Hans Pürstner

Abenteuer Diagnose

Als hätten wir nicht schon genug Krimis im deutschen Fernsehen wird vom NDR seit Jahren auch noch die kriminalistische Suche nach Krankheiten quasi als Thriller dargestellt.
Allerdings lösen diese Fälle bei mir eine etwas andere Reaktion aus, als vermutlich vom Sender erwartet.
Sollte ich wohl ehrfürchtig erschauern über die Leistungen dieser medizinischen Kapazitäten, bin ich oft eher verwundert wenn nicht gar erschrocken über die zahlreichen Fehl- oder Nichtdiagnosen, bis der Patient nach Monaten wenn nicht Jahren endlich eine Diagnose und vor allem eine Therapie seiner Beschwerden bekommt.
Da wird der berufstätige Jens. R. von seinem Hausarzt in die Klinik eingewiesen, weil er trotz der ganzen Blutproben, CT´s u.ä. noch immer keinen Schimmer hat, warum sein Patient ständig heftige, ja fast lebensbedrohliche Beschwerden hat.
Dort kommen, anders als in der Realität fürchte ich, gleich mehrere Spezialisten, um über die Diagnose zu beraten.
Da werden mit dem Marker auf riesigen Glaswänden theatralisch mögliche Krankheiten hingeschrieben und wieder durchgestrichen, bevor der Chefarzt den Patienten mit einem freundlichen Händedruck wieder nach Hause verabschiedet.
Kommt der arme Mann irgendwann zum dritten Mal mit Blaulicht und Notarztbegleitung ins Krankenhaus, berichtet die Stationsärztin (im Ernst!), dass sie „das Gefühl hatte, dieses Problem sei wohl wirklich dringend und sie müsste jetzt was tun“. Hallo?
Anschließend scharen sich wieder zahlreiche Fachleute um den Herrn Professor, seines Zeichens anerkannte Kapazität auf diesem Krankheitsgebiet und versuchen, die großen Fragezeichen in ihren Gesichtern professionell erscheinen zu lassen.
Der Chefarzt Professor Martin Unfehlbar ermuntert alle, ganz unbefangen auch unwahrschei8nliche Ursachen vorzuschlagen, einer surft im Internet, obwohl meine Ärztin sich immer wieder bitterlich beklagt über Patienten, die Dr. Google mehr vertrauen als ihr, und am Ende erzählt die kleine Ärztin im praktischen Jahr schüchtern von einer Vorlesung eines Gastdozenten aus den USA, der den Studenten einen fast identischen Fall geschildert hatte.
Sofort blicken alle auf Professor Unfehlbar und als sich dieser überrascht die Hand auf die Stirn drückt, raunen alle begeisterte Zustimmung.
Augenblicklich eilt die ganze Gruppe ans Bett des Patienten, um ihm die freudige Nachricht zu überbringen.
„Wir haben es gefunden! Sie leiden unter Morbus Dingsbums!“
Der Patient ist zu schwach, um ob dieser phänomenalen Nachricht vor Freude an die Decke zu hüpfen und zeigt nur ein gequältes Lächeln.
Ab sofort bekommt er das bisher offenbar völlig unbekannte Mittel Kortison (über Risiken und Nebenwirkungen..bla, bla…) und schon ziehen alle selbstzufrieden wieder ab.

Laut Statistischem Bundesamt betrugen 2017 die Ausgaben für unser Gesundheitssystem eine Milliarde Euro. Pro Tag! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

Und? Sind wir heute gesünder als früher???

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