Bernhard Pappe

Der falsche und der richtige Tod (Filmische Kurzgeschichte)

Es ist Sommer. Im Grunde ein heiterer und beschwingter Tag. A & B gehen einen unbefestigten Weg entlang, der unter der Schwere ihrer Körper leise Geräusche produziert. Rechts und links säumt ein ehrwürdiger, schattenspendender Baumbestand den Weg, der nur gerade aus zu führen scheint. In einer nicht näher bestimmbaren Ferne zeichnen sich die wagen Umrisse eines Gebäudes ab. A & B schlendern, haben es zu dieser Stunde nicht eilig.

A: „Im Grunde ein schöner Tag, nicht wahr?“

B: „Jeder Tag ist auf seiner Art schön, wenn man es versteht ihn zu leben.“

A: „Was bedeutet dann der Tod an so einem Tag?“

B setzt eine erstaunte Miene auf.

B: „Was soll mit dem Tod sein?“

A: „Ich möchte dir hier und jetzt eine Frage stellen.“

B: „Nur zu! Heraus damit.“

A: „Ich weiß, dass du manchmal über all das nachdenkst, gelegentlich auch darüber schreibst. Sage mir – Gibt einen richtigen und einen falschen Tod?“

B antwortet ohne das geringste Zögern.

B: „Gewiss. Eine solche Unterscheidung zu machen, das ist möglich.“

A: „Liegt deine Unterscheidung darin, dass ein Tod schneller oder ein schleichender sein kann, eher von qualvoller oder eher von erlösender Art?

B: Nein, jene Art der Unterscheidungen habe ich nicht im Sinn. Übrigens ein hübsches Adjektiv für den Tod wäre das Wörtchen überraschend. Ein Tod, der sich vor den Menschen versteckt, um irgendwann aus dem Unterholz zu brechen. Mein Freund, du musst dich jetzt nicht umschauen. Derzeit lauert er nicht am Wegesrand.“

B lacht und spinnt seinen Gedankenfaden weiter.

B: „Die Antwort ist vergleichsweise eine philosophische. Der falsche Tod, es ist derjenige, über den du nie redest, der einfach da ist, wenn der Sensenmann auftaucht und das Schild „Game over“ hochhält. Das Spiel des Lebens ist vorüber und du hast nicht bemerkt, dass es ein Spiel ist und der Tod hinzugehört.“

A: „Und der richtige Tod ist das Gegenteil?

B: Der richtige Tod ist derjenige, den du akzeptierst, über den du sprichst, mit dir selbst, was wichtig ist; über den du mit mir sprichst oder mit Anderen. Das Sprechen und das Schreiben über den Tod hat nichts Depressives, denn nur wer lebenslustig ist, vermag heiter und gelassen über den Tod zu schwadronieren. Der Tod würde sich freuen, wenn es ihn denn gäbe.“

A zieht eine Augenbraue hoch.

B: „Schaue nicht so drein. Der Tod ist ein Abstraktum, genau wie Gott. Das Abstraktum musst du gedanklich zuerst mit Leben füllen und es hernach ankleiden. So erschaffst du für dich den richtigen oder auch den falschen Tod.“

B lacht erneut und nähert sich A mit der Geste einer Umarmung.

B: Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann zeichnet sich in der Ferne ein Gasthaus ab. In seinem Garten wartet eine Weinschorle und das pralle Leben auf uns.“

A & B beschleunigen ihre Schritte ein wenig. Die Bäume rechts und links treten in die Landschaft zurück und machen Platz auf dem Weg für das Licht des Sommernachmittages. Die Silhouette des Gasthauses gewinnt schärfere Konturen. Menschen vor ihnen beleben das Bild der Landschaft. A & B tauchen ein in das Wuseln der Menschen.

 

© BPa / 07-2018

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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