F.M.D. Dzaack

Die Maske

Feine rote und schwarze Linien liefen parallel zueinander auf der weißlichen Haut von den Augen die Wangen hinunter, wo sie sich unterhalb der Nase zu einem vollen, einem sinnlichen Mund vereinten. Sie kennzeichneten den Weg in den mysteriösen, gefährlich süßen Garten, wo die schönste, die reinste Blume blühte. Und die Biene, die flog ein weiteres Mal zur ihr.

Stickig, so stickig und eng war es unter ihrer Maske. Beizeiten kam es ihr vor wie in einem dunklen Kerker, dessen Feuchtigkeit an den Wänden in ihr ein tiefes Unbehagen hervorrief. Eine Kerze, die sie in ihrer unmittelbaren Nähe ertastet und mit einem ebenso gefundenen Streichholz angezündet hatte, schenkte ihr eine kleine Lichtquelle, mit deren Hilfe sie sich mit dem unbekannten Ort vertraut machen konnte. Es war ein befremdliches Terrain, welches sie erkundete. Viele Dinge die sie dort erblickte, hatte sie noch nie zuvor gesehen. Und die Biene, die flog ein weiteres Mal zu ihr.

Als sie gerade einen der merkwürdigen Gegenstände in der Hand hielt und genauer betrachtete, vernahm sie das Geräusch von Schritten. Eine andere Lichtquelle wurde allmählich erkennbar. Sie kam näher. Für einen kurzen Moment blendete die Lichtquelle, die sich nun direkt vor ihr befinden musste, ihre Augen. Sie nahm die Hände vors Gesicht bis es nicht mehr blendete. In einem schwarzen, mittelalterlichen Kostüm und mit einem Schwert bewaffnet trat ein Mann von stattlicher Figur hervor und sprach zu ihr:»Wie geht es Ihnen, mein Fräulein? Haben Sie sich von den Strapazen erholt?« Mit Hilfe des Lichts sah sie nun, dass eine Gittertür den Raum verschloss. Sie war eingesperrt. Ihre Erregtheit übertrug sich auf ihre Stimme als sie dem Mann antwortete:»Wie soll es um mein Wohlbefinden stehen, wenn ich, unschuldiges Fräulein, zu unrecht in diesem dunklen Raum gefangen gehalten werde.«-»Aber liebes Fräulein, Sie werden doch nicht zu unrecht hier gefangen gehalten, ja Sie haben sich freiwillig einsperren lassen. Haben Sie es etwa vergessen?« ,fragte der Mann sichtlich vergnügt über die Unwissenheit des Fräuleins. Sie ließ einen Moment vergehen, als sie dem Wächter schließlich antwortete:»Ich werde mich nicht weiter mit Ihnen unterhalten, wenn Sie mir nicht augenblicklich ihren Namen sagen!«-»Meinen Namen werde ich Ihnen nicht verraten. Es reicht, wenn Sie wissen, dass ich der Wächter bin. Und als Wächter habe ich ausschließlich die Aufgabe mich um ihr Wohlbefinden zu kümmern, bevor der Herr Sie besuchen wird.«-» Welcher Herr? Und wieso wird er mich besuchen?« Der Wächter wandte sich von ihr ab, war schon fast außer Sichtweite, als er stehen blieb und sagte:»Haben Sie noch ein wenig Geduld, liebes Fräulein. Der Herr wird Ihnen bald alle offen gebliebenen Fragen beantworten. Er ist ein sehr kluger und interessanter Mann, liebes Fräulein. Ich bin mir sicher, dass Sie sich gut mit ihm verstehen werden. Nun muss ich aber gehen. Wenn Sie etwas brauchen sollten, klingeln sie mit der Glocke.« Währenddessen zeigte der Wächter auf die kleine Metallglocke, die sich links nahe der Gittertür befand. Er ging schließlich fort. Und die Biene, die flog ein weiteres Mal zu ihr.

Sie hob die Glocke vom Boden auf und klingelte – warum wusste sie auch nicht genau – , sodass sie kurze Zeit später erneut Schritte hörte. Diesmal waren sie jedoch leiser und eleganter als die des Wächters. Konnte das also der Herr sein, von dem der Wächter erzählt hatte? Und wenn er es sein sollte, was wollte er dann von ihr? Der Wächter hatte davon erzählt, dass der Herr ihr einen Besuch abstatten wollte, aber was bedeutete das? Die Schritte wurden plötzlich schneller und lauter. Sie kamen einem wütenden Trampeln gleich. Sie wich erschrocken von der Gittertür zurück und bewegte sich rasch in eine Ecke. In der Hast erlosch die Kerze, sodass sie fortan in dem stockfinsteren Kerker ohne jegliches Licht saß. Sie schrie vor Angst, konnte jedoch einen weiteren Schrei durch ihre auf dem Mund gelegte Hand verhindern. Die trampelnden Schritte kamen schließlich zu einem Halt. Von ihrer Position aus konnte sie die Person nur grob lokalisieren. Immerhin war diese noch nicht an der Gittertür angekommen. Allerdings beruhigte sie diese Tatsache nicht im Geringsten, sie verschlimmerte sogar ihre Gefühlslage, denn sie wusste nicht, mit wem oder was sie es zu tun hatte und was als nächstes geschehen würde. Nervenaufreibend war dieses Abwarten, diese Stille. Was könnte ...? Was wird …? Bin ich in … ? Zu ihrer eigenen Überraschung ergriff sie die Initiative und brach die Stille:»Wer ist da?« Zuerst passierte nichts, dann flüsterte jemand. »Ich verstehe Sie nicht, könnten Sie bitte ein wenig lauter sprechen.« Es wurde weiterhin geflüstert. Vielleicht könnte ich etwas verstehen, wenn ich an der Gittertür … und was ist wenn die Person eine Waffe bei sich trägt? Zu gefährlich! Sie ging jedoch ein paar Schritte nach vorne, um die Chance zu vergrößern, doch etwas zu verstehen, falls der Herr weiterhin flüstern würde. Allerdings war sie noch zu weit von dem Flüsternden entfernt, sodass sie nur raten konnte, was der Herr, ja, wenn es überhaupt der Herr war, erzählte. Da es äußerst schwer war generell das Flüstern oder genauer gesagt das Geräusch des Flüsterns wahrzunehmen, überraschten sie die Schritte, die sich rasch von ihr fortbewegten. Und weg war der Herr, das Flüstern. Und die Biene, die flog ein weiteres Mal zu ihr.

Sie fürchtete sich in der Dunkelheit, in der Einsamkeit. Auf Grund dessen erschien es ihr, da es nach ihrem Empfinden nach schon spät sein musste, die beste Alternative zu sein sich hinzulegen und zu schlafen. Nach zwanzig Minuten schlief sie endlich ein, jedoch wurde sie umgehend von einer ihr bekannten Stimme geweckt. Es war nicht der Wächter, sondern ein Mann – möglicherweise der Herr – ohne Gesicht, der sich zur ihr hinunter gekniet hatte und sie nun an den Beinen streichelte. Sie schrak kurz auf, doch da hatte er sie schon fest mit seinen kräftigen Armen umschlossen, wodurch sie eine leichte Beute war, an der er sich in aller Ruhe vergreifen konnte. Und die Biene, die flog ein weiteres Mal zu ihr.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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