Marion Dehne

Das Meer in ihr

Sie war fest mit dem Meer verbunden, beinahe so, als wäre es ein Teil von ihr.

Im Sommer stürzte  sie sich oft in seine Fluten. Wie prickelnder Champagner fühlte sich das kühle Wasser auf der Haut an.

Wenn sie mal allein sein wollte, gab es nichts Schöneres, als ein Spaziergang am Strand bei Sonnenaufgang.

Egal, wie ihre seelische Verfassung war, wie ein Magnet trieb das nasse Element sie in ihren Bann. Das stetige Klatschen der Wellen beruhigte sie, wenn sie traurig war. Schon so manches Mal hatte sie den Strand aufgesucht, sobald sie merkte, dass eine Depression wie eine dunkle Wolke sie umfangen wollte. Die anderen Strandläufer, Muschelsucher oder Jogger beachtete sie nicht. Meist verebbte der eben noch so reichlich fließende Tränenstrom schnell beim Betrachten der nimmermüden Wellen, die sich unaufhörlich am Ufer verliefen.

Bei Sturmflut zeigte sie Respekt vor der Gewalt der Natur, indem sie nur aus sicherer Entfernung beobachtete. Dann kam es ihr vor, als schrie das Meer seinen Schmerz hinaus in die Welt.

Aber irgendwann ließ der schlimmste Sturm nach. Dann rollten kleine verspielte Wellen auf den Sand. Sonnenlicht glitzerte auf dem Wasser. Vögel suchten bei Ebbe Würmer im Watt.

Ein ewiger Kreislauf, indem viel Trost lag.     

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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