Olaf Lüken

Sind Hunde die besseren Schauspieler ?

Hund und Mensch, eine Symbiose seit Jahrtausenden - zwischen hingebungsvoller Liebe auf beiden Seiten, manchmal aber auch voller Ekel und Abneigung auf der Ebene der Zweibeiner. Hunde hüten Schafe und machen gelegentlich Rindern Beine. Hunde bewachen Haus, Hof und Grund. Der treue Vierbeiner als Retter und Lebensbegleiter des  Menschen und Vertreiber menschlicher Einsamkeit. Der Hund als hilfreicher Gefährte unserer Spezies. Lassen wir sie auch in Zukunft spielen, suchen, jagen und vielleicht auch denken. Ich ver- stecke Leckerlis in Zeitungspapier und lasse  Freund Janik suchen und auspacken Was die wenigsten wissen: Hund und Mensch erziehen ich gegenseitig, in dem sie sich aufeinander  einspielen, ähnlich wie Eltern und Kinder. Das Ergebnis zieht seine eigenen Bahmen.

 

Meckernde und ungehaltene Hunde hier, kläffende, zähnefletschende Leinenhalter - dort. Überhaupt, wer hat dem Vierbeiner "Chico" das Knurren, Bellen und Beißen beigebracht ?  Der Hund biss zwei  Menschen tot und wurde vor kurzem "euthanisiert", wie die Gerichtssprache die Medien mitteilen ließ. Es hagelte Proteste. 290.000 an der Zahl. Wohlgemerkt für den Hund, nicht für die Umgekommenen (DIE ZEIT, 18. April  2018,S.59).

 

Mein Hund ist ein braun-weiß gefleckter Münsterländer. Er heißt Janik. Sein Einfluss auf seinen Besitzer ist nicht zu unterschätzen. Hunde sind unter den Haustieren die besten Menschenkenner. Als solche haben sie auch das Interesse der Wissenschaft geweckt. Endlich. Biologen wollen herausgefunden haben, dass Hunde in der Lage sind, Menschen genau einzuschätzen (DER SPIEGEL 40/2017). Ist Janik mit mir im selben Raum, schnappt er eher nach einem Leckerchen, wenn ich abgelenkt bin und Janik für einen Augenblick aus dem Blickfeld lasse. Er sieht mich, wenn ich ihn gerade nicht  sehe. Wenn ich sage: "Janik, bring!" dann schleppt er mir einen Gegenstand heran, den ich im Blickfeld habe. Janik ist in der Lage meinen Blicken zu folgen. Und nicht nur das: Britische Forscher untersuchen, ob Hunde derartige Fähigkeiten auch absichtlich zum eigenen Vorteil einsetzen. Die Wissenschaftler studierten die Mimik der Vierbeiner und teilten elf unterschiedliche Gesichtsausdrücke und fünf verschiedene Ohrenstellungen fest. Ein markanter Gesichtsausdruck wäre es, wenn Janik sein "Welpengesicht" zeigt. Dabei zieht der den inneren Teil der Augenbrauen nach oben. Seine Augen wirken größer und erinnern an den Blick von Welpen. Extrem niedlich und zugleich auch ein wenig traurig. Auf mich wirkt er gerade dann unwiderstehlich.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen in englischen Tierheimen ergaben: Je öfter Hunde das "Welpengesicht" aufsetzten, umso schneller fanden sie neue Besitzer. Von wegen Männchen machen oder mit dem Schwanz wedeln. Vieles scheint auch dafür zu sprechen,dass Hunde im Laufe der Evolution ihren traurig-friedlichen Blick gezielt einsetzen, um die Herzen menschlicher Beobachter zu erreichen. Sicher ist es nicht. Noch nicht. Möglicherweise schließt Homo sapiens etwas voreilig von sich auf den Hund, entsprechend seinem eigenen Hang zur Schauspielerei. Vielleicht muss man die Geschichte auch von einer ganz anderen Seite her betrachten: Janiks "Welpengesicht" drückt etwas anderes aus: Mitleid mit mir, dem zweibeinigen Häuflein Elend, das die ganze Zeit vor dem Köter Männchen macht, blöd glotzt und nicht mal richtig bellen kann. Bestenfalls krächze ich. Ein solches Wesen darf auf keinen Fall unbeaufsichtigt und ohne Leine herumlaufen. Denkt sich Janik. Kümmert er sich aber nicht um mich, dann ist ohnehin alles für die Katz'.


(C) Olaf Lüken (2018)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.05.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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