Ophelia

Die Sache

Ich hoffe, wir werden nie erwachsen –

das sagtest du mir, als du eine Packung Doppelkekse für die Klassenfahrt aus deinem Rucksack holtest. Du hast im Bus im Gang gegenüber von mir gesessen und kindlich aufgeregt aus dem Fenster geschaut, deine abgeklärte, stets distanzierte Art für einen kurzen Moment vergessen. Ich habe dich heimlich beobachtet, die dunklen Haare hingen dir in Strähnen in die Stirn, dein, wie du es nanntest, „Out-of-bed-look“. Kariertes Hemd, Jeans, helle Chucks, eigentlich wolltest du immer rebellieren, aber wer so behütet großgeworden ist wie du, der rebelliert nur nach außen und auch nur halbherzig. Lass nur niemanden zu nah an dich heran. Warum du mich geküsst hast, weißt du selbst nicht. Vielleicht aus einer sentimentalen Laune heraus, vielleicht weil du mal rebellieren wolltest, vielleicht auch nur weil du ein Bier zu viel hattest. Was wohl deine Freundin dazu sagen würde. Ich denke oft an dich, versuche immer wieder unauffällig in deiner Nähe zu sein, doch du weist mich ab, ignorierst mich. An manchen Tagen frage ich mich, was ich falsch gemacht habe, dann wiederum ist es mir egal, dann liege ich nachts wach und starre die Wand an. Wie Meerwasser, das einen Stein aushöhlt. Wie oft haben wir zusammen gehasst und gelacht, Pläne geschmiedet und über unserem Kaffee die Wochen heruntergezählt. Aber du sagst, dein Alter mache dich nun weise und du magst mich wirklich sehr, aber in den letzten Tagen hättest du die Sache einordnen können. Du könntest und wolltest nicht sagen, dass es dir nichts bedeutet hätte, aber es könne auch nicht mehr daraus werden und du hättest mich unheimlich gern, aber nicht auf diese Art.

Jetzt sitze ich im Dunkeln auf dem Fußboden, vor mir eine Packung Doppelkekse – ich höre Pink Floyd und wünschte du wärst hier.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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