Hans Raasch

April, April

 

Natürlich werden auch bei uns im Isarwinkel die Leute in den April geschickt, nur vielleicht etwas derber als anderswo. So stand neulich in unserer Zeitung, die Mutter eines 18-Jährigen hätte von ihm ein Ultraschallbild mit einem Embryo durch WhatsApp mit herzlichen Gratulationen an die zukünftige Oma zugesendet bekommen.

Die Hauptperson unserer Geschichte heißt Jakob. Er ist im besten Flegelalter und wird im Dorf nur Chinesenjackl genannt. Dies nicht aus Respektlosigkeit, sondern weil Jackl ein Adoptivkind aus Vietnam ist. Schließlich muß er doch von den vielen anderen Jackln in der Schule unterschieden werden.
Jackl wurde schon in frühem Babyalter von seinen Eltern Jakob jun. Obermeister und seiner Frau Annemarie adoptiert und bis zu seiner Taufe 137er genannt, er war nämlich die Nummer 137 auf der Adoptionsliste. Nach alter Tradition bekam er nach Großvater Jakob sen. Obermeister seinen Vornamen und die Obermeisters hatten endlich das lange gewünschte Kind.

Jackl entwickelt sich prächtig und ist nur durch sein Äusseres von seinen Gleichaltrigen zu unterscheiden. Sowohl was die übrigen Tugenden, wie Dialekt, Kleidung als auch was die Lumpereien angeht, ist Jackl seinen Mitschülern unbedingt ebenbürtig.

Die Ladenbesitzerin Graibl verkauft Schulbücher und weiteren Schulbedarf zusammen mit ihrer Hilfskraft. Die ältere Dame hat ihre weißen Haare hoch aufgesteckt, dies lässt sie doch etwas größer erscheinen, als sie tatsächlich ist. Frau Graibl ist sehr ordnungsliebend. Ihr Geschäft ist hervorragend strukturiert und auf dem Gehweg vor dem Laden duldet sie auch nicht den geringsten Papierfetzen, auch keine Zigarettenkippe. Alles muß von der Hilfskraft Katharina sofort aufgelesen werden.

Kinder haben ein ausgeprägtes Gespür, wenn sie Erwachsene wirklich vorführen wollen. Der Jackl betritt also den Laden und wendet sich an Frau Graibl.

„Frau Graibl, Frau Graibl, wer hod denn da so an großn Haufn bei Ihnen vor die Tür hingmacht? Des muaß scho a Riesnköta gwesn sei.“

Die Schnelligkeit, mit welcher die Reinlichkeitsfanatikerin aus der Ladentür herausgeschossen kommt, ist rekordverdächtig. Und da muß sie es vernehmen, diese Unverschämtheit von dem Lümmel.

„Aprui-Ox, Aprui-Ox“

Jetzt ist bei Jackl Eile angesagt. Sonst könnte es ihm passieren, dass er tatsächlich von der sonst eher gutmütigen Frau noch eine einfängt. Er haut schnell ab. Das nützt ihm aber wenig, denn die Schreibwarenbesitzerin beschwert sich tags darauf bei den Obermeisters über die Unverschämtheit des Filius.
Vater Jackl jun. nimmt seinen Sohn auch gleich am Abend ins Gebet. Obwohl selbst ein innerliches Grinsen kaum verkneifend, erklärt er ihm, wie schlecht er sich benommen habe und wie schlecht so eine Reklame für den eigenen Spenglerladen wäre.

„Jackl, am Sonntag is Palmsonntag und da kriagt d´Graiblerin an Palmbuschn von dia und zwar umsonst, hast mi?“

Wie es der Brauch ist, werden die Palmenbüsche noch vor dem Hochamt sonntags darauf von Hochwürden, dem Pfarrer Krugmayr geweiht. Jackl hat seine Sonntagstracht an. Er will seine Palmbuschen verteilen. Sein erster Weg führt zur Wohnung der Beleidigten. Ein bißchen Herzklopfen hat er schon, bevor er an der Tür klingelt.

„Griaß Gott Frau Graibl, i möchte mi ganz herzlich entschuldign füa mei Frechheit am erstn Aprui. Des wead bestimmt nimma vorkema. Und an Boimbuschn kriang´S a, der kost fei nix.“

Frau Graibl nimmt den Palmbuschen an, also hat sie dem Burschen auch die Absolution erteilt. Als sie ihm auch noch einen Zehner gibt, ist die Freude perfekt. So hat der Aprilscherz doch noch zu einem guten Ende für Jackl geführt.
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Nachdem Annemaries Sohn Jakob asiatische Wurzeln hat, kommt hin und wieder auch mal chinesisches auf den Tisch.

 

Wan Tan nach Annemaries Art

Einkaufsliste:

1 Verpackung kleine Reisplatten (geht auch mit Strudelteig)
300 g Schweinefilet (oder Mageres aus der Keule)

½ Päckchen getrocknete Baumpilze (Tai Err oder ähnliches)
100 g Weißkraut
½ Lauchstange (das weiße)
100 g Bambussprossen#
2 EL Sojasoße

2 El trockener Sherry
Sambal Oelek nach Gusto
Sojasoße zum Nachwürzen
Reisstärke zum Stäuben
Öl zum Ausbacken
Vorsicht mit Salz, weil die Sojasoße schon salzig ist.

 

Fertigstellung:

Das Fleisch in sehr dünne Streifen schneiden, mit Sherry und Sojasoße ca. 1 Stunde marinieren. Inzwischen die übrigen Zutaten ebenfalls in Streifen schneiden (Julienne). Die Trockenpilze vorher einweichen.

Das Fleisch in einem Sieb abtropfen und mit Reisstärke bestäuben, bis es trocken ist. Dann in heißem Öl ausbacken. Das Gemüse in einer Pfanne andünsten, das frittierte Fleisch dazu geben und mit Soja und Sherry würzen.

Die Reisplatten nach und nach anfeuchten und zwischen zwei ganz nasse Handtücher legen, bis sie formbar werden. Jetzt die Füllung darauf geben und zu Wan-Tangs zusammenfalten. Etwas ruhen lassen, so dass sich die Nähte verkleben. Sonst läuft die Füllung während des Backvorgangs heraus.

Die Wan Tans in heißem Öl ausbacken. Jeder kann nach dem Servieren selbst mit Sojasoße und Sambal nach Geschmack nachwürzen. Die Wan Tans können auch gedünstet in einer Hühnerbrühe angerichtet werden

 

Versucht gerne auch mal Wan Tan-Spinat (Blattspinat mit Zwiebelwürfeln und Knofi andünsten, mit Pecorino oder Fetakäse verfeinern) oder Wan-Tan wie oben, aber mit Hackfleisch.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.04.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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