Daniela Hoppaus

Meister, lehre mich.. warum sind die Menschen so dumm?

Meister und Schüler saßen am Rande des Universums, ließen die Beine baumeln und Steinchen über die Atmosphäre schnipsen. Wo sie auftrafen, machten sie ein Glühen. Manche splitterten und wurden Sternschnuppen, manche sprangen von der Exosphäre, ungesehen von einem Beobachter auf Erden, andere drangen bis in die Troposphäre und mochten den genannten Beobachter in Staunen oder Angst und Schrecken versetzen, je nach Kultur und Epoche.

Schüler schaute auf die blaue, wolkenverhangene Kugel hinunter, die Erde genannt wurde. „Warum, Meister, „ fragte er. „Sind die Menschen so dumm?“
Meister bewegte sich nicht. Er schwieg und schaute versonnen in die lichtgesprenkelte Schwärze des Alls. Als Schüler schon dachte, er müsse seine Frage wiederholen, seufzte der Meister. „Wieso glaubst du, sind sie dumm?“
jetzt war es an Schüler, zu seufzen. „Na ja, weil… „ Er stockte. Wie sollte er all das in Worte fassen?
„Sie zerstören ihre Mutter. Die, die ihnen heim und Nahrung gibt. Und das tun sie seit tausenden Jahren. Sie hören nicht auf ihre eigenen Leute, die sie warnen. Sie rennen der Gier hinterher, immer mehr, immer weiter, immer schneller – und verraten damit ihre eigene Art. Das ist doch dumm, oder? Sie wussten es besser, sie wissen es noch immer besser, einige von ihnen. Warum werden die zum Schweigen gebracht und verlacht? Warum hört niemand die Stimmen der Vernunft? Sie werden ihren Planeten zerstören! Und siehe, Meister, sie werden ihn zerstören und ausziehen, das auch mit anderen Planeten zu tun. Sie haben nicht begriffen, was sie anrichten, wen sie ermorden. Das ist doch dumm, Meister!

Meister zog die Beine über den Rand des Universums. Er drehte sich um, so dass er Schüler betrachten konnte. Schüler hatte Tränen in den Augen. Er litt mit jeder geschundenen Kreatur auf der Erde. Er sah die Ausbeutung, sah den Schmerz und das Leid, dass die Menschen sich gegenseitig und allen ihren Mitgeschöpfen antaten. Für etwas, dass sie Geld nannten. Und für Macht. Traurig seufzte der Meister.
“Siehe, die Natur ist weise. Sie hat alles erschaffen, vom Kleinsten bis zum Größten. Sie erschafft, aber sie erschafft nur den Anfang. Danach muss alles wachsen, lernen, sich entwickeln. Es muss sich als Teil der Natur begreifen, verstehen, dass alles miteinander verbunden ist. Das Ziel des Lebens ist leben. Und während es lebt, lernt es, macht Fehler, bessert diese aus und macht Neues. Manchmal funktioniert etwas auf Anhieb, manchmal muss etwas wieder sterben und wird durch Neues ersetzt. Die Menschen nennen das Evolution. Oder Gott. Oder beides. Die Natur möchte sich entfalten, wachsen, ausprobieren, verwerfen, neu konstruieren. Im ewigen Wandel, im ewigen Kreislauf. „

Schüler nickte. „ich habe nicht verstanden, wie das die Dummheit der Menschen erklären soll.“ gestand er nach einer Weile einträchtigen Schweigens. „Wenn die Menschen das wissen, dann sind sie erst recht dumm, sich so zu verhalten. Denn, wenn sie nicht im Einklang mit der Natur arbeiten, werden sie verworfen. Wie die Dinosaurier.“
Meister nickte. „Sie sind nichts weiter als ein Versuch der Natur. Die erste Spezies, die ihr Bewusstsein rudimentär teilt. Der erste Versuch der Natur, sich selbst in eine Gestalt zu bringen. Siehe, die Eidechsen. Ihre großen Verwandten waren der erste Versuch der natur, sich in diese Gestalt zu bringen. Sieh, was aus den großen Echsen geworden ist. Der Mensch verhält sich gegen das Leben, gegen die Natur. Er sucht sie zu ersetzen durch eine künstliche Welt aus Metall und Drähten. Er weiß nicht, dass auch dieses Natur ist und sie niemals durch die Menschen ersetzt oder beherrscht werden kann, denn sie ist größer als er. Warte ab, die Natur wird den Menschen verwerfen, wie sie alle Fehlentwicklungen verworfen hat. Der Mensch ist dumm, weil er es selbst so gewählt hat. Er hat erkannt, dass er sich nicht einfügen kann in die Natur mit seiner Machtgier. Also tut er alles, um sich auszulöschen. Hab keine Sorge um Gaia. Sie wird sich erholen. Und dann werden wir sehen, was die natur als Nächstes versucht. Was sie erschafft, um den Schaden zu beheben. Du siehst, es ist an alles gedacht, alles ist geregelt.“
“Aber der schmerz und das Leid der unschuldigen Kreaturen unter der Fuchtel des Menschen? Was wird aus ihnen?“ Meister seufzte. Er legte Schüler tröstend eine hand auf die Schulter. „Ihr Leid wird nicht vergeblich sein. Es wird gespeichert und bedacht beim nächsten Schritt der Natur. Sie wird auch dafür eine Lösung finden. Hab Vertrauen.“
Schüler seufzte. „Aber es gibt auch gute Menschen, die versuchen, sich gegen die eigene Vernichtung zu stellen.“ Brachte er schwach vor. „Ja.“ Sagte der Meister. „Sie haben auch ihre Chance, ihre Weiterexistenz zu sichern. Das ist nur fair.“
Schüler warf aufgeregt die Arme in die Luft. „Was, wenn diese ungehört bleiben? Dann sterben auch sie!“ „Ja.“ Der Meister nickte. „Das ist so. Dennoch, am Ende wird das Leben, die Natur überleben. Und nur das zählt.“
Schüler war immer noch nicht zufrieden. Er rutschte nun ebenfalls über den Rand des Universums. Er konnte nicht mehr auf die Erde schauen, die immer dunkler, immer schmutziger wurde, auf der immer weniger grün zu sehen war, dafür umso mehr Rauch.
“Aber es ist doch schade um die Individuen, die nicht überleben können, weil die anderen zu dumm sind zum überleben.“ Brummelte er. Der Meister nickte, lächelte. „Nicht die Form ist es , worauf es ankommt. Letztendlich ist alles Energie. Energie geht nicht verloren, sie wird nur in andere Energie umgewandelt. Individuen gehen also auch nicht verloren, die Information über sie bleibt erhalten. Die Natur vergisst nicht, aber sie strebt ständig vorwärts, sich verbessernd, lernend, sich korrigierend. Bedenke, mein Schüler! Wenn du die Menschen schon für eine Spezies hältst, die erhaltenswert wäre, weil sie einige Individuen hervorgebracht hat, die der Natur zur Ehre gereichen, dann überleg doch mal, welches Wesen als nächstes kommen würde. Der Mensch ist in eine evolutionäre Sackgasse geraten. Er entwickelt sich nicht mehr von selbst weiter. Er ist an dem Punkt, wo er selber die Entwicklung beeinflussen kann. Doch wie er es tut, entscheidet über seinen Fortbestand. Richtet er sich nach der Natur und nützt die Gaben, die er von ihr hat, wie Geist, Verstand und Hingabe, dann wird er überleben. Bleibt er jedoch bei Ausbeutung, Gier, niederen Trieben, dann wird er verschwinden. Seine Entwicklung liegt in seiner eigenen Hand. Die Natur wird sich danach richten bei ihrer Entscheidung.“

Schüler seufzte erneut. Dann schüttelte er den Kopf. „Ich glaube, ich werde die nächsten 1000 Jahre nicht hinunter schauen. Zerstören sie ihren Planeten, will ich es nicht sehen. Und entwickeln sie sich weiter, dann ist’s in 1000 Jahren früh genug, nachzusehen. „
Der Meister lächelte. „Das ist sehr weise.“ Sagte er. „Komm, mach uns Tee.“
Schüler trottete davon, den Kopf gesenkt. Meister schaute noch einmal zu dem blauen Ball. Wenn er genau hinsah, konnte er erkennen, wie der Verfall stetig voranschritt. Er schnippte noch ein Steinchen auf die Exosphäre. „Sieht aus, als würde ich eine lagen Zeit dein Wolkenspiel nicht mehr sehen“ flüsterte er Gaia zu. „Mögest du gestärkt aus der Krise namens Mensch hervorgehen..“ Dann wandte er sich ab. Und folgte seinem Schüler, der in ihrer Hütte am Rande des Universums Tee aufgesetzt hatte.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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