Elke Müller

Amerika....

Die Sonne verlor langsam an Kraft und die Nacht wob ihre ersten Schleier. Das Feuer zischte und knackte, immer wenn ein Stück Holz nachgeschoben wurde. Licht, Wärme und eine gewisse Behaglichkeit breitete sich im Zelt aus. Die Eingangsklappe des größten Zeltes wurde zur Seite geschlagen. Ashley sah kurz auf. „ Sei gegrüßt,“ sagte Abigail und trat leise an das Feuer heran. Er setzte sich nachdem er eine einladende Geste erhalten hatte. Nahm auch gern die gefüllte Schüssel mit einer heißen guten Fleisch - Gemüsesuppe an. Splinter legte sich müde neben Ashley, sacht strich sie über sein dichtes seidiges Fell. Man hatte still gegessen und eine leichte Müdigkeit stellte sich ein. Auch hatte man nun eine gewisse Ruhe. Draußen ging es hoch her. Das jährliche große Handelstreffen mit vielen anderen Indianerstämmen und Händler hatte begonnen. Das Lager hatte man an einer geschützten Flussbucht errichtet. Trapper, Gierschlunde und Ausbeuter von Pelzhändlern sowie Indianer feilschten um Felle, es wurde Ausrüstungen gekauft, man vergnügte sich bei Wettreiten - und schießen, Gesang und Spielen. In dieser Zeit galten streng die Stammesregeln. Wer dagegen verstoß und einen Frevel begann, konnte mit dem Tod bestraft werden.

Man hatte gehofft, Redmon und Heika ebenfalls zu dieser Zeit begrüßen zu können.

Aber es gibt immer wieder Dinge, vor denen man Respekt hat und manches, wo man am besten einen großen Bogen machte. Doch, je mehr Zeit verging, so größer wurde die Sorge. Abigail versuchte Ashley zu trösten, doch sowohl Heika und Redmon blieben verschwunden. Es gab noch so vieles an was sie sich erinnerte und doch auch wieder sicher manches neu erlernen musste. Unruhe erfasste sie, wenn sie an die Zukunft dachte. Wie schlimm konnte es noch werden. „ Du machst dir zu viel Sorgen, damit machst du dir das Leben nur noch schwerer. Erst du, hast die Freude und das Lachen in unserer Familie zurück gebracht,“ sprach Abigail leise, sog bedächtig an seiner Pfeife und blickte dabei ins Feuer. „ Ich weiß noch, welche Angst ich damals hatte, da ich dachte, es ist ein einsames Leben in der Wildnis,erwiderte Ashley mit einem Lächeln. Nun, mein Kind, das Leben ist ein gnadenloser Lehrer,“ nickt Abigail. Er will etwas sagen, findet aber noch nicht die richtigen Worte. Es bleibt eine gewisse Zeit still im Zelt. Bis der Häuptling plötzlich ihre Hand nahm und in ihr Gesicht sah. Seine Stimme verriet dabei nicht seine wahren Gedanken.

Es ist sicher nicht der richtige Zeitpunkt, aber ich muss dir etwas sagen.“ „ Ja?“ Panik ergriff sie. „ Der hohe Rat hat einige Tage lange getagt und beraten, um eine Lösung für uns alle zu finden und beschlossen… Du bist die Einzige von uns, welche wir los schicken können. Es ist vielleicht die einzige letzte Chance die uns… und unseren Mitmenschen noch bleibt. Es wird eine gefährliche Reise sein.Abigail senkte den Kopf, erhob sich und lief auf und ab. Er wusste es schon länger. Die Zeichen dafür waren zu deutlich gewesen. Das ganze Gebiet ist bis jetzt noch Indianerland. Hier herrschen noch die Stämme der Dakotas, also vor allen Dingen der Sioux– aber auch der Cheyenne und andere Völker. Doch auch hier verändert sich alles. Die Zeiten der Pelzjäger werden sicher bald vorbei sein. Im nordwestlichen Montana wurde Gold gefunden. Heerscharen von Goldgräber, Betrügern, Gaunern, Glücksrittern und Banditen werden kommen mit ihrer Gier nach Reichtum und Macht, die Natur wird man aufreißen und verwüsten. Überall entstehen wilde Camps. Obwohl man uns, das Land, den Indianern zugesichert hatte. Aber ihr Land wird jetzt schon ständig zerschnitten, sowie mit Stacheldraht abgesteckt, stinkende Bohrtürme wachsen in den Himmel und verunreinigen die Luft, den Boden und das Wasser.

Der Büffel, welcher für Wildnis und Freiheit steht, wird ebenfalls bald vernichtet werden. Und bald will man eine Eisenbahn vom Atlantik zum Pazifik bauen. Die ganze Kraft der Weißen wird sich nun nach dem Bürgerkrieg vereinen und mit der Eroberung des Westens beginnen. Deshalb werden die roten Völker bald um ihr Überleben kämpfen. Es wird zu einem Blutbad kommen. So wird es kommen.

Reise? Welche Reise?“ Zu dem uns bekannten Armeestützpunkt Hall. Die Weißen sind mächtig und zahlreich. Sie sitzen uns im Nacken und wollen, das wir unsere angestammte Gebiete verlassen, damit sie uns in ein Reservat abschieben können. Aber ein Reservat ist wie ein Zoo! … Wir müssen ständig um unser Land kämpfen und tun es immer noch und wer weiß, was uns die Zukunft noch bringt.“ „ Aber was ist mit Großmutter Esther? Immerhin gehört das Land auch ihr, da können doch solche….“ „ Sie kann uns nicht für immer schützen. Die Gier der Weißen ist unersättlich, da wird der Vertrag, den wir miteinander geschlossen haben nicht viel nutzen. Die Fäden dafür werden in Washington gezogen, wenn die Verschwörungen Erfolg haben, dann… steht alles auf den Spiel.

Ashley wusste genau welches Risiko sie mit dieser Aktion einging. Sie war daran gewöhnt ständig die Augen offen zu halten, jederzeit fluchtbereit zu sein um nicht überfallen zu werden. Sie wusste, was ihr bevorstand. Die Wildnis war ihr seit Jahren vertraut.

Es ist eine Entscheidung, die ihr alles andere als leicht fällt. Jetzt fragte sie sich, ob sie das richtige tat.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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