Heinz-Walter Hoetter

Die Plasmakrake aus den Tiefen des Alls

Sie kommt, um alles zu zerstören.


***


Ein gigantisches Etwas schwebte seit undenklichen Zeiten schwerelos durchs Tinten schwarze Universum.

Dank der besonderen Beschaffenheit seines einzigartigen plasmatischen Körperaufbaues überlebte es sogar in der absolut tödlichen Umgebung des Alls.

Es schlief nicht, denn es kannte keinen Schlaf; aber es ruhte und absorbierte die kosmische Strahlung im Weltall, die überall anzutreffen war. Sie wurde von seltsam geformten Höhlungen in seinem langen, Patronen förmigen Rumpf aufgefangen und ins Innere seines gewaltigen Körpers geleitet, wo sie in lebenserhaltende Energie umgewandelt wurde und als Nahrung für das monströs aussehende, Kraken ähnliche Gebilde diente. Auf diese Weise konnte es sich, ohne je richtigen Hunger zu leiden, durch die endlosen Weiten des Alls treiben lassen.

Es hatte acht gigantische Riesententakel, die sich wie geschmeidige Arme bewegten und normalerweise nicht zu sehen waren. Wenn diese seltsame Kreatur jedoch von irgend etwas bedroht wurde oder aus Mord- und Fressgier in wilde Ekstase geriet, schossen seine bläulich leuchtenden Fangarme wie riesige Torpedos hervor, die alles, was sie einmal umklammerten, nicht mehr losließen.

Es kannte keine Feinde. Daher betrachtete es alle anderen eventuell vorhandenen Lebewesen im Weltall als potenzielle Beute. Es gab nicht eine einzige Lebensform im Kosmos, die von ähnlicher Angriffslust beseelt war, wie diese unwirklich aussehende Kreatur aus plasmatischer Energie, die eine Ausgeburt der Hölle zu sein schien.

Wäre die Außenhaut mit dem menschlichen Auge sichtbar gewesen, so hätte man die Farbe dieser außerirdischen Monsterkrake als Violettbraun bezeichnen können, allerdings nur in einem Zustand der Ruhe. In der Erregung konnte es alle möglichen Farben annehmen.

Die einzige Beschaffenheit des Universums, die von dem Sinnesapparat des unheimlichen Wesens beständig überwacht wurde, war das gleißend helle Licht der vorbeiziehenden Sterne. Und während es wie ein einsamer Komet durch die unendlichen Weiten des Alls trieb, bewegte es sich, einzig und allein beeinflusst von der unterschiedlichen Strahlungsintensität der jeweiligen Sonne, entweder darauf zu oder driftete einfach an ihr achtlos vorbei, wenn es in dem System keine Planeten registrierte, auf denen sich Leben entwickelt hatte. Denn es trachte seit Urzeiten danach, alles was nicht unbelebten Ursprungs war, zu vernichten .

Doch jetzt spürte es eine aufregende Veränderung. Urplötzlich war das helle Licht eines unbekannten Gestirns am kosmischen Hintergrund aufgetaucht und hatte die empfindlichen Solarzellen in Unruhe versetzt. Außerdem registrierten die Sensoren einen blauen Planeten, auf dem sich üppiges Leben entwickelt hatte.

Der gigantische Oktopus wechselte abrupt die Farbe, seine schrecklichen Tentakel waren ausgefahren und trieben ungestüm tastend nach allen Seiten wie Suchantennen aus ihren zuckenden Vertiefungen hervor.

Zwei Instinkte trieben das Plasma-Ungeheuer jetzt an – der Mordinstinkt und seine animalische Fressgier auf alles, was man der lebendigen Materie zurechnen konnte.

Der Angriff auf die Erde begann. Ihr Untergang war in diesem Moment besiegelt.

Die Tatsache, dass die Natur des Universums ihre geheimnisvollen Seiten hatte, konnte man an der gewaltigen Größe dieses Monsters erkennen, das den anvisierten Erdplaneten um ein Vielfaches übertraf.

Das intergalaktische Mordungeheuer schwebte am Erdtrabanten vorbei und raste auf die Erde zu. Als es nahe genug war, drehte es sich in die Richtung seiner planetarischen Beute und holte mit seinen riesigen Tentakeln zum tödlichen Schlag aus. Die knotigen Enden durchschlugen die explodierende Atmosphäre und trafen mit erschütternden Donnerschlägen die auseinanderbrechende Erdoberfläche. Die übrigen Tentakeln griffen ebenfalls an und taten das Gleiche. Ein Inferno setzte ein. Die sterbende Erde barst zuerst etwas auseinander, hob sich in einem verzweifelten Todeskampf leicht nach oben und kollabierte kurz darauf schlagartig nach innen, als die wütenden Tentakel des gigantischen Monsters aus dem All den Planeten von allen Seiten fest umschlossen. Dann begann es damit, die glühenden Fragmente der rauchenden Kontinentalkrusten Stück für Stück in sich hinein zu schieben.

Die sich darbietende Apokalypse war unbeschreiblich.

Bald waren auch die letzten Reste des Planeten Erde im Schlund des kosmischen Plasma-Monsters verschwunden, das jetzt langsam weiter schwebte, den schrecklichen Ort der totalen Vernichtung hinter sich lassend, bis es bald irgendwo in den unendlichen Weiten eines Sternen übersäten Weltalls verschwunden war.

Zurück blieb ein einsam dahin torkelnder Mond, der, nun seines fesselnden Heimatplaneten beraubt, irgendwann in die Sonne stürzen würde.

 

ENDE


©Heinz-Walter Hoetter

 

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