Heinz-Walter Hoetter

Die Begegnung der dritten Art

Draußen war es stockdunkel.

Mr. Walter Rotschild fuhr gerade mit seinem Mini Cooper auf einer einsamen Landstraße, als es plötzlich heftig zu regnen begann. Er schaltete sofort die Scheibenwischer ein, drosselte ein wenig die viel zu hohe Geschwindigkeit seines Autos und blickte angestrengt nach vorne in die beiden zitternden Scheinwerfer-Lichtkegel, die sich wie riesige Finger in die regnerische Nacht vortasteten.
Dann geschah etwas, womit Mr. Rotschild nie gerechnet hätte.
 
Zuerst dachte er, seine Sinne wollten ihm einen Streich spielen, denn vor ihm tauchte ganz unerwartet mitten auf der Straße ein großes Pelzwesen auf, das regungslos im prasselnden Regen stand und Ähnlichkeiten mit einem Orang-Utan hatte.
 
Mr. Walter Rotschild erschrak bis ins Mark, trat dennoch sofort instinktiv auf die Bremse und versuchte verzweifelt, das Steuer herum zu reißen. Aber es war schon zu spät. Mit quietschenden Reifen krachte er mit einem lauten Knall seitlich mit seinem roten Mini Cooper auf etwas, das er nicht sehen konnte, jedoch von einer ungewöhnlichen Härte sein musste, denn sein Wagen wurde wie Butter regelrecht in zwei Teile zerlegt. Dann fiel Mr. Rotschild in eine tiefe Ohnmacht.
 
Irgendwann wachte er wieder auf. Er war noch ganz benommen und versuchte sich zu orientieren. Mit leicht verschwommenem Blick schaute sich Walter Rotschild vorsichtig nach allen Seiten um. Offenbar lag er auf einer Krankenstation. Im nächsten Moment zuckte er unwillkürlich zusammen, denn das riesige Zottelwesen stand auf einmal direkt vor ihm und beobachtete interessiert seine Reaktionen.
 
"Kannst du mich verstehen?", fragte es Mr. Rotschild wie selbstverständlich, der das Pelzwesen jetzt völlig verwirrt anstarrte. Das Ding da vor ihm redete tatsächlich in seiner Sprache. Ohne es eigentlich zu wollen, antwortete Walter Rotschild mit einem heiseren Ja.
 
"Das ist gut. Das ist sogar sehr gut. Hab' keine Angst vor mir. Ich tue dir nichts. Du solltest dich aber vorläufig noch nicht zu stark bewegen. Du warst sehr schwer verletzt. Außerdem kann ich deine Gedanken lesen. Ich weiß genau, wer du bist. Deshalb möchte mich jetzt erst einmal bei dir vorstellen. Nun, mein Name ist Ormadon von Andromeda. Aus menschlicher Sicht bin ich sozusagen ein Außerirdischer. Leider musste ich mit meinem Raumschiff auf eurem Planeten vorübergehend notlanden, weil ich ganz unerwartete Schwierigkeiten bekam, als ich den Hyperraum verließ. Ich konnte plötzlich nichts mehr sehen, war total blind und torkelte halb besinnungslos umher. Das automatische Notlandesystem steuerte den nächstmöglichen Planeten an und führte mich schließlich hier in diese einsame Gegend auf der Erde. Dann legte es eine Tarnkappe über das gesamte Raumschiff. Dummerweise war es ausgerechnet auf dieser Landstraße gelandet. Nachdem meine Gesundheit wieder hergestellt war, überprüfte ich die Zusammensetzung der Atmosphäre. Sie war für mich atembar. Dann öffnete ich die Ausstiegsschleuse und erkundete ein wenig die nähere Umgebung. Ich fand den Regen überwältigend. Doch plötzlich schoss dieses kleine Fahrzeug heran, das wenige Sekunden später voll in eine der unsichtbaren Landestützen meines Raumschiffes krachte. Ich befahl sofort einige Helferandroiden herbei, die mir meldeten, dass sich eine Lebensform in dem zerstörten Vehikel befände, und das offensichtlich bei dem Aufprall schwer verletzt worden war. Es blutete sehr stark. Schnell befahl ich noch andere Helferandroiden zur Unfallstelle, die deinen leblosen Körper bargen und dich in mein Raumschiff brachten. Du hast wirklich großes Glück gehabt, denn deine Verletzung waren tödlich. Jetzt befindest du dich allerdings auf meiner Krankenstation in einem medizinischen Wundergerät, das alle Verletzung biologischer Wesen schnell und sicher heilen kann, deine und auch meine. Eigentlich wollte ich gleich nach meiner Genesung sofort wieder starten. Nun ja, wie auch immer. Ich habe es mir dann schließlich anders überlegt. Als mich meine fleißigen Helferandroiden aus der biologischen Wiederherstellungskammer raus geholt haben, bin ich einfach raus aus dem Raumschiff, um den herrlichen Regen draußen zu genießen. Ich dachte, wenn man schon mal ungewollt auf einem fremden Planeten gelandet ist, dann sollte man sich auch einen kleinen Spaziergang gönnen. Dann passierte der Unfall mit dir. Als ich begriff, was geschehen war, musste ich eingreifen. Wir sind nämlich sehr humane Wesen. Wir haben große Achtung vor allem Lebendigen. Ich konnte dich ja nicht einfach so sterben lassen und legte dich in diese Wundermaschine. Nun, in wenigen Minuten bist du wieder komplett hergestellt. Dann kannst du wieder gehen. Auch deinen Wagen habe ich originalgetreu durch den Materieformer replizieren lassen. Frag' mich aber bitte nicht, wie das funktioniert, du würdest es sowieso nicht verstehen. So, das war's dann auch schon. Ich muss dich leider gleich wieder in den Tiefschlaf versetzen und die Zeit ein wenig zurückdrehen und zwar bis zu dem Punkt, bevor du mit deinem Mini Cooper verunglückt bist. Du wirst dich außerdem an nichts mehr erinnern können. Ich wünsche dir noch alles Gute, Mr. Walter Rotschild!"
 
Das zottelige Wesen grinste jetzt ein wenig und gab einem der anwesenden Helferandroiden einen fast unmerklichen Wink. Mr. Rotschild sah gerade noch, wie die lange Nadel einer Spritze in seinen Oberarm eindrang, dann verlor er abermals das Bewusstsein.
 
***
 
Draußen war es stockdunkel. Mr. Walter Rotschild fuhr gerade mit seinem Mini Cooper auf einer einsamen Landstraße, als es plötzlich heftig zu regnen begann. Er schaltete sofort die Scheibenwischer ein, drosselte ein wenig die viel zu hohe Geschwindigkeit seines Autos und blickte angestrengt nach vorne in die beiden zitternden Scheinwerfer-Lichtkegel, die sich wie riesige Finger in die regnerische Nacht vortasteten.
Dann geschah etwas, womit Mr. Rotschild nie gerechnet hätte.
 
Im zitternden Licht der beiden Scheinwerfer entdeckte er ganz unerwartet auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein noch qualmendes Unfallfahrzeug, das in zwei Hälften zerrissen im abschüssigen Straßengraben lag. Walter Rotschild bremste sofort und hielt mit quietschenden Reifen an. Schnell stieg er aus, rannte hinüber zum Unfallwrack, um erste Hilfe zu leisten. Doch zu seiner großen Überraschung fand er nicht ein einziges Unfallopfer, weder im Auto selbst, noch in der unmittelbaren Umgebung. Erst als Mr. Rotschild durch Zufall das verbogene Nummernschild am zerfetzten Heck erblickte, wunderte er sich darüber, dass es sein eigenes polizeiliches Kennzeichen war. Im nächsten Augenblick erstarrte er vor Schreck, als er zudem noch bemerkte, dass es sich unzweifelhaft um seinen roten Mini Cooper handelte, der hier verunglückt im Straßengraben lag. Es gab keinen Zweifel. Dann wanderte Mr. Rotschilds Blick ungläubig hinauf zur Straße, wo der gleiche Mini Cooper mit laufendem Motor auf ihn wartete. Er konnte sich aus der ganzen Sache keinen Reim machen.
 
Plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, erschien über Mr. Walter Rotschild ein riesiges Raumschiff. Er konnte es wegen der Dunkelheit und des ununterbrochenen Regens nur ungenau erkennen, aber es war gigantisch. Zuerst starrte er wie gebannt nach oben, dann rannte Mr. Rotschild in wilder Panik den Straßengraben hoch zu seinem wartenden Mini Cooper, öffnete mit zitternden Händen die Wagentür, setzte sich hinters Steuer und brauste schnell davon. Im Rückspiegel konnte er noch erkennen, wie ein bläulicher Lichtstrahl die zerfetzten Trümmerteile des Unfallfahrzeuges scannte. Kurz darauf wurden alle Überreste ins schwebende Raumschiff gezogen und verschwanden darin. Danach zog das gewaltige Raumschiff steil nach oben, bis es schließlich von den dichten Regenwolken verschluckt wurde und Kurs auf die funkelnden Sterne nahm.

 
 
ENDE

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