Ingo R. Hesse

Ich bin schon ein Guter! ...Manchmal

Einer der vielen Gründe für meine Abneigung gegen Reisen in südliche Länder, ist die Tatsache, dass es dort Insekten, Ungeziefer und Kleintiere gibt, die es hierzulande nicht gibt. Ich mag hier schon nicht, wenn sich solche Untermieter einschleichen.

 

Jegliches Gesummse, Gebrummse, Geschwirre und Gekrauche oder Gespinne in meinen Heiligen Hallen, bekämpfe ich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Vom altbewährten, von der Decken hängenden Honig-Streifen, an dem die Ausbeute von Wochen, allen Neu-Einfliegern Zeugnis für meine Entschlossenheit ablegen sollte, bin ich aber schon seit Jahren abgerückt. Die Grünen haben schließlich auch in mir eine Veränderung meines Verhältnisses zur Natur bewegt. Zum Beispiel paniere ich Schnitzel und Koteletts seither nicht mehr. Oder war das doch wegen meiner Hosen, die immer enger werden? Ist ja auch egal.

 

Teils setze ich auf Prävention. Alle Fenster und Außentüren sind mit Fliegen-Abwehr-Vorhängen versehen. Und in Erde stehende Blumen wird man bei mir vergeblich suchen. Zum Teil setze ich auf Hausmittel. In jedem Raum ein kleines Gefäß mit altem Wein oder Essig und jeweils einem Tropfen Pril gefüllt, ..da können sie dann mal abtauchen, die kleinen Unerwünschten!

 

Und wenn all das nicht hilft, greife ich zur Chemie. Und zwar zu einer großen Sprühflasche mit zwei Düsen, aus der gleichzeitig die chemische Klatsche den fliegenden Agitatoren den Garaus bereitet. Anders als die altdeutsche, hat diese Klatsche den Vorteil, dass die Tapete nicht mit Blutflecken der letzten gewonnenen Schlacht verziert wird.

 

Aber es gibt auch diese Momente. Momente, in denen ich mich erinnere. An die Frau zum Beispiel, die einen Marienkäfer aus einem Eiscafé trug und zärtlich an einen davor befindlichen Baum setzte. Das sollte ich doch auch fertig bringen. Schließlich bin auch ich ein Romantiker erster Güte.

 

Und so habe ich auch ein fast liebevolles Verhältnis zu den fünf Hummeln entwickelt, die aber scheinbar eher Dummeln sind. Denn egal wie häufig und eindringlich ich von innen gegen den Schutzvorhang vor meiner Balkontür klopfe, ..oder schlage, auf dem sie sich mit Vorliebe niederlassen, ...sie versuchen es immer wieder. OK, ich verstehe! Die Morgensonne. Und dann ein Plätzchen, in das man so herrlich diese vielen Füße krallen kann. Das hat schon etwas für sich.

 

Aber, wie gesagt, ich bin zwar Romantiker und zärtlich bis der Arzt kommt. Aber Hummeln gehören in den Garten, nicht hierher!

 

So stand ich also vor ein paar Minuten wieder vom Schreibtisch auf. Ein liebliches kleines, pelziges Hummel-Männchen hatte es sich gemütlich gemacht, außen auf diesem so verlockenden Vorhang. Mit der Natur und der Gesamtheit verbunden, wie ich nun mal seit Jahren bin, drückte ich zaghaft von innen gegen dieses transparente Gebilde. Zunächst keine Reaktion. Aber dann, als ich ein paar liebevolle Worte dazu sprach, „..Du darfst hier nicht sein, suche Dir eine schöne Blüte und bestäube sie was das Zeug hält, ..rüttele ein wenig für mich mit!“ tummelte sich der kleine Racker im elegant-häbigen Zickzack.

 

Zufrieden und stolz auf mich selbst, kehrte ich zum Schreibtisch zurück. Es ist schon ein gutes Gefühl, so ein bisschen grün zu sein!

 

Doch dann vernahm ich einen eigentlich nicht spürbaren Luftzug und kurz hintereinander dieses dumpfe Tok, …Tok, …Tok.

 

Das Hummelweibchen. Erkennbar an der Unverschämtheit. Denn hier einzudringen und gegen alles zu fliegen, was friedlich und unschuldig hier steht, ..wenn das nicht unverschämt ist! Wut stieg in mir auf. Kalte, unerbittliche Wut. So nicht!

 

Und dann fiel mein Blick auf die große, blaue Blechflasche mit der Aufschrift „Insekten-Spray“. Tja, Du freches Ding. Du bist doch wohl eine Insektin! Also, dann nimm das hier! ..Und das! ...Uuuund dasssss!

 

So!

 

Und nun sitze ich wieder hier an meinem Schreibtisch. Und ich fühle mich, nachdem ich in der Küche eine Stunde lang darauf gewartete habe, dass der süßliche Gestank verflogen ist, wieder als Herr im Haus.

 

Und ich kann sagen, ich fühle mich wohl. In beiden meiner Charakterstärken. Mal als grüner Alles-Liebhaber. Mal als Rächer ohne Frust und Adel!

 

Das Leben kann ja so schön sein!

 

Doch da! Was ist das? Das kann doch nicht wahr sein! Zwei Hummeln kreisen vor dem Vorhang, ..wohl noch in der Überlegungs-Phase.

 

Ich stelle die Blaue Flasche vor die Tür. Gut sichtbar mit der Aufschrift nach außen.

 

Es soll mir niemand nachsagen, ich hätte sie nicht gewarnt!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.06.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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