Angie Pfeiffer

Novemberrain

Sometimes I need some time on my own.
Sometimes I need some time all alone.
Everybody needs some time on their own.
Don't you know you need some time all alone.

 

'Manchmal brauche ich etwas Zeit für mich ganz allein. Jeder braucht das!
Weißt du nicht, dass auch du Zeit für dich brauchst.'

Sie steht am offenen Fenster, starrt in den grauen Novemberabend. Immer wieder hat sie seine Zeilen gelesen, die er flüchtig aufs Papier gebracht hat. Als wäre er in Eile gewesen. Als ob er fast schon aus der Tür gegangen war, dann inne gehalten hatte, um ihr kurz zu schreiben. Ein paar Sätze nur. Ein Text ist es. Aus dem Song, den er in der letzten Zeit so häufig gehört hat. Novemberrain. Sie lauscht dem Regen. Er prasselt auf den Asphalt, lässt die Welt grau erscheinen und nebelhaft, unwirklich.
Sie schließt das Fenster. Fast kommt es ihr vor, als wäre er noch hier, als wäre er nur eben vor die Tür gegangen, um eine Besorgung zu machen und würde gleich in der Tür stehen, sie anlächeln, in den Arm nehmen, so wie früher.

 

Cause nothin' lasts forever.
And we both know hearts can change.
And it's hard to hold a candle.
In the cold November rain.

'Nichts dauert ewig. Wir beide wissen, dass Herzen sich ändern können!' 
 

Irgendwann hat sich alles verändert. Nichts ist geblieben, außer den Schatten in allen Zimmerecken und ihrer Einsamkeit. Noch immer schaut sie hinaus. Es beginnt zu schneien, sanfte Watteflocken wirbeln. Plötzlich sieht alles friedlich aus. Aber wahrscheinlich nur, weil der Schnee alles überdeckt, denkt sie. Den Dreck auf dem Straßenpflaster und das, was man nicht sehen will oder übersieht.

Entschlossen wendet sie sich ab, schaltet die Musikanlage ein. Gitarrenklänge, eine Melodie, dann die Stimme von Axl Rose. ‚November Rain’. Ihr kommen die Tränen, doch sie hat nicht die Energie, das Gerät auszuschalten oder die CD zu wechseln. Bewegungslos steht sie da, mit hängenden Armen, lauscht der Musik. Hört sich zum ersten Mal bewusst den Text an.
 

And when your fears subside
And shadows still remain
I know that you can love me
When there's no one left to blame
So never mind the darkness
We still can find a way,
'Cause nothin' lasts forever.
Even cold November rain'

Wenn deine Ängste nachlassen, aber die Schatten bleiben, weiß ich trotzdem, dass du mich lieben kannst.
Wenn keine Vorwürfe mehr übrig sind, scher dich nicht um die Finsternis. Wir können einen Weg finden, denn nichts ist für immer.
N
icht einmal der kalte Novemberregen ...'

Wird sich ein Weg finden? Sie lächelt traurig. Er hat es sich zu leicht gemacht, denkt sie. Wir hätten reden können. Doch eigentlich ist schon lange alles gesagt, das wird ihr plötzlich klar. Und fast trotzig singt sie die letzten Zeilen mit.

Don't ya think that you need somebody
Don't ya think that you needsomeone
Everybody needs somebody
You're not the only one ...
 

Das Leben könnte schön sein. Doch wie soll man ein Liebesgedicht schreiben, wenn man die Liebe verloren hat?

© by Angie
 

Der zitierte Text ist aus dem Song 'November Rain' der US-amerikanischen Hard Rock-Band Guns N’ Roses, das auf dem Album Use Your Illusion I zu finden ist. Geschrieben wurde der Song von dem Sänger und Frontmann der Band Axl Rose.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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