Heinrich von Buenau

Drei Wimpernschläge von einem Wunder entfernt

Es geschah im Alter von fünf Jahren. Mein gleichaltriger Freund Elmar und ich hatten beschlossen, von unserer Siedlung rüber auf die große Wiese zu wechseln. Dafür mussten wir eine wenig befahrene Dorfstrasse überqueren. Was wir schon viele Male zuvor problemlos gemacht hatten.
    Als wir nun jene Strasse erreichten, blieb ich stehen, da ich von links ein Auto herannahen sah. Erster Wimpernschlag! Zu meiner großen Überraschung und mit jähem Entsetzen sah ich Elmar die Fahrbahn betreten. Zweiter Wimpernschlag! Und dann ging alles ganz schnell. Als Elmar das mit hoher Geschwindigkeit herankommende Fahrzeug gewahr wurde, rannte er los. Genau dorthin, wo inzwischen der Wagen unterwegs war. Ein Zusammenprall schien unvermeidlich. Dritter Wimpernschlag!
    In höchster Not schrie ich: “ELMARRR!!!“, woraufhin er abrupt stoppte und wendete. Wiederum dorthin, wo nun seinerseits der Fahrer vorbeizukommen versuchte. Elmar entging um Haaresbreite – und das kann man bildlich nehmen – dem Tode. Der Fahrer „entkam“ mit quietschenden Reifen und noch einmal richtig Vollgas gebend.
    Für einige Sekunden standen Elmar und ich schwer geschockt da. Dann trennten wir uns wortlos und gingen heim.

Ich denke,wir hatten beide kurz dem Tode ins Auge geblickt, vollkommen begriffen wie schnell alles vorbei sein kann. Gleichzeitig hatte zumindest ich intuitiv verstanden, dass irgendetwas - vielleicht eine höhere Macht - Elmar beschützt hatte. Denn eigentlich war es vollkommen ausgeschlossen gewesen, dass er aus dieser Sache  heil und unbeschadet  herausgekommen war. Es war definitiv ein Wunder gewesen.

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