Angie Pfeiffer

Es lebe das Homeshopping

letzte Bestellungen, noch zu bewerten:

Glimmerbarbie (Höhe 1 Meter, leuchtet im Dunkeln)

Hausbar Clearlight (incl. 2 Hockern)

Rosa Schuhe Größe 40 (sind zu groß, egal, passen zum neuen Outfit)

Grüne Schuhe Größe 37 (sind zu klein, egal, siehe oben)

Lebensgroße Pappfigur (Sven Rentier)

Ratgeber (P.Zwegat: Raus aus den Schulden)

DVD (Yoga Fit Abs)

Fitnessgerät (Hammer Kraftstation)
 

Für all das braucht es nur einen einzigen Mouse Klick. Mittlerweile ist meine Wohnung so voll, dass ich keinen Platz mehr habe, um mich vernünftig hinzulegen. Ich brauche eine externe Schlafgelegenheit und tippe ‚Außenbett’ ins Suchfeld ein. Sofort werden vierundvierzig Treffer angezeigt. Ich klicke auf den ersten und lese:

Schlafen im Freien: Dieses geräumige Bett ( 2 x 2 Meter, rosa Extrakissen) kann problemlos von außen an der Fensterbank befestigt werden. Mit seinem wetterfesten Himmel (gegen Aufpreis) trotzt es allen Widrigkeiten. Allerdings kann es sich bei Sturm (Windstärke 9) lösen. Sofort bestellen, wird noch heute verschickt – keine Portogebühren

5 von 5 Sternen

Ich bestelle das Bett mit dem wetterfesten Himmel. Schließlich soll es warm, trocken und gemütlich sein.
Am nächsten Morgen klingelt es an der Tür. Ich schaue aus dem Fenster und sehe den Briefträger, der ein ziemlich großes Paket vor sich abgestellt hat. Er sieht irgendwie sauer aus.
„Fünfter Stock, Aufzug defekt“, rufe ich aus dem Fenster und eile erwartungsvoll zur Wohnungstür.
Unter schnauben und stöhnen kämpft sich der Briefträger die Treppen herauf. Ich filme ihn dabei, poste anschließend den Minifilm bei Facebook, kriege aber keine ‚Likes’, jedenfalls im Moment nicht.
Oben angekommen hält sich der Schwächling am Türrahmen fest, beugt sich vornüber und keucht.
„Stellen sie sich nicht so an, Mann“, sage ich aufmunternd. „Seien sie froh, dass ich ihnen den Arbeitsplatz erhalte und Bewegung ist bekanntlich gesund.“
Der Mann läuft rot an, er hat wohl immer noch Probleme mit der Luft. So klopfe ich ihm auf den Rücken.
„Übrigens, sie können die Fitnessstation wieder mitnehmen. Sie gefällt mir nicht. Ist alles ordnungsgemäß verpackt und frankiert. Ich will sie ja nicht überfordern.“ Ja, wir Prime – Kunden wissen wie es geht. Er hält mir einen Unterschriftenapparat unter die Nase. „Hier unterschreiben“, knurrt er. Anschließend schultert er mühsam das Fitnessgerät und wankt die Treppe hinunter. Der Mensch ist sichtlich nicht gut in Form.
„Umbringen...“, höre ich ihn murmeln.

Später hänge ich das Bett an die Fensterbank, aber es ist irgendwie nicht meins. Zudem hat es neongrüne Extrakissen und keine in rosa. Na gut, das war sowieso eine blöde Idee. Ich logge mich also ein, wähle die Option: ‚Rücksendung von der Post abholen lassen’. Weil ich gerade auf der passende Seite bin, bestelle ich einen Jogginganzug (blau), passende Joggingschuhe und eine Laufband (pro Sport).
Am nächsten Morgen klingelt es zur gewohnten Zeit. Ich schaue wieder aus dem Fenster und sehe meinen Freund, den Postboten.
„Aufzug immer noch kaputt“, rufe ich ihm fröhlich zu und betätige den Türöffner kurz- kurz – lang. Bei lang kann er die Tür öffnen. Ohne Paket ist er schnell oben.

„Sehen sie, geht doch“, sage ich. „Hier ist das Paket von gestern. Wo haben sie überhaupt mein neues Laufband? Ich hab’s gestern bestellt, sie müssten es heute liefern.“
„Weiß nicht, hier, Quittung“, nuschelt der Briefträger. Er sieht mich dabei aus blutunterlaufenen Augen an. Anschließend stemmt er das Außenbett hoch und macht sich an den Abstieg.
Am nächsten Tag steht er wieder bepackt vor meiner Wohnungstür. Begeistert öffne ich ihm. „Das Paket ist mir zu schwer, können sie es bitte in die Wohnung bringen?“, frage ich freundlich. Schließlich bestelle ich ihm jedes Jahr zu Weihnachten eine Tafel Schokolade mit, da kann er mir den Gefallen tun.
Er sieht das wohl auch so, denn er wuchtet das Paket hoch und trägt es in den Korridor. „Wohin“, keucht er.
Ich schaue mir die Sache genauer an, reiße die Rechnung vom Paket ab, studiere sie ausgiebig. Es befindet sich offensichtlich nur das Laufband in dem Paket.
„Einen Moment mal. Wo ist mein blauer Jogginganzug. Also nein!“ Es ist eine Unverschämtheit den Anzug und die Schuhe nicht gleich mitzuliefern. Streng mustere ich meinen gelben Freund. „Das können sie gleich wieder mitnehmen, es ist nicht komplett.“
Er bleibt einen Augenblick ruhig stehen, dann hebt er mit erstaunlicher Kraft das Paket. „Meine Mutter pflegte immer zu sagen: In die Hölle kommen wir noch früh genug, aber sie hat sich geirrt. Die Hölle ist hier und heute. Die Hölle, das seid ihr Homshopper.“

Das sind die letzten Worte, die ich höre, bevor mir das ziemlich schwere Paket auf den Kopf donnert.

© by Angie

Diese und weitere vergnügliche Geschichten findet Ihr in meinem Buch 'Lustig bis heiter'.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.05.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

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Westwinde (Gedichte) von Stefanie Haertel



Wir folgen den Düften des Westwindes und seinen Spuren. Tipp, tapp läßt eine Autorin ihre Katze über die Seiten schlendern. In diesem Gedichtband finden Sie viele Gedichte über die Liebe und ihr wandelbares Wesen. Den geheimen Botschaften von Graffitimalereien wird auf den Grund gegangen. Herbstliche Stimmungen im Oktober sind aufgezeichnet. Auch Europas geschichtlichen Wurzeln geht jemand auf den Grund. Gefragt wird wie wir von unseren gesellschaftlichen Verhältnissen umstellt sind und uns selbst zu ihnen stellen. Folgen Sie uns auch nach Las Vegas!

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