Heinz-Walter Hoetter

Dr. Van Silvanus Reise ins Mittelalter

Das Böse ist nicht aus der menschlichen Sphäre.

Es ist aber in der menschlichen Sphäre.

***

Die Nacht war bereits angebrochen, als Dr. Van Silvanus aus dem steinernen Turm des Astronomen trat und bedächtig die schmale Holztreppe hinab stieg.

 

Woher er so plötzlich gekommen war, und vor allen Dingen wie, das konnte niemand sagen, denn dieser Teil der gewaltigen Burganlage wurde nicht nur streng bewacht, sondern war für die übrige Dienerschaft ein absolut verbotener Bereich, in dem keiner von ihnen etwas zu suchen hatte. Darüber hinaus waren die schweren Eichentüren stets verschlossen. Nur wenige vertrauenswürdige Personen besaßen einen Schlüssel, um sie zu öffnen.

 

Durch die bunten, mit Blei verglasten Fenster fiel das helle Licht des Mondes, das sich in den Schatten der hoch gewölbten Burghalle verlor und dort, wo sich der einzige Zugangskorridor befand, wälzte sich die Dunkelheit wie ein schwarzes Leichentuch heran.

 

Dr. Van Silvanus blickte unschlüssig in die Runde. Er fühlte sich noch etwas benommen.

 

Im trüben Halbschatten einer tiefen Nische saß auf einer rustikalen Eichentruhe der alte Torwächter Konrad, dessen Kopf tief auf die Brust gesunken war. Er schlief fest und schnarchte dabei leise vor sich hin.

 

Der Doktor ging auf ihn zu und berührte ihn vorsichtig an der Schulter. Der Alte zuckte plötzlich heftig zusammen, öffnete seine verschlafenen Augen und starrte einen Augenblick später sein Gegenüber ungläubig wie eine geisterhafte Erscheinung an.

 

„Ich bin Dr. Silvanus. Ich möchte zu Marvel Barventon, dem kaiserlichen Geheimsekretär. Er wohnt in dieser Schlossburg. Führen sie mich so schnell wie möglich zu ihm!“

 

Der alte Diener fuhr auf einmal schlagartig in die Höhe und rückte seine zerknitterte Uniform zurecht. Dann schaute er mit Blicken der Entschuldigung auf die hohe, schwarz gekleidete Gestalt, die wie ein Henker aussah. Nach einer kurzen Atempause erinnerte sich der Torwächter an eine kurze Begebenheit, von der er glaubte dem Doktor diese mitteilen zu müssen.

 

„Herr, vor etwa zwei Stunden, bei Einbruch der Dämmerung, habe ich einen Fremden zum Astrologen gewiesen. Es war jemand, dem ich Nachts auf einer einsamen Straße nicht begegnen möchte. Er stank fürchterlich nach Schwefel und kam mir auch sonst ziemlich unheimlich vor. Ich hielt ihn für einen dieser schrulligen Alchemisten, die hier bei uns überall in der Gegend herumlaufen. Ich dachte, es wäre besser, ich würde es dem Herrn Doktor jetzt gleich sagen...“

 

Dr. Silvanus winkte müde ab. Er wusste bereits über alles Bescheid. Ungeduldig wiederholte er sein Begehren. Die Zeit drängte.

 

Der alte Torwächter Konrad bemerkte die Unruhe des Doktors, nickte deshalb schnell und humpelte voran in die schummrige Finsternis des steinernen Korridors hinein.

 

Die beiden Männer schritten durch dunkle Gänge, mal ging es treppauf, dann wieder treppab, durch einsame, mit wuchtigen Ölgemälden aller Art geschmückte Galerien und feierlich stillen Prunkräumen, in denen man keine Menschenseele antraf. Irgendwie schien alles unwirklich zu sein. Vielleicht war es auch das. Wer konnte das schon so genau sagen?

 

Endlich näherten sie sich den kaiserlichen Gemächern, die in einem abgetrennten Teil der Burganlage untergebracht waren. Überall standen jetzt plötzlich Diener herum. Einige eilten mit langen Leuchtstangen an ihnen vorbei und entzündeten die Kerzen an den mit bunten Fahnen behangenen Steinwänden.

 

Soldaten, die Hellebarde auf der Schulter, wandelten vor den monströs aussehenden Eichentüren auf und ab; ein blass aussehender Pfaffe ging schnellen Schrittes mit gesenktem Kopf zur Hauskapelle. Sein böse dreinschauender Blick streifte die beiden Männer nur flüchtig, als wolle er ihnen eine biblische Mahnung zukommen lassen. Dann war er auch schon wieder verschwunden. Offenbar wollte er mit ihnen nichts zu tun haben.

 

Plötzlich konnte man gedämpftes Stimmengewirr vernehmen.

 

In einem braun getäfelten Vorsaal, der nur vom milden, rötlich gelben Kerzenlicht erhellt wurde, stand eine Gruppe von Bediensteten aufgeregt flüsternd herum. Mitten unter ihnen erhob sich plötzlich die mächtige Gestalt eines Offiziers. Sein Harnisch und Armzeug waren mit Dreck und Staub bedeckt, als wäre er gerade aus dem Sattel seines Pferdes gestiegen. Das reich verzierte Schwert hielt er trotzig vor sich aufgestemmt. Die schmucklose Eisenhaube war in den Nacken geschoben, auf seiner breiten Stirn brannte der Zorn, und die Augen blinzelten vor Wut.

 

„Alles nur Ausflüchte meine Herren, nichts als Ausflüchte. Es gibt Dinge, von denen man hier offenbar nicht gerne hört, habe ich den Eindruck. Mir geht die ganze Geheimnistuerei auf die Nerven. Aber meine Soldaten und ich werden nicht eher Ruhe geben, bis wir endlich wissen, was in dieser Burg vor sich geht. Der Kaiser hat ein Recht darauf zu wissen, was seine Untertanen treiben und mit wem sie sich hinter seinem Rücken verbinden. Verräter werden auf der Stelle hingerichtet.“

 

Der alte Torwächter Konrad und Dr. Van Silvanus blieben einen kurzen Moment stehen und schlichen sich dann unbemerkt an der aufgebrachten Dienerschaft vorbei. Endlich standen sie schließlich vor einer kleinen Seitentür am Ende eines schmalen Ganges. Sie waren am Ziel.

 

 

„Bitte warten Sie einen Moment, Dr. Silvanus. Ich melde Sie an und bin gleich wieder zurück“, sagte der alte Diener und verbeugte sich vor ihm. Dann huschte er durch die geöffnete Tür. Drinnen im Raum hörte man ihn mit einer anderen Person gedämpft reden.

 

„Ich melde Herrn Geheimsekretär einen gewissen Dr. Van Silvanus aus einem Reich vor unserer Zeit. Er bittet um Einlass in einer dringenden Angelegenheit, wie er mir mitteilte, Herr.“

 

„Ich weiß, ich weiß. Ich erwarte den geehrten Herrn Doktor seit einigen Stunden. Ich werde selbst zu ihm gehen und ihn persönlich rein bitten. Sie dürfen jetzt gehen, Konrad. Und sorgen sie dafür, dass niemand aus der Burg die Räumlichkeiten des Astrologen betritt. Andernfalls lasse ich sie köpfen.“

 

Der alte Torwächter machte ängstlich eine tiefe Verbeugung und verließ in dieser Haltung rückwärtsgehend den Raum.

 

Wenig später wurde die Tür ein weiteres Mal aufgerissen und ein zierliches, recht bewegliches Männchen mit kahlem, nur von einem flockigen Kranz grauer Haare umsäumten Schädel, und ebenso grauem Bart, streckte Dr. Van Silvanus beide Hände entgegen.

 

„Mein treuer Freund! Endlich...! Ich möchte dich vor Freude am liebsten umarmen. Wie lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen? Es muss eine Ewigkeit her sein. Außerdem war ich sehr besorgt um dich. Die Straßen sind unsicher in diesen unruhigen Zeiten. Überall lauert das Gesindel herum. Es wird immer schlimmer.“

 

Die Stimme des greisenhaft wirkenden Mannes klang auf einmal sanft und weich.

 

Dann fuhr er mit lächelndem Gesichtsausdruck fort.

 

„Du hast dich nicht viel verändert, Van. Immer noch ein wenig düster drein blickend. Dabei dürftest du jetzt erst einhundertundvierzig Jahre alt sein. Habe ich recht? Eine Ewigkeit liegt noch vor dir, die du nutzen solltest, mein Freund. Aber bitte, komm’ doch herein und nimm Platz!“

 

Dr. Van Silvanus folgte dem kleinen Mann in dem weiten Brokatmantel. Bald befanden sie sich in einem großen Raum, der an Pracht nicht zu überbieten war. In der Mitte stand ein wuchtiger, blank polierter Eichentisch mit zahlreichen Stühlen drum herum. In einer geschnitzten Holzschale lag frisches Obst.

 

Der Doktor betrachtete das imposante Möbelstück mit einigem Interesse.

 

„Ein sehr schönes Stück, mein lieber Marvel“, bemerkte er kurz und schaute dabei sein Gegenüber durchdringend an. Der Geheimsekretär nickte mit dem Kopf, antwortete aber nicht, sondern beobachtete seinen Freund aus vergangenen Tagen mit aufmerksamen Blicken. Irgendwas an Van war diesmal anders als sonst, fiel ihm auf. Eine dunkle Ahnung stieg in ihm hoch. Aber er war auf alles vorbereitet. Egal, was kommen würde.

 

Van Silvanus ließ die Augen durch den hinteren Teil des Raumes laufen: Auch hier wieder schöne Ölgemälde an rot bespannten Wänden, antike bräunliche Tonvasen auf dem breiten Sims des Kamins, in dem einige Holzscheite knisternd brannten. Zwischen Statuetten aus Elfenbein und Bronze standen immer wieder Kerzen, deren stumpfes Licht den großen Raum aber nur schwach erhellten. Ein rustikales Holzregal befand sich direkt unter einem hohen Bogenfenster. Es war über und über mit Schriftrollen bedeckt.

 

„Du hast dich ja richtig wohnlich eingerichtet, wie man sieht. Offenbar gefällt es dir im Mittelalter, Marvel.“

 

„Ach, mein lieber Van, wenn man es unter diesen Barbaren hier zu Lande ertragen will, muss man sich das bisschen Sonne selbst herein bringen“, seufzte der greise Geheimsekretär und ließ sich in die rot samtenen Kissen eines hölzernen Stuhles mit hohen Lehnen fallen.

 

Dann sprach er weiter.

 

„Man würde sonst vor Sehnsucht nach der Heimat vergehen, die sich so weit von einem entfernt hat. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In jeder war ich zuhause und habe sie alle kennen gelernt. Doch nichts ist schöner als die Heimat seiner Kindheit. In jenen frühen Tagen kindlicher Existenz war man noch frei von der Last kommender Schuld. Leider ist das schon so lange her. Diese Zeit kommt niemals wieder.“

 

Marvel Barventon schlug auf einmal entsetzt die kleinen gelblichen Hände zusammen, als wolle er damit die Erinnerungen an seine Kindheit verscheuchen.

 

„Wie ist es mit dir, Van? Spürst du denn keine Sehnsucht zurück nach deiner Kinderzeit? In letzter Zeit habe ich das oft getan. Viel zu oft, wie mir scheint. Selbst der Meister hat trotz all seiner Macht keinen Zugriff auf die Jahre unserer sündenlosen Kindheit. Jetzt ist es leider zu spät für eine Umkehr. Schade.“

 

Van Silvanus lächelte verlegen.

 

„Warum sollte ich meine Kinderzeit zurückwünschen? Es geht mir gut. Ich habe mich, so wie du einmal, in die Dienste des Meisters freiwillig begeben. Du weist ja, dass wir seinen Plänen unterliegen. Er bestimmt, was mit uns geschieht. Ob die Reise durch Raum und Zeit weitergeht oder ob sie endet. Wir müssen uns seinem Willen unterwerfen. Ob wir wollen oder nicht.“

 

Vans ernste Augen füllten sich plötzlich mit einem seltsam anmutenden Licht.

 

„Ja..., Marvel, unser Meister ist ein großer Wissenschaftler. Seiner Zeit weit voraus. Trotz aller Bosheit ist er mild und geklärt. Er ist voll der abgründigsten Gelehrsamkeit. Hat mir gar mancherlei von den Gestirnen und ihren verschlungenen Bahnen erzählt, dass mir bisweilen der Verstand zu schwinden drohte. Wir wussten in jungen Jahren nichts von Raum und Zeit, noch konnten wir fremde Orte außerhalb der Erde besuchen. Er jedoch hob sacht den Schleier von den verborgensten Geheimnissen der Natur. Dann zogen wir uns zurück und wurden seine Schüler. Du, ich und die vielen anderen, die vom Meister bekehrt wurden und seinen großartigen Reden lauschen durften, die uns immer wieder endlos begeisterten.“

 

Der Doktor machte eine kleine Redepause, bevor er weitersprach.

 

„Mein lieber Marvel. Wir haben dann getan, was wir tun mussten und für richtig hielten. Ich bereue nichts. Auch wenn meine Seele der Preis dafür ist.“

 

Während der Doktor seine Rede beendete, ging Marvel Barventon zum Fenster und öffnete es. Nachdenklich blickte er zum nächtlichen Himmel empor.

 

„Deine Wort sind wie immer Labsal für meine verlorene Seele, Van. Aber sieh’ nur, mein Freund!“ begann er leise wie ergriffen von der Feier der Stunde in Anbetracht des sich vor ihm ausbreitenden Universums.

 

Schließlich fuhr er fort: „In solchen Nächten erwachte stets meine Reiselust zu fremden Planeten in weit entfernt liegenden Galaxien. Unser Meister gab uns dazu die Macht, denn wir können das, wovon zukünftige Generationen der Menschheit nur träumen dürfen – Reisen durch Raum und Zeit. Wir können unser eigenes Dasein aufs Köstlichste ausleben, und in den unendlichen Weiten des Alls nach neuen Welten suchen. Und wenn wir welche fanden, durchstreiften wir sie mit den Dingen, die uns der Meister zur Verfügung stellte. Fürwahr, seine Macht kennt keine Grenzen. Er ist stärker als der Tod. Durch ihn dürfen wir Anteil am Reich des unermesslichen Universums nehmen. Wir drangen in Welten vor, die zuvor noch kein Auge des Menschen gesehen hatte. Er durchbrach für uns die Gesetzmäßigkeiten unserer irdischen Existenz und ließ uns an der wunderbaren Harmonie unentdeckter Sphären teilnehmen. Des Meisters starker Geist umspannte nicht nur unsere Welt, sondern unzählige andere ebenso. Wie klein und unbedeutend ist dagegen doch das verwirrte Erdenreich des Menschen.“

 

Nach diesen Worten Marvels trat ein langes Schweigen zwischen den beiden Männern ein.

 

Van Silvanus brach es.

 

„Deine Worte sind wie immer unergründlich für mich, mein lieber Freund. Aber du warst schon immer ein Romantiker.“

 

Er schwieg ein paar Sekunden bevor er weitersprach.

 

„Ich bin eigentlich gekommen, um dir mitzuteilen, dass deine Reise heute enden wird. Noch in dieser Nacht, Marvel. Du weist, was das für dich bedeutet? Der Meister will es so und sein Wort ist Gesetz für uns alle.“

 

Marvel Barventon, dieses kleine kahlköpfige Männchen, einst mächtiger Geheimsekretär des Kaisers, stand immer noch am geöffneten Fenster und betrachtete schweigsam versonnen den unendlich weiten Sternenhimmel.

 

Langsam drehte er sich zu seinem Freund Van herum. Seine Worte klangen leise und mit erstickter Stimme.

 

„Ja, ich weiß, was auf mich jetzt zukommt. Dieser Tag musste ja einmal kommen. Ich habe es ja nicht anders gewollt. Die vielen Jahrhunderte eines schönen Lebens liegen nun hinter mir. Für immer. Ich habe sie genossen, wie kein anderer. Ich war immer vom Wissensdrang getrieben, der meine suchende Seele bis zum Rand erfüllte und der allein meinem Leben Kraft und Richtung gab. Doch wusste ich auch um den Preis für dieses besondere Leben eines Auserwählten des Meisters. Ich versprach ihm dafür meine Seele, die am Ende der weiten Reise in seinen Besitz übergeht. So war es vereinbart. Ich werde meinen Teil der Abmachung erfüllen. Nun denn, mein Freund, lass’ uns aufbrechen. Wir wollen keine Zeit verlieren. Sei nicht traurig, du tust nur deine Pflicht.“

 

Dr. Silvanus umarmte seinen Freund, denn er wusste, dass ihm irgendwann in ferner Zukunft das gleiche Schicksal treffen würde. Ein anderer Paladin des Meisters käme dann, um ihn zu holen. Denn auch er hatte seine Seele an das mächtige Wesen aus dem All verkauft, allein um der grenzenlosen Macht willen, aber auch um ferne unbekannte Welten bereisen zu können.

 

Doch für seinen Freund Marvel Barventon war diese Zeit jetzt abgelaufen.

 

***

 

Neben dem schlanken Turm, hart am tiefen Abhang des felsigen Burggrabens, zog sich eine Reihe ebenerdiger kleiner Bauten hin, rot getüncht, mit niederen Türen und kleinen, vergitterten Fensterchen. Überall rauchten kleine Schornsteine.

 

Das letzte Häuschen betraten Dr. Van Silvanus und Marvel Barventon.

 

In dem einsamen Laboratorium stand eine dunkle, echsenhafte Gestalt in einem langen Gewand vor einem brodelnden Kessel. Unter dem weiten Umhang konnte man einen geschmeidigen, Körper angepassten Raumanzug erkennen. Es war so, als forschte diese unheimliche Kreatur dem Geheimnis der Mutter Erde nach, aus deren Schoß alles Seiende dieses Planeten entstammte. Sie suchte fiebernd unter der vergänglichen Hülle der Einzeldinge jene Ursubstanz aufzudecken, welche die schöpferische Kraft einer unerkannten Gottheit entblößen würde, um die Wesensart der letzten Dinge nach eigenem Gutdünken bestimmen zu können.

 

Dann wandte sich das schreckliche Monster den beiden Männern zu und deutete ohne ein Wort zu sagen auf Barventon.

 

Dieser trat auf das wartende Ungeheuer zu und fiel augenblicklich vor ihm auf die Knie.

 

Mit zischender Stimme bereitete es den Geknieten auf die kommende Hinrichtung vor.

 

„Marvel Barventon! Gleichmäßig und ungestört verliefen die vielen Jahrhunderte deines Lebens. Du besuchtest ferne Welten deiner Wahl und lebtest auf ihnen Dank meiner Macht. Ich gab dir viel Zeit für deine Studien, die dir die Rätsel des Universums erschließen und dich zu den verborgensten Ursachen alles Seins und Geschehens geleiten sollten. Ich fragte dich nie, was es dir gebracht hat, denn du hattest es so gewollt. Ich stellte dir nur die Mittel dazu zur Verfügung. Die süßen Verführungen des Lebens hast du bis zur Neige ausgekostet. Wie viele schöne Frauen lagen dir zu Füßen? Unzählige. Sie waren dir hörig. Auch das tat ich für dich. Dein nie zu stillendes Verlangen nach Macht, Wissen und Erkenntnis trieb dich unerkannt für deine Mitmenschen durch die Jahrhunderte. Doch erinnere dich daran, dass du mir dafür deine Seele versprachst, die ich heute von dir einfordere. So haben wir beide es vereinbart.“

 

Das widerlich aussehende Wesen griff dem Geheimsekretär plötzlich mit seiner groben Echsenklaue an den Hals, drückte den Kopf leicht nach hinten und schaute dem zitternden Barventon dabei tief in die Augen. Im gleichen Augenblick schnitt es ihm blitzschnell die Kehle durch und trank begierig das spritzende Blut aus der Halsschlagader des Sterbenden.

 

Etwas später.

 

Vom Silberlicht des Mondes umschlossen trug Dr. Van Silvanus den toten Körper seines Freundes hinaus ins Freie. Die Sterne verblassten schon langsam, und ein lauer Wind strich durch die stille Umgebung. Kein Mensch war zu sehen. Der Morgen graute.

 

Neben einer knorrigen Eiche materialisierte plötzlich ein flimmernder, mannshoher Energievorhang, den Van Silvanus mit der Leiche Barventons langsam durchschritt. Er wollte ihn in seine Welt zurück bringen, die weit in der Zukunft des 21. Jahrhunderts lag. Er würde ihn auf einen kleinen Friedhof beerdigen, der ganz in der Nähe jener gewaltigen Burg lag, die er im Mittelalter einmal als kaiserlicher Geheimsekretär bewohnt hatte und jetzt eine verfallene Ruine war.

 

Die echsenartige Kreatur aber blieb zurück in jener dunklen verworrenen, von Seuchen heimgesuchten Zeit, welche die Menschheit in ihrer langen Geschichte rückblickend mal als das Mittelalter bezeichnen wird.

 


 

ENDE

 

 

© Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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