Aylin

Kick und Klick (Kommentar)

Kick und klick

 

Tausende von Fotos werden von unseren Nationalspielern gemacht, von Idolen der Jugend, die die Fotografen festhalten wollen. Von Vorbildern, die die Fans sehen wollen, besonders um und in einer Weltmeisterschaft, wo jeder als Teil des Teams für SEIN Land spielt.

Dieses Foto jedoch, wo Mesut Özil und Ilkay Gündogan in trauter Kuschelatmosphäre mit dem türkischen Präsidenten Erdogan posieren, der nicht gerade für Demokratie und Liberalität steht, das war wohl eines zuviel. Dieses kurz vor dem türkischen Wahlkampf - ein Narr, wer Böses dabei denkt! Doch die Welt ist voller Narren…

Darum sind DFB und Fans alarmiert, so kurz vor der Fussball-WM, die Politiker sind brüskiert ( Sport soll nicht politisch sein). Die Bewertungen schlagen hoch von „ Die beiden müssen sich davon distanzieren“ bis hin zu: “Sie sollen aus dem WM-Kader genommen werden“. Von türkischer Seite, diesmal dem türkischen Verband, die übliche harte Kante, von „verleumderischen Kommentaren seitens des DFB Bosses Grindel“ ist die Rede. Höchste Zeit also, ein Zeichen zu setzen?

 

Bilder haben Macht und Wirkung, nicht umsonst zahlt die Werbebranche hohe Summen, um ins richtige Bild bei renommierten Veranstaltungen zu kommen. Kick und klick, millionendick.

Um Geld jedoch ging es hier wohl nicht. Worum aber dann? Schnell sind die beiden Sportler dabei, die „schiefe Verbeugung“ gerade zu biegen. Ein Akt der Höflichkeit sei es gewesen gegenüber Präsident Erdogan, absout unpolitisch. Höflichkeit dem Mann gegenüber also, der noch vor kurzem die Deutschen als ein Volk von Nazis beschimpfte? Meinte er damit dann auch Özil, der einen deutschen Pass hat?

Hat sich Herr Ozil diese Frage mal gestellt oder fühlt er sich gar nicht gemeint, da er sich nicht als Deutscher empfindet? Kickt und klickt, wer weiß schon, wie der tickt.

Scheinheilige Argumentationen bezüglich Herrn Gündogan, der ja eine doppelte Staatsbürgerschaft hat: „Für meinen Präsidenten“- Ja, es ist ja auch sein Präsident – wirbeln die Diskussion über die doppelte Staatsbürgerschaft wieder hoch. Kann man auf beiden Hochzeiten tanzen, wenn die politischen Systeme so verschieden sind?

Emre Can, ein weiterer für den Nationalkader nominierter, aber wegen Verletzung nicht antretender türkisch-stämmiger Spieler, hatte die Einladung Erdogans zu dieser offensichtlichen Presseveranstaltung abgelehnt. Es geht also - darüber sollten alle DFB-Verantwortlichen nachdenken.

 

Bierhoff und andere Funktionäre, die den WM-Kader in seiner multi-kulturellen Ausrichtung gerne als einen Beweis für gelungene Integration darstellen, wurden somit hinsichtlich Özils und Gündogans wohl eines Besseren belehrt.

Erwachsene Männer stellen sich zu einem Bild auf und sind sich der Wirkung nicht bewusst, sind „missbraucht worden“, wie verteidigende Gutmenschen mit feuchten Augen argumentieren? Ja, klar!

Ok, es mag Menschen geben, die sich in Trier neben das Marx-Denkmal stellen und sich fotografieren lassen, ohne ein Marxist zu sein und in China neben eine Winkekatze, ohne eine Katze zu sein. Aber würde sich ein Atheist neben den Papst stellen und ihm sein Hemd schenken? Klick und schick,’ ne Spur zu dick.

 

Diese Aktion, gepaart mit dem Verweigern des Nationalhmymesingens hat schon ein fettes Geschmäckle und wirft nicht nur die Frage auf, was von Sportlern in Nationalkadern zu erwarten ist, sondern auch, ob man die deutsche Staatsbürgerschaft so leichtfertig vergeben sollte, wie Deutschland es tut ( zumal man sie ja nicht so einfach wieder entziehen kann). Winkekatze - wer will sich schon vor der WM mit so was belasten?

Wo die Fans doch gerade dabei sind, die alten EM-Fahnen fürs Auto im Keller zu suchen. Und die dreissigtausend Deutschtürken in Köln ihre Wahlkampffahnen für Erdogan, um sie pathetisch wieder am Rheinufer in Köln zu schwenken. Doppelpass, Ecke, Tor.

 

Es wäre ein Zeichen gewesen, ein vielleicht notwendiges Zeichen, das man hätte setzen können, müssen, die beiden Sportler aus dem Kader zu nehmen.

Dies FÜR alle die, die sich glaubhaft integriert haben und es täglich tun und GEGEN alle die, die die KickundKlick-Chose nun rechts ausbeuten wollen.

Hört, Ihr Fotophoben:

Wir brauchen keine Zeichen.

Der Bundestrainer hat entschieden und er hat anders entschieden – er nimmt Özil und Gündogan dennoch in den Kader. Dummer Jungenstreich, Leute, mehr nicht. Kick und klick und wenn Merkel dann wieder vor dem nackten, schmalbrüstigen Oberkörper Özils in der Kabine steht und zum Siegertor gratuliert, na, dann ist doch alles vergessen, oder nicht? Doppelpass, Ecke, TOOR!- oder doch letztendlich Eigentor?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.05.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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