Tobias Schoeneis

Bis dass der Tod uns scheidet

Dort saß sie nun. Umgeben von einer riesigen Graslandschaft und haufenweise Blumen. Sie, 85 Jahre sitzt auf der Bank und genießt die Sonne.
Der Wind weht durch ihr graues, dickes Haar und weht beinahe ihren Sonnenhut vom Kopf. Sie griff zur Porzellantasse und nahm einen Schluck Kaffee. Sie war glücklich und hörte dem Wind zu.

Plötzlich wehte der Wind ihren Hut vom Kopf. Aber sie schien nicht daran interessiert zu sein. Sie saß einfach dort und lauschte friedlich der Natur.

"Na warte wenn ich dich erwische..."

Hörte sie ihren Mann von hinten rufen. Diese Stimme zaubert ihr jedes Mal ein breites Lächeln ins Gesicht.

"Du solltest ihn vielleicht zuschnüren Liebes."
"Ach meinst du ich sollte das tun, ja?"

Sagte sie und fing an zu lachen. Sie setzte ihre Tasse ab und machte ein wenig Platz für ihren Ehemann.

Er, 87,  war etwas schmächtig und klein und setzte sich zu der Liebe seines Lebens.

"Ach mein Engel , was würde ich nur ohne dich tun." 
Sagte sie mit ihrer klaren, weichen Stimme und streichelte ihm mit ihrer zärtlichen Hand über die Wange.

"Na du würdest hier täglich ohne Hut sitzen." Entgegnete er ihr mit einer kräftigen, lachhaften Stimme.

"Möchtest du eine Tasse Kaffee?" Fragte sie mit einem breiten Grinsen.

Er schaute sie nur an und antwortete nicht.

Sie schaut ihn verwirrt an und ehe sie ihre Frage wiederholen konnte, entgegnete er ihr:
"Du bist so wunderschön, schöner als jemals zu vor mein Engel. Ich liebe dich."

Eine Träne sammelte sich in ihrem Auge. Sie wischte sich die Träne mit ihren Händen weg und lächelte ihm zu.

"Ach mein dicker Spinner. Ich liebe dich doch auch. Für immer."

Sie verbrachten beide noch den ganzen Nachmittag dort draußen, auf der Bank, im Garten.

"Oh, jetzt wird es langsam aber frisch." Sagt sie und hält sich die Jacke zu.
"Das ändern wir sofort." Erwidert er lachend.

Er steht von der Bank auf, richtet sich auf und ging in Richtung Haus.

Charlotte lächelte und fasste sich an ihre Kette. Nun schaute sie in die untergehende Sonne und kurz darauf schloss sie ihre Augen.

Sie hörte den Vögeln beim Zwitschern zu und wiegte sich im Wind. Sie erinnerte sich an das erste Mal, als sie in diesem Garten saß, als der große Kastanienbaum gerade erst gepflanzt wurde, als die Blumenbeete gerade erst gebaut wurden.

Sie blickte zurück, als ihre Tochter das erste Mal auf der Baumschaukel, der am Kastanienbaum befestigt ist saß und auch, als ihre Enkelkinder das erste Mal auf der Schaukel saßen.

"Merkst du wie schnell die Zeit vergeht?" Hörte Sie ihren Ehemann von hinten sagen.

Sie öffnete ihre himmelsblauen Augen und lächelte weiter.

"Hier ich habe dir deine Wolldecke mitgebracht." Sprach er, als er sie in die Decke einwickelt.

"Danke mein Lieber. Weißt du ich weiß nicht, ob ich eher glücklich oder deprimiert sein soll, wenn ich in die Vergangenheit blicke." Überlegte Charlotte laut während er sich hinsetzte.

"Was meinst du denn?" Fragte er besorgt und legte seinen Arm um seine Frau.
"Na guck mal wie alt wir sind. Unsere Zeit läuft doch früher oder später ab."

Er schaute seine Frau an und lächelte herzerfüllt.

"Sieh mal... wir haben wunderbare Kinder zusammen, wir haben wundervolle Enkel und Urenkelkinder. Sieh dir unser Haus an, was wir uns aufgebaut haben. Denk an alles zurück und du wirst merken, dass du ein wunderschönes, erfülltes Leben lebst. Und außerdem hast du mich." Fügte er noch schnell lachend hinzu.

"Du kleiner Spinner." Lachte sie laut heraus und gab ihrem Mann einen Kuss.

"Nun jetzt wird es auch mir kalt. Sollen wir rein gehen?" Fragte er wärend er sich an der linken Schulter rieb.

"Ach Quatsch." Flüsterte sie und zog ihn zu sich unter die Decke und gab ihm einen Kuss.

Am dunklem Nachthimmel bildeten sich schon langsam Regenwolken und die Sterne verschwanden hinter ihnen.

Charlotte hob ihre Hand in die Luft und fing ein Regentropfen. Sie schaute in den Himmel und zwinkerte.

"So, komm mein Dicker. Lass uns rein gehen." Sagte sie, während sie ihrem Mann auf den Bauch fasste und sich von der Bank erhob.

"Du bist auch nicht gerade die dünnste." Fing er vor Lachen an zu erwidern. 
"Na warte, wenn ich dich erwische!" Rief sie, als sie dabei war ihrem Ehemann hinterher zu rennen.

Die beiden lachten lauthals und tollten wie Hunde durch den Garten.

Es regnete wie aus Kübel und die schweren Wolken ließen ihre Last auf die Erde herab.

Aber diese zwei Herrschaften hier liefen, für ihr Alter flott durch den Regen.

Es schien als wären sie abgeschnürt von der ganzen Welt.

Plötzlich von einem Moment auf den anderen, blieb Charlotte stehen und rang nach Luft. Sie atmete immer schwerer und fasste sich vor Schmerzen an ihre Brust.

Er drehte sich ruckartig um als er sie aufschreien hörte. Sein lächeln verwandelte sich augenblicklich in Angst. Pure Angst. Er lief nun so schnell wie er konnte zu seiner geliebten Frau und nahm sie in den Arm. Gemeinsam setzten sie sich auf die nasse Wiese, während es um sie herum immernoch regnete.

"Mensch Charlotte, was ist denn los..... Bitte... sag doch etwas."

Sie holte immer tiefer Luft und ihre Augen kreisten, als würde sich alles um sie herum drehen.

Sie fasste sich erneut an die Brust und schrie kurz auf.

"Ich...Ich rufe einen Krankenwagen.... alles wird gut hörst du? Ich liebe dich!"

Während er in seiner Hosentasche nach dem Handy griff und anschließend einen Krankenwagen rief, schien die Welt für Charlotte immer dunkler zu werden. Es schien als würde sie ersticken während jemand ihr ins Herz stach.

Sie schrie vor lauter Schmerzen auf und krümmte sich auf der nassen Wiese, während sie von ihrem Mann festgehalten wird.

"....alles wird gut..."

Waren die letzten Worte die sie schwach wahrnahm, bis die Dunkelheit sie mit in ihre kalte Umarmung nahm.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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