Jürgen Skupniewski-Fernandez

Hauptbahnhof Köln

In den Städten begegnet man mehr und mehr die Kehrseite unserer Gesellschaft. Das wurde mir an jenem Tag besonders verdeutlicht, als ich während meiner mir verbleibenden Wartezeit noch etwas durch die Bahnhofshalle schlenderte. Für gewöhnlich suche ich dann Buchläden auf. Wie immer eilten Menschenmassen an mir vorbei. An der Auskunft hatte sich eine Schlange gebildet und Polizisten drehten aufmerksam ihre Runden. Ich stand in einem der Seitengänge, nicht weit von der Gepäckaufbewahrung.

Da näherte sich ein junger und ungepflegter Mann, ca. Mitte 30; total verschmutzt wäre wohl das richtige Wort. Irgendwie peilte er mich an. Kam auf mich zu, schaute mich an, hielt mir seine verschmutzte Hand hin und sagte fragend mit lebloser Meine: Bitte?!

Im ersten Moment reagierte ich abweisend. Er lief sofort ein paar Schritte weiter und sprach noch weitere Passanten an. Keiner gab ihm etwas oder schenkte ihm Aufmerksamkeit. Seine Hose war durchlöchert und hing ihm praktisch über den halben Po und gab den Rest seines verschmutzten Hinterteils frei. Dann machte er kehrt und kam abermals an mir vorbei. Ich stand stumm wie angewurzelt da, griff in meine Jackentasche, berührte ihn an der Schulter und gab ihm etwas Geld. Das gezeichnete Gesicht quälte ein dankendes Lächeln hervor. Schnell setzte er seinen Weg fort; Richtung Zentrum Bahnhofshalle. Dabei beobachtete ich seine Umgebung, die Personen, die an ihm vorbei hasteten. Ich war innerlich dann doch sehr betroffen, als ich feststellen musste, dass kein ein einziger Mensch ihm eines Blickes würdigte obwohl er eigentlich in so einem Zustand hätte Aufmerksamkeit erregen müssen. Als wäre er Luft und existierte gar nicht, stampfte die Menge um ihn herum. Ich dachte bei mir nur: Oh Gott, was für eine Gesellschaft.

Nachdenklich und ergriffen ging ich daraufhin zielstrebig zum Bahnsteig. Meine Gedanken befassten sich noch länger mit diesem Erlebnis, dass mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

 

 

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Eine klare und leicht verständliche Sprache sowie wohlgeformte Reime ermöglichen dem Leser einen guten Zugang zu den Gedichten.
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