Wolfgang Küssner

Aus dem Amtsgericht Teil 3 - Die Zeugen

Das Land in der norddeutschen Tiefebene ist bekanntlich sehr flach. Man könnte folglich montags bereits den Besuch vom kommenden Wochenende ausmachen. Hier, an der Nordsee, liegt Nordfriesland mit der Stadt Husum. Die graue Stadt am Meer hat viele Krabben, viele Krokusse und ein Amtsgericht. Die Zeit vergeht. Es ist Dienstag, elf Uhr dreißig. Immer noch Strafsache Petersen. Richter, Angeklagter, Staatsanwälting, Verteidiger und Sie, lieber Lesen befinden sich im Sitzungssaal. Ein paar andere Personen bleiben an dieser Stelle ungenannt. Der Richter hat das Wort (auf Tüddelchen unten und Tüddelchen ... wird weiterhin verzichtet, vielleicht dient es ja der Wahrheitsfindung):

Dann setzen wir jetzt die Hauptverhandlung mit der Vernehmung der Zeugen fort. Als erstes bitte ich die Zeugin Beeke Sönksen in den Sitzungssaal. Frau Sönksen, Sie kommen aus Husum und sind mit dem Angeklagten weder verwandt oder verschwägert? Richtig. Ich kannte Herrn Petersen bis zu unserer Begegnung nicht. Sie wissen, warum Sie heute hier sind? Ja. Dann erzählen Sie uns doch bitte von ihrem Erlebnis am 23. März. Das will ich gern tun. Mit zwei Freundinnen war ich am Strand. Es war ein sonniger Tag gewesen. Langsam begann die Dämmerung. Wir saßen auf ein paar Steinen, als plötzlich ein Mann vor uns stand, seinen Umhang öffnete und seinen nackten Körper präsentierte. Meine Freundin meinte sofort, wir sollten die Polizei rufen, doch ich dachte, was für ein kranker Typ, Entschuldigung, für ein kranker Mensch muß das sein. Er möge bitte schnellstens weitergehen, sonst würden wir die Polizei verständigen. Doch das hat den Mann nicht weiter beeindruckt, er kam näher und machte uns auf sein erigiertes Glied aufmerksam. Wir forderten ihn erneut auf, er möge bitte ganz schnell verschwinden. Doch das hatte ihn offensichtlich nur weiter stimuliert. Er näherte sich uns immer mehr und wir sahen dann keine andere Lösung, als mit dem Handy die Polizei anzurufen. Erst als er unser Gespräch mit der Polizei hörte, zog er sich schnell zurück. Die Beamten waren zügig vor Ort und anhand unserer Beschreibung konnten diese den Mann schnell festnehmen. Erkennen Sie im Angeklagten den Täter vom 23. März wieder? Ja, ganz eindeutig. Herr Petersen erzählte uns, er hätte baden wollen. Wieso, es war doch Ebbe. Keine weiteren Fragen.

Bitte die nächste Zeugin. Ihr Name ist – ich muß jetzt langsam sprechen – Charoenrasamee Nitpattanasai. Ist das so richtig ausgesprochen? Ja, abel Sie können Nid sagen, das ist mein Nickname. Alle Fleunde nennen mich Nid. Danke, das wird die Sache vereinfachen. Ich muß auch Sie fragen, ob Sie mit dem Angeklagten verwandt oder verschwägert sind? Nein, win sind nicht velwandt. Ich wohne in Bellin, albeite da. Jaha, vien Albeit. Win haben Thai-Lestaulant. Frau Nid, am 26. März sind Sie in Husum gewesen. Ja, ich wollte die Klokusblüte sehen, jaha. Das ist ein sehn schweles Wolt. Vien von Klokusse gehölt, aben nie sehen. Jetzt Fleizeit gehabt und angesehen. Sehn schön, jaha. Klokusse haben win nicht in Thailand. Sie sind abends im Schloß-Park gewesen, da ist von der Blütenpracht doch nicht viel zu sehen. Ja, Hell Lichtel, aben ich wollte sehen, ob Klokusse auch schlafen. Und? Jaha, schlafen. Dann hatten Sie eine besondere, außergewöhnliche Begegnung. Ja, dann kam diesen Mann plotzlich hinten ein Baum laus. Ich ganz elschlocken, jaha. Dachte zuelst, gehölt zu Show. Habe gelacht, mich gefleut. Dann hat Mann seine Schwanz – odel wie sagen Sie? – gezeigt. Seinen Penis. Jaha, es wan sein Penis. Ganz aufgelichtet. Ich habe gesagt, geh weg. Aben kam immen wieden. Immen hinten einem andelen Baum, jaha. Ich habe dann laut Hilfe gelufen und bin aus Palk laufen. Die Polizei ist dann gekommen und hat den Mann mitgenommen. Erkennen Sie den Mann (der Richter zeigt Richtung Angeklagten) wieder? Oh jaha, das ist den Mann aus Klokuspalk. Gibt es nach Fragen an Frau Nid? Das ist nicht der Fall. Danke, Sie dürfen sich setzen.

Die nächste Zeugin bitte. (Der Richter schaut auf seine Uhr.) Sie sind Flau Fleia – Entschuldigung – Frau Freija Ingwersen? Kommen Sie ruhig etwas näher. Ja Herr Richter. Sie sind weder verwandt noch verschwägert mit dem Angeklagten? Richtig, Herr Richter. Sie sind hier als Zeugin geladen, was können Sie uns berichten? Ja, das war so. Am 1. April bin ich mit meinem Fiedsche Puper... Mit wem bitte? Na mit meinem Fiedsche Puper. Und wer ist dieser Fiedsche Puper? Na mein kleiner Pomeranian. Für so einen kleinen Hund ein äußerst schweres Wort. Dann erzählen Sie mal weiter. Also ich bin mit meinem Fiedsche Puper noch Gassi gegangen und in der Schloß-Passage steht plötzlich ein Mann vor mir, öffnet ganz schnell seinen Umhang und zeigt mir seinen nackten Körper. Ich mochte gar nicht hinschauen. Das ist ja ekelhaft. Fiedsche Puper dachte wohl, er könne mit dem Ding da Stöckchen spielen. Doch da wurde der Mann sehr aggressiv. Er nahm einen Stein und warf ihn nach dem Hund. Der ist sofort losgerannt. Leider hat er das Auto nicht kommen sehen. Nun ist er tot. Und was hat der Mann gemacht? Er hat irgendetwas zu mir gesagt und ist dann weggelaufen. Können Sie sich noch an die Worte erinnern? Ne, Herr Richter. Das ging ja alles so schnell. Und der Schreck, der doppelte Schreck in meinem Alter. Ich bin 84. Zum Glück kam gerade ein Polizeiauto, die haben den Mann dann sofort gefasst. Würden Sie den Mann unter den Personen hier im Sitzungssaal wiedererkennen? Klar, da sitzt er doch. (Sie zeigt sofort auf den Angeklagten Petersen.) Gibt es noch Fragen an Frau Ingwersen? (Der Richter schaut erneut auf die Uhr.) Frau Ingwersen, Sie können sich setzten. Besten Dank für Ihre Aussage. Und was ist mit meinem Fiedsche Puper? Wer ersetzt meinen Hund? Das ist leider nicht Gegenstand der Anklage. - Ich denke, wir können auf weitere Zeugen verzichten. (Staatsanwältin und Verteidiger nicken zustimmend. Erneut schaut der Richter auf die Uhr. Die Beteiligten wissen nicht, daß er seiner Frau versprochen hat, heute pünktlich zum Mittag zukommen.)

Ein detailliertes Protokoll hätte mehrfach leichte Heiterkeit im Zuhörerraum verzeichnen können. Doch es gab ein solches Protokoll nicht. Es gab gar keinen Gerichtstermin. Diese Geschichte ist reine Erfindung. Jede Ähnllichkeit mit lebenden oder auch nicht mehr lebenden Personen wäre also rein zufällig. Im 4. Teil wird vom Urteil zu lesen sein. Bleiben Sie also dran, lieber Leser, an der Geschichte aus dem Amtsgericht.

Juli 2017

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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