Heinz-Walter Hoetter

Eine „glückliche Zukunft“ für jeden Bürger

Ein international tätiger Pharmakonzern konnte nach jahrzehntelanger intensiver Forschung dem höchsten Vorstand endlich brauchbare Resultate vorlegen, die eine Substanz betraf, welche nach Verabreichung, bei geringsten Anzeichen von Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Unzufriedenheit oder Aggression, den betreffenden Menschen ein immens gesteigertes und lang anhaltendes Glücksgefühl bescherte. Versuche an freiwilligen Testpersonen verliefen zur höchsten Zufriedenheit der beteiligten Labormediziner, jedoch wurden die Versuchsergebnisse aus ganz bestimmten Gründen vorerst streng geheim gehalten.

 

Die Experten erkannten nämlich gleich die ungeheuren Möglichkeiten dieser pharmazeutischen Erfindung und nachdem die Politiker davon Wind bekamen, verlangten diese die schnellstmögliche Produktrealisierung, da gerade sie ein besonders großes Interesse an der dauerhaften Verfestigung ihrer Macht hatten.

 

Glückliche Menschen waren zufriedene Menschen. Man konnte sie einfach besser regieren. Auch die Verbreitung unerwünschten Gedankengutes würde man ebenfalls auf ein Minimum reduzieren können, brächte man dieses neue Medikament erst unters Volk, dachten sich die Herrschenden.

 

Ein schnell, aber heimlich ausgehandelter staatlicher Auftrag verhalf dem Pharmakonzern zu einem gewaltigen Milliardengeschäft.

 

Es war ein perfekter Deal.

 

Man erfand daher in kürzester Zeit eine vollautomatisch arbeitende Vorrichtung, die dazu in der Lage war, winzig kleine Kügelchen dieser hochwirksamen Substanz gezielt auf jede vorbeigehende Person abzuschießen, wobei die Reichweite dieses Gerätes bei mehreren hundert Metern lag.

 

Einmal abgefeuert, durchschlugen diese mikroskopisch kleinen Nanokugeln ohne nennenswerten Widerstand jede noch so geartete Kleidung und drangen dabei tief in die untersten Hautschichten des Menschen ein, ohne dass die betroffenen Personen etwas davon bemerkten, außer vielleicht ein kleines Jucken oder leichtes Piksen. Die Wirkung des verabreichten Medikamentes trat allerdings sofort ein und hielt, je nach Dosierung, mehrere Tage und Wochen an.

 

Es dauerte nicht mehr lange, da ging man dazu über, an allen nur denkbaren Orten so genannte „Spenderautomaten“ zu installieren, die mit hochempfindlichen Emotionssensoren und superschnell schießenden Injektionspistolen ausgestattet waren. Sogar die Bevölkerung unterstützte die Installierung dieser Messinstrumente aktiv mit, endlich einmal nicht genau wissend, was sie erwartete.

 

Zum ersten Mal seit bestehen menschlicher Gesellschaften und ihrer politischen Systeme würde wirklich jeder Bürger ohne Gewaltanwendung in den Genuss einer Maßnahme kommen, die sein eigenes Glücksgefühl, ohne nennenswerte Nebenwirkungen zu haben, extrem steigerte.

 

Ausgenommen davon waren natürlich jene systemtreue Personen, denen die Kontrolle und die Wartung der millionenfach vorhandenen Vorrichtungen oblag. Diesen Heloten wurden einfach winzige Chips eingepflanzt, damit die Emotionssensoren auf sie nicht reagieren.

 

Die gerechte Verteilung der glücklich machenden Narkotika garantierte die eingebaute Automatik, die permanent in Verbindung mit den empfindlichen Emotionssensoren ihre Funktion versah. Jede vorbeikommende Person wurde heimlich von unsichtbaren Laserstrahlen abgetastet. Menschen, die nur die geringsten Anzeichen von Depression oder Aggression zeigten oder sich gemeinsam in Räumlichkeiten aufhielten, bewirkten zum Beispiel eine sofortige Aktivierung der injizierenden Schussapparatur. Die Dosis der verabreichten Narkotika war immer so bemessen, dass sie, völlig ungefährlich für die Gesundheit des Menschen, stets die optimalste Wirkung garantierte.

 

Jeder würde sich künftig in einem unaufhörlich heiteren Gemütszustand befinden.

 

Lediglich die Zerstörung der Apparatur oder Teile davon stand unter Strafe und hatte die Einweisung in spezielle Häuser zur Folge.

 

Eine „glückliche Zukunft“ für jeden Bürger stand somit nichts mehr im Wege.

 

ENDE


 

© Heinz-Walter Hoetter

 

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