Bodo Mario Woltiri

Liebhaberei

Früher gab es mehr Liebhaber als Rechthaber. Wann genau das „früher“ war, überlasse ich den Rechthabern. Bemerkenswert finde ich jedoch, dass sich sogar das Finanzamt für die Liebhaberei interessiert: Es fasst darunter alle Tätigkeiten zusammen, die nebenbei, gelegentlich ausgeübt werden, ohne als ernsthaftes Geschäft gelten zu können. Dabei fehlt es einem Liebhaber durchaus nicht an Ernsthaftigkeit. Nein, seiner Liebhaberei haftet vielmehr ein tiefer Ernst und Eifer an. Das gilt – glaube ich – für alle Liebhaber: vom Tier und Naturliebhaber über den Opern- und Musikliebhaber bis zum Museums- und Kunstliebhaber.

 

Und hier unterscheiden sich Liebhaber von Rechtabern. Denn wo hat man schon einmal von einem Musikrechthaber oder einem Kunstrechthaber gehört? Während Liebhaber das Objekt ihrer Liebhaberei lieben, lieben Rechthaber nur eines: Recht zu haben. Dieses Geschäft betreiben viele allerdings mit demselben Ernst und Eifer wie die Liebhaber ihre geliebte Nebenbeschäftigung. Aber das ist natürlich nicht der Grund dafür, warum es – meiner bescheidenen Meinung nach – heute viel mehr Rechthaber als Liebhaber gibt. Ich glaube, dass der Grund darin liegt, dass viele Liebhaber zu Rechthabern mutiert sind. Sie schützen vor, für ihre Liebhaberei alles Recht gepachtet zu haben: Der Tierliebhaber etwa wird zum Tierschützer und schwingt sich dann zum Anwalt der Tiere auf.

 

Dabei spielt auch die politische Gesinnung keine Rolle mehr: Es gibt liberale Rechthaber, die das Recht auf freien Handel einfordern, es gibt linke Rechthaber, die das Recht auf Arbeit postulieren, es gibt rechte Rechthaber, die das Recht auf Heimat als höchstes Gut ansehen, und es gibt grüne Rechthaber, die das Recht auf eine intakte Umwelt propagieren.

 

Diesen mutierten Rechthabern möchte ich zurufen: Liebt eure Freiheit, eure Arbeit, eure Heimat und eure Umwelt! Werdet wieder zu Liebhabern! Dabei soll es mir recht sein, wenn um der Artenvielfalt willen auch ein paar Rechtaber übrigbleiben – solange sich nur alle recht liebhaben.

 

© Bodo Mario Woltiri 2018

 

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