Heinz-Walter Hoetter

Die kleine Geschichte vom breiten Lächeln

Der alte Peter Miesekopf war überall in der Stadt als missgelaunter Mann bekannt, den alles ärgerte. Mal schimpfte er über das Wetter, dann wieder über die lauten Kinder, die gleich neben seinem Haus auf einem Fußballplatz spielten. Es gefiel ihm auch nicht, wenn die Menschen auf dem grünen Rasen im Park herum liefen oder sich dort hinlegten, wenn die Sonne schien, um sich von ihr wärmen zu lassen.

Peter Miesekopf war in der Tat ein richtiger Querulant, der stets mit böser Miene herumlief und nie lachte. Deshalb machten auch die meisten Menschen, die ihn kannten, einen großen Bogen um ihn herum und mieden ihn tunlichst wegen seiner oft komischen, unangenehmen Art.

Eines Tages klingelte es draußen an Tür von Herrn Miesekopf. Als er sie öffnete und durch den schmalen, offenen Spalt nach draußen lugte, stand da ein wunderbares Lächeln auf der Treppe, das ihn freundlich ansah und ihn bat, die Eingangstür doch bitte noch ein bisschen weiter aufzumachen, damit es in sein Haus könne.

Der Alte dachte natürlich nicht daran, denn er fühlte sich durch das breite Lächeln vor seiner Tür irgendwie belästigt. Schon wollte er wieder los schimpfen, als ein heftiger Windstoß ihm die Tür aus der Hand riss, die mit einem dumpfen Knall gegen die innere Flurwand polterte.

Jetzt stand das breite Lächeln auf einmal direkt vor ihm, sprang ihm sogleich ins Gesicht und machte es sich dort gemütlich. Peter Miesekopf bekam das aber alles nicht mit, denn jetzt fluchte er laut herum, weil ihm die Tür durch den Windstoß entglitten war und den Putz an der Wand beschädigt hatte. Muffelig ging er zurück ins Haus und war den ganzen Tag schlecht gelaunt.

Am nächsten Morgen machte er sich fertig, um einige wichtige Dinge in der Stadt zu erledigen. Unterwegs kamen ihm andere Leute entgegen, die ihn plötzlich freundlich grüßten und ihm allesamt fröhlich zuwinkten. Peter Miesekopf wunderte dies sehr, weil er sich das einfach nicht erklären konnte, warum die Menschen auf ihn einmal fröhlich und gut gelaunt zugingen.

Immer mehr Leute kamen an ihm vorbei und alle lächelten sie ihm zu. Als er schließlich vor einem Blumengeschäft stand, drückte ihm die junge Verkäuferin sogar eine Sonnenblume in die Hand und wünschte ihm gleichzeitig einen schönen Tag.

Der alte Herr Miesekopf war darüber total verblüfft, doch er fühlte sich auf einmal gegen seinen Willen irgendwie schon viel besser. Überhaupt schien an diesem Tag alles ganz anders zu sein als sonst. Der Himmel kam ihm viel blauer vor als früher, und die liebe Sonne wärmte wohltuend sein Gesicht, was ihm vorher nie aufgefallen war. Als er etwas später am Stadtpark mit den herrlich grünen Wiesen vorbei kam, winkten ihm auch hier alle Leute zu und lächelten ihn dabei freundlich an. Selbst die Vögel im Park zwitscherten um die Wette, als würden sie es nur für ihn tun. Peter Miesekopf konnte sich das alles nicht erklären, aber er genoss es trotzdem. Er fühlte sich wie ein neuer Mensch.

Als er später nach Hause kam und seine Jacke auszog, schaute er dabei zufällig in den breiten Flurspiegel. In seinem Gesicht sah er ein breites Lächeln, das er die ganze Zeit gar nicht bemerkt hatte.

Deshalb sind mir die vielen Leute also freundlich entgegen gekommen, dachte der Alte so für sich und fühlte sich mehr als nur gut dabei.

Genau aus diesem Grunde wollte Herr Miesekopf jetzt sein breites Lächeln nicht mehr ablegen, weil es schlagartig sein ganzes Leben verändert hatte und ihn nunmehr glücklich werden ließ.

 

ENDE

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