Heinz-Walter Hoetter

Der Torwächter

Es war einmal ein reicher Kaufmann, der in eine große Stadt wollte. Draußen vor dem Stadttor ließ er seine Kutsche anhalten, um den Torwächter zu fragen, wie denn die Menschen hier in der Stadt so seien.

 

"Wie waren denn die Menschen in jener Stadt, wo der Herr zuletzt gewesen war?" fragte der Wächter.

 

"Oh, die waren sehr gastfreundlich zu mir gewesen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und gab immer reichlich Trinkgeld. Überall wohin ich kam, waren die Menschen aufgeschlossen, hilfsbereit und nett. Ich bin nur ungern wieder fortgegangen", antwortete der Kaufmann.

 

"In meiner Stadt sind die Menschen nicht anders. Der Herr wird sich auch hier bei uns sicherlich genauso wohl fühlen und nicht gerne wieder gehen wollen", erwiderte der Torwächter mit freundlicher Stimme.

 

Der reiche Kaufmann war erleichtert und wies den Kutscher an, in die Stadt zu fahren.

 

Dann kam wieder ein Fremder, der den Torwächter abermals fragte: "Wie sind die Menschen hier in deiner Stadt, die ich besuchen möchte?"

 

"Wie waren sie denn in jener Stadt, wo Ihr zuletzt gewesen seid, Fremder?", lautete die Gegenfrage des Wächters.

 

"Die Menschen waren dort sehr unfreundlich zu mir gewesen. Ich habe mich überall beschweren müssen, weil ich mit den Zuständen unzufrieden war. Die Wirtshäuser waren unsauber und viel zu laut. Die Kellner sahen stets mürrisch aus, wenn sie mich bedient haben. Das Essen entsprach auch nicht meinen Vorstellungen. So habe ich überall die Leute zurechtweisen müssen, damit sie es das nächste Mal besser machen, wenn Gäste zu ihnen kommen", sagte der unsympathische Fremde.

 

"Oh, ich fürchte, werter Herr, dass die Menschen hier nicht besser sein werden", antwortete der Torwächter unwirsch und ging.

 

ENDE

(c)Heinz-Walter Hoetter
 

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