Hans Raasch

Ein Brief an die Kolleg/inn/en

 

Liebe Autorenkollegen!

Nun stellt Euch einmal folgendes vor: Nobelpreisfeier im Stadshuset in Stockholm. Die Damen in langem Abendkleid und die Herren im Frack. König Carl XVI Gustav hat bei der vorhergehenden Preisverleihung alle vier neuernannten Preisträger(innen) gewürdigt und seine Frau, die Königin Sylvia und die liebliche Prinzessin Victoria lächeln Dich bewundernd an. Du als Literaturpreisträger(in) bist das Verbindungsglied zwischen Medizin, Naturwissenschaft und Ökonomie. Die Kollegen sind alle gestandene Professor(inn)en mit bedeutsamen Erforschungen. Auch Du wurdest für Dein literarisches Lebenswerk ausgezeichnet. Jetzt erwarten die rund tausend Gäste und Honoratorien eine geschliffene Rede von Dir, in welcher Du Erkenntnisse und Weisheiten deines Lebens weitergibst.

Nein, meine lieben Mitstreiter – das wäre nichts für mich und ist auch nicht das Ziel meines Schreibens!

Weltweit vergießen Kriminalautoren tonnenweise Blut und produzieren Leichen ohne Ende. Mehr oder weniger erfolgreich analysieren sie die Motive, Charaktere und Hintergründe all dieser Gräueltaten. Bei meinem letzten Schwedenurlaub musste ich auf Bitte meiner Liebsten einen gewaltigen Umweg über Malmö und Ystad in Kauf nehmen. Mankells Revier war angesagt.

In meinem Beruf als Zahnarzt und Implantologe habe auch ich einiges an Blut vergossen. Manchmal musste ich Menschen leider weh tun. Aber im Großen und Ganzen habe ich versucht, Ängste abzubauen. Meine hoffentlich humorvollen kleinen Erzählungen während der Behandlung sollten für Entschärfung sorgen. Mein Bedarf nach Blut und Gewalt ist deswegen mit der Lektüre der Tageszeitung zur Genüge abgedeckt. Ich werde niemals Kriminalromane schreiben.

Während meiner Gymnasialzeit kurz vor dem Abitur hatte ich als Spezialaufgabe eine Gegenüberstellung von Lew Tolstoj und Fjodor Dostojewski auszuführen. „Krieg und Frieden“ wie „Schuld und Sühne“, Biographien und Bibliographien – auch das war nicht mein Fall. Auch eine Übersetzung vom schwedischen ins deutsche musste ich ausführen. In der Novelle „En ringdans medan mor väntar“ schildert Pelle Molin auf dreißig qualvollen Seiten einen Bärenkampf mit dem Vater in spe in der rauen schwedischen Winternacht auf dem Weg zur Hebamme. Übersetzungen erfordern sehr viel Einfühlungsvermögen, geben aber letztlich nur Ideen eines anderen Autors weiter.

Sicher kennt Ihr den Satiriker Ephraim Kishon. Kleine Anekdoten mit Pointe sind seine Spezialität. Die Texte sind kurzweilig. Ein weiteres Vorbild ist für mich der Journalist Kurt Tucholski. Außer seinem großen Werk „Schloss Gripsholm“ hat er nur kürzere Artikel, Gedichte und Lieder verfasst. Unsterblich bleibt er mit dem Zitat „Soldaten sind Mörder“. Alles kurz und überschaubar!

Ich habe auf e-Stories veröffentlicht um Gleichgesinnte kennenzulernen und das ist mir gut gelungen. Jeder der Hobbyautor(inn)en erledigt die kniffligen Aufgaben auf ihre/seine Art und Weise. Wie sie gelöst werden, gibt Aufschluss über deren Persönlichkeit und Interessen. Und während wir schreiben, wünschen wir uns, dass wir analytisch, aber auch sprachlich korrigiert werden. Auf diese Weise erinnern wir Autoren/innen uns an den Sokrates zugeordneten Ausspruchs: - „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ und verstecken uns verschämt wieder hinter unseren Schreibtischen.

Ein letztes Mal möchte ich Eure Fantasie strapazieren. Ich lese in meiner Tageszeitung, bin beim Kultur-Feuilleton angelangt. Ein gewisser Marcel R.-R. zerfetzt gerade ein Erstlingswerk einer Debütantin aus Dingsda. Das Foto ist eindeutig – es ist eine Bekannte von e-Stories. Sie hat es geschafft, R.-R. hat sie zur Kenntnis genommen.

Ich freue mich darauf, bald wieder auf eure Beiträge zu treffen und verbleibe

Euer
Hans Raasch

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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