Sebastian Nokelsky

Eine andere Welt

Jede Idee beginnt mit einer Zeichnung. In jedem Menschen steckt die Gabe mehr zu sehen, als dass was man mit den Augen sehen kann. Mehr zu hören als die Klänge, die man kennst und mehr zu fühlen, als dass Herz berühren kann. Diese Gabe nennt man Fantasie. Doch sind es wirklich nur Gedanken, die zu allen Ideen führen?
Was ist mit Schmerzen, die wir empfinden, obwohl wir nicht verletzt sind. Was ist mit den Träumen, die wir haben ohne gerade zu schlafen. Es gibt Menschen, die finden ohne gesucht zu haben. Was wäre, wenn jeder Gedanke der Fantasie ein Echo wäre, aber keiner sie hören oder deuten kann.

Die angehende Krankenschwester Alicia zeichnet in ihrer Freizeit und postet ihre Kunstwerke auf Facebook. In Gruppen hat sie viele Freunde und Gleichgesinnte gefunden. Wie an jedem Wochenende schaute sie sich die neuen Arbeiten ihrer Kunstkollegen an. Es waren selbst gemalte Bilder von Menschen aus der ganzen Welt, mit all ihren Ideen. Alicia entdeckte eine Zeichnung, die ihr besonders gut gefiel. Sie hatte schon vieles gesehen. Lustiges und verrücktes, wie wunderschönes und gruseliges. Aber so eine Zeichnung noch nicht. Ein Clown, komplett in schwarz. Seine Augen waren finster und seine Mimik böse aussehend. Ein Clown der Kinder nicht zum lachen bringt und dafür Angst verbreitet. Alicia teilte dieses Bild des Künstlers.
Nach einer langen Schicht mit Überstunden in der Notaufnahme war Alicia erschöpft und müde. Aber auch froh darüber, dass sie anderen Menschen helfen konnte. Sie zog sich um und machte sich auf den Weg nach Hause. Der Wächter ließ sie durch die Sicherheitstür und wünschte einen angenehmen Abend. Alicia ging wie immer zu Fuß die schmale Straße entlang. Es war schon sehr spät und finster. Die Sterne am schwarzen Himmel waren von dichten Wolken verdeckt. Irgendwie kam ihr der Weg länger vor. Sie hatte ein unheimliches Gefühl und spürte kleine Wassertropfen auf ihrer Haut. Der kühle Wind wehte durch ihr braunes Haar und sie lief schneller. Plötzlich sprang ein Junge aus dem Schatten einer alten Bushaltestelle hervor. Erschrocken blieb Alicia stehen. Der Junge war zerlumpt gegliedet, bewegte sich nicht und schaute auf die Straße in den leichten Regen. Sein abgemagertes Gesicht verbarg er hinter einer Kaputze. Ängstlich machte Alicia einen Schritt nach vorn. Der Junge drehte langsam seinen Kopf zu Alicia und schaute sie an. Seine Augen waren leer und die Pupillen geweitet. Bevor Alicia etwas sagen konnte stellte sich der Junge vor ihr und zog ein Messer aus seiner Hosentasche. Die Klinge blitzte im Licht der Laterne und seine Hand war zittrig. Alicia ging langsam zurück. Ihr Herz schlug schneller und sie drückte ihre Handtasche fest an sich. Nach wenigen Schritten stieß sie mit dem Rücken an die mit Graffiti besprühte Wand der Haltestelle. Der Regen prasselte gnadenlos auf das Pflaster und auf das kleine Dach über ihr. Der Junge fing an zu stönen und zu schnaufen. Sein Gesicht wurde zornig. Alicia weinte und war vor Angst wie gelähmt. Ihr Herz raste und ihre Gedanken waren vom Anblick der scharfen Klinge völlig blockiert. Plötzlich rannte der Junge wutentbrannt mit ausgestrecktem Messer auf sie zu. Alicia schrie, schloss ihre Augen und riss ihre Arme hoch um sich zu schützen. Es knallte sehr laut und klang wie eine tiefe Stimme die lachte. Der Regen entspannte sich wieder zum Tröpfeln. Alles war still und dunkel. Nur der pfeifende Wind, der durch die Haare von Alicia wehte war zu hören. Sie spürte die kalte Luft und nahm die Arme runter. Vor ihr auf dem Boden lag ihre Handtasche und das Messer. Auf der anderen Straßenseite lag ihr Angreifer, zusammen gekauert und er zitterte am ganzen Körper. Alles an ihm war so verkrampft, dass seine Arme und Beine unkontrolliert zuckten. Er schien geistig abwesend zu sein und stammelte unverständlich vor sich hin. Alicia holte ihr Smartphone aus der Handtasche und rief die Polizei an und benachrichtigte das Krankenhaus. Der Notarzt untersuchte den Jungen und die Polizei befragte Alicia. Sie hatte großes Glück gehabt. Der Junge war noch minderjährig. Er lebte auf der Straße und war stark drogenabhängig. Seine Entzugserscheinungen und sein Schockzustand haben vermutlich Alicia das Leben gerettet.
Der Junge erholte sich nie wieder von dem Schock. Bis an sein Lebensende war er in psychologischer Behandlung und flüsterte stotternd immer wieder die selben Worte.
„ schwarzer Clown “

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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