Andreas Rüdig

Toothing

Toothing ist eine Form von Blind Date, bei der Unbekannte an Orten mit vielen Menschen über Bluetooth-taugliche Mobiltelefone Kontakt aufnehmen und mit mehrdeutigen Nachrichten ein Treffen für schnellen Sex vereinbaren.

Was ist der beste Ort für Toothing? Straßenbahnen und Züge? Einkaufszentren? Nein: Fußballstadien. Das haben Meinungsumfragen ergeben. Insbesondere homosexuell liebende Männer können hier auf viele Gleichgesinnte treffen.

Wann ist die beste Zeit für Toothing? Der Sommer natürlich. Dann sind die Zielobjekte in Scharen unterwegs. Leicht bekleidet preisen sie ihre körperlichen sinnlichen Reize an.

"Wir Profi-Fußballer sind allerdings massiv gefährdet," berichtet Erivan, selbst als Aktiver auf dem Sportplatz unterwegs. "Ich hatte einmal mein Handy in der Hosentasche vergessen. In Spitzenzeiten hatte ich 25 Botschaften auf meinem Anrufbeantworter."

Doch auch der gewöhnliche Stadionbesucher mußt Vorsicht walten lassen, hat er ein Objekt / Subjekt der Begierde entdeckt. Wo soll man sich zum Quickie treffen? Die Bedürfnisanstalten sind schnell überfüllt (allein schon wegen dem Bierkonsum); Büsche gibt es bekanntlich nicht in den Fußballstadien.

Germania Bergisch Gladbach heißt ein Fußballverein in Bergisch Gladbach. Seine Zuschauerzahlen sind - wie im Amateurbereich so üblich - nicht überwältigend. Dort gibt es aber Toothing-Boxen mit Kondom-Automat am Eingang, Liegen, feutchte Taschentücher und vergleichbaren Basis-Luxus. "Wir haben damit eine Vorreiterfunktion im organisierten Fußball übernommen," berichtet Engelbert, der Vereinsvorsitzende. "Wir möchten verhindern, daß unsere Besucher nasser und ausgebeulter Hosen wegen vom Spiel abgelenkt sind und nur zu anderen Zwecken kommen.

Ob die Idee flächendeckend umgesetzt wird, prüft derzeit der zuständige Bergische Landesverband. "Wir müssen natürlich vorsichtig sein. Schließlich möchten wir die heterosexuellen Besucher, Familien, Sportinteressierte und andere Besuchergruppen nicht verpressen. Wir sind ja schließlich kein Puff," berichtet Pressesprecher Egbert. "Wer einen Samenstau verspürt, wird in einem Puff wohl besser aufgehoben sein."

Widerstände sind aber von der Erotik- und Liebesdienste-Industrie zu verspüren. "Da wächst eine Konkurrenz für uns heran," lautet ihre einhellige Meinung. "Wir müssen etwas tun!" Ob der klassische Straßenstrich wiederbelebt wird oder andere Maßnahmen getroffen werden, ist derzeit noch nicht entschieden.

Ein abschließendes Wort sei hier erlaubt. Toothing ist ein neuartiges Phänomen, das allmählich zur Subkultur heranreift. Heute top morgen flop? Noch ist nichts entschieden. Toothing ist auch nicht auf gleichgeschlechtliche Liebe beschränkt. Quickies sind schließlich auch für stinknormale Heteros möglich. Man sollte eben nur aufpassen, daß man sich nicht mit der eigenen Frau verabredet.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.04.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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