Ingo R. Hesse

Oh meine Güte, wie süüüüß!

Ich schlendere durch die Flaniermeile des Stadtteils in dem ich wohne. Und plötzlich erinnere ich mich nicht mehr daran, ob ich gerade an Sex gedacht oder gelogen habe. Eins von beidem muss es wohl gewesen sein. Denn so langsam wie ich denke und so bedächtig wie ich auch mit mir selbst spreche, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch.

 

Denn, wie ich irgendwo im Internet gelesen habe, lüge ich etwa 200 mal am Tag. Die Zahl für Sex-Gedanken nenne ich erst gar nicht, denn ich halte sie für ziemlich untertrieben.

 

Aber das ist auch jetzt egal. Denn zwischen dem Hintern eines Arbeitsuchenden und dem Dreirad eines kleinen, strohblonden Reichmachers, lächelst Du mich an.

 

Sofort, prompt, suddenly befällt mich gute Laune.

 

Es sind noch etwa 70 Meter bis zu Dir. Ich genieße jeden einzelnen Schritt und versuche schon aus der Ferne, die Farbe Deiner Augen herauszufinden. Was für ein Sonnenschein Du doch bist!

 

Ganz unten auf dem Kunden-Brems-Plakat-Aufsteller, lehnst Du Deine putzigen Füßchen auf den matt-polierten Aluminiumrand. Und Du schaust keck in meine Richtung. So als könntest Du nicht erwarten, mir ein Füßchen zum Gruß hin zu strecken.

 

Mein Gott, wie süüüüß!

 

Oje, habe ich das jetzt im Gehen laut ausgesprochen? Hoffentlich hat das niemand mitbekommen. Man könnte ja sonst dies oder jenes über mich denken.

 

Noch etwa 20 Meter trennen mich von Dir. Bald werde ich die Farbe deiner Augen erkennen, Deinen pausbäckigen Baby-Teint in mich aufnehmen und schauen ob Du denn auch schon kleine Zähnchen hast. Bald! Nur noch fünf Meter. Meine Güte, ich bin richtig aufgeregt!

 

Und nun bin ich da.

 

Heute Spanferkel, Panhas und frische Bratwurst im Angebot. Von der groben Sorte. OK, bei der groben frischen Bratwurst kann ich nicht nein sagen. Ich denke noch einen Moment darüber nach, warum ausgerechnet Du von diesem Plakat die Passanten anlächelst.

 

Dann betrete ich den Laden und stelle mich hinter dem Arbeitsuchenden an. Das Dreirad hätte er meiner Meinung nach sehr gut vor dem Laden parken können. Und den lauten Bengel, der gerade seine Patschhändchen von oben bis unten, mit einem Quitschen an der Auslagen-Scheibe herunter gleiten lässt.

Wo war ich noch vor ein paar Minuten? Ach ja! Wahrscheinlich habe ich wieder mal an Sex gedacht. Oder aber ich habe gelogen.

 

Zum Beispiel mit dieser Geschichte.

 

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