Peter Kröger

Wunder

 

Mit dem Genuss von Tabakwaren war es seit zwei Jahren aus und vorbei gewesen, und selbst die Trinkerei hatte ich nur noch mäßig betrieben, mehr als vier bis fünf Kurze mit meinem Kumpel Jean kamen selten zusammen.

Über kurz oder lang hätte ich auch auf Kassler, Weißwürste oder Schabefleisch verzichtet, manchmal dachte ich ich breche mit allem, aber wegen eines privaten Schicksalsschlages fing ich wieder mit dem Rauchen und dem Saufen an wie in alten Zeiten und aß darüberhinaus sogar Unmengen Rinds- und Leberwurst (nach Jagdwurst muss ich aufstoßen), was bis zum heutigen Tage anhält und mir wie von selbst immer schlechteren Umgang beschert, sodass ich immer häufiger mit völlig verwahrlosten Existenzen zu tun habe, die mich bestehlen und manches Mal übel beschimpfen, wenn ich den teuer erworbenen Branntwein nur für Jean und mich beanspruche. Trollt euch!, schreie ich dann, und meistens wirkt es.

Seit gestern schreibe ich an einem Buch mit dem Titel Die Der Das Unbill, es ist verrückt, der Duden lässt alles gelten, ein Wunder, und alles, wirklich alles wird seinen Niederschlag finden, vor allem der Schicksalsschlag, aber ebenso die Unsitten des Rauchens, des Trinkens, des Fleischverzehrs und nicht zuletzt der schlechte Umgang und und und. Nur Jean gegenüber werde ich Milde walten lassen, er ist ein feiner Kerl, flucht nie und benimmt sich freundlich gegenüber jedem, der Gutes im Schilde führt. Die Der Das Unbill will beschreiben, es will anklagen, ausschwitzen, bilanzieren, die Dinge ordnen und Jean eine Freude bereiten, denn er bekommt das einzige, handgeschriebene und handsignierte Exemplar, das es geben wird. 'Selten' und 'wertvoll' gehen Hand in Hand und das Buch hat es verdient, wertvoll zu sein.

Alles ist in sogenannten trockenen Tüchern, wenn dem Menschen das Menschsein nicht abhanden kommt. Darum werde ich den Schicksalsschlag verdauen und anschließend am Hafen bei den großen Schiffen anheuern, ich bin noch jung und, das darf ich anfügen, voller Tatendrang. Der Schicksalsschlag bin ich selbst, das weiß ich nur zu gut, mich gilt es im immer mitgeführten Rasierspiegel zu mustern, zu necken, zu trösten. Und zu bestaunen. Jean sagt, es gibt Sachen, die gibt’s gar nicht, Der Die Das Unbill sei eine davon.

Noch eine Kippe, Ray? Der Mann weiß Bescheid. So ein Vogel, ich mag ihn. Wir stoßen an auf das Leben und kauen, schlucken und dampfen. Zum Verbleib bestimmt, wie ein Buch, denke ich, und die Wunder geschehen.

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