaligen Schule, die sich jetzt „Kulturelle Begegnungsstätte“ nennt.

Bereits davor, rechts neben dem Eingang, stand ein Pavillon unter dessen Schutz jemand mit seiner Kettensäge Figuren schnitzte. Er hatte vier fertige Kunstwerke mitgebracht und ein Musterbuch, in dem auf Fotos seine bisherigen Arbeiten zu sehen waren. Ich kommen gegen Ende meiner Zeilen noch einmal auf ihn zurück, denn jetzt hielten wir uns auch nicht lange bei ihm auf, sondern gingen die wenigen Stufen zum Eingang hinauf.

Auf dieser unteren Etage lud uns die offene Tür zur Linken ein, einzutreten. In diesem ehemaligen Klassenzimmer hatten vier Aussteller ihre Stände aufgebaut. Gleich rechter Hand erkannten wir eine Frau wieder, die mit uns und anderen die Hobbyausstellung in Langenchursdorf bestritten hatte. Sie präsentierte wieder ihre gestalteten und selbst gebastelten Bilderrahmen, mit Innenbeleuchtung. (Meine diesbezügliche Beschreibung hat den Titel „Hobby-Ausstellung“; veröffentlicht am 20.10.2017.)

Die anschließende Wand wurde eingenommen von Kinder – Dreirädern und Tretautos aus DDR-Zeiten. Gegenüber der Eingangstür befand sich dann ein mindestens vier Meter langer Tisch voller alter, sehr alter und nahezu antiker Dampfmaschinen und dazu gehöriger Blechspielzeuge, die früher von diesen Maschinen angetrieben wurden.

Natürlich standen diese nicht einfach nur so herum, sondern wurden auch betrieben! Allerdings stellte ich schnell fest, dass kein Feuer die Antriebsenergie lieferte, sondern ein kleiner Kompressor, der unter dem Ausstellungstischen versteckt stand.

Die dritte Seite des Raumes nahm eine große Modellbahnanlage ein. Es handelte sich um die Spur O, mit drei kompletten Zügen. Auf einem Kreisoval mit Ausweichgleis vor einem Bahnhof, standen zwei davon. Die dritte wurde mit Spiritus vorgeheizt und dann auf einer Acht im Zentrum dieses Gleisovals an die Hänger gekuppelt und fahren gelassen.

Zwischen dieser Anlage und der Eingangstür war dann noch ein Stand mit einer Sammlung alter Blechdosen. Die verschiedensten Größen und Formen. Mit Firmenaufdrucken, oder einfach nur als Schmuck mit Bildern verziert. Was man doch alles sammeln kann!

Wir gingen in das Zimmer gegenüber. Dort befindet sich, als Dauerexponat das Modell unserer Ortschaften, im Zustand der 1970-er Jahre. Es war die Zeit, als man hier große Löcher in die Erde grub, um Nickelerz und andere Mineralien heraus zu holen.

Hier war nun auch noch eine HO-Modellbahn aufgebaut, deren Baubeginn ebenfalls in diese Zeit datiert. Damals nannte man solche Anlagen noch „Weihnachtsberg“. Diese Modellbahn ist mit viel Liebe zum Detailgestaltet. Linker Hand befindet sich ein Berg, auf dem eine Seilbahn fährt, im Hintergrund sieht man Schiffe auf einem Fluss fahren und auf dem kleineren Berg zur Rechten bewegen sich ebenfalls Figuren eine Straße hinauf.

Diese beiden Anlagen kannten wir schon von früheren Besuchen in diesem Haus. Doch, wie wir feststellten, gab es eine Etage höher noch viel mehr zu sehen. Doch darüber schreibe ich in der Fortsetzung.

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