Heinz-Walter Hoetter

Unheimlicher Besuch bei Lisa

Es war Sonntagnacht. Draußen regnete es in Strömen.

Die 16-jährige Lisa lag mit einer leichten Grippe auf dem Sofa und schaute fern. Ihre Eltern waren ausgegangen und würden erst gegen Mitternacht wieder zurück sein. Im Fernseher lief gerade ein Nightmare-Film mit Freddy Krueger, dem abscheulichen Serienmörder mit den rasiermesserscharfen Klingen an der rechten Hand, der in den Albträumen der Kinder und Jugendlichen zum Leben erwacht.

Plötzlich klingelte das Telefon.

Lisa schlug die warme Wolldecke zurück, stand auf und schlurfte missmutig in den Gang, wo das Telefon stand. Dann nahm sie den Hörer ab.

Gerade wollte sie fragen, wer da ist, da sagte eine sonore Männerstimme auch schon: „Freddy Krueger kommt gleich zu dir. Ich stehe noch fünfzehn Meter von deinem Haus entfernt!“ Erschrocken legte Lisa den Hörer sofort wieder auf.

Irgend so ein Volltrottel will mir Angst einjagen und erlaubt sich mit mir einen bösen Scherz, dachte sie verärgert, ging zurück ins Wohnzimmer und machte es sich wieder auf dem Sofa bequem.

Nach einer Weile klingelte das Telefon abermals. Ein leichtes Angstgefühl stieg jetzt in Lisa hoch, denn ein gruseliger Horrorfilm mit Freddy Krueger lief gerade im Fernsehen, den sie sich soeben anschaute.

Was für ein komischer Zufall, dachte sie. Der unbekannte Anrufer nannte sich genauso wie der Hauptdarsteller im Film.

Wieder erhob sie sich vom Sofa und ging rüber in den Gang zum Telefon. Kaum hatte sie den Hörer abgenommen, sprach auch schon die gleiche, sonore Männerstimme zu ihr: „Freddy Krueger kommt gleich zu dir. Ich stehe nur noch wenige Meter von deinem Haus entfernt!“

Diesmal zuckte Lisa unwillkürlich zusammen. Mit zitternden Händen legte sie den Hörer auf und rannte zurück ins Wohnzimmer. Nachdem sie das Licht ausgeknipst hatte, ging sie sofort ans Fenster, schob vorsichtig den schweren Vorhang etwas zur Seite und starrte angestrengt hinaus in die dunkle Regennacht. Ihr ängstlicher Blick wanderte runter zur Straße, wo der Gehweg und das schmiedeeiserne Eingangstor des Reihenhauses ihrer Eltern vom Licht einer Bogenlaterne nur trübe beleuchtet wurde. In ihrem schwachen Lichtkegel stand allerdings ein Mann, der mit einem langen Mantel und einem Schlapphut auf dem Kopf bekleidet war. Er schien das Haus zu beobachten.

Lisa prallte entsetzt vom Fenster zurück. Ihr Herz rutschte vor lauter Angst in die Hose. Sie musste sich mit aller Kraft zusammenreißen, um nicht in Panik zu geraten. Sie rührte sich außerdem nicht von der Stelle.

Da!

Plötzlich klingelte es unten an der Haustür. Kurz danach ein zweites und drittes Mal.

Lisas Knie wurden weich. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Trotz aller Furcht tastete sie sich in der Dunkelheit des Zimmers langsam zum Telefon vor, um die Polizei anzurufen.

Schon wollte sie den Hörer abnehmen, als jemand offenbar mit geballter Faust heftig gegen die hölzerne Haustür schlug. Gleichzeitig rief eine laute Stimme: „Verdammt noch mal Lisa. Mach’ endlich die Tür auf! Ich bin es, dein Bruder Tom. Oder willst du mich hier draußen im Regen noch länger stehen lassen?“

„Gott sei Dank! Es ist ja nur mein Bruder. Das ist typisch für ihn. Immer muss er diese verdammten Scherze mit mir machen. Dem werde ich’s aber gleich geben. Der kann was von mir hören...“, murmelte Lisa mit zischender Stimme vor sich hin.

Gleich darauf rannte das 16-jährige Mädchen ziemlich erleichtert runter zur Haustür und öffnete sie hastig. Als die Tür weit offen stand, erstarrte Lisa vor Schreck. Sie wollte schreien, brachte aber keinen Ton raus.

Vor ihr stand ein Mann mit einem hässlich vernarbten Gesicht. An der rechten Hand trug er lange scharfe Klingen an jedem einzelnen Finger. Sein bis zu den Knöcheln hängender schwarzer Mantel war nicht zugeknöpft und den Schlapphut hatte er tief in seine Stirn gezogen. Der schmale Mund verzog sich plötzlich zu einem bösartigen Grinsen.

Dann sagte er mit sonorer Stimme:
„Ich heiße nicht Tom. Ich habe nur seine Stimme nachgeahmt. Mein Name ist Freddy Krueger.“
 

ENDE


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